- VonFrank Osiewaczschließen
Im Herzen von Hamm wurden 2023 mehr Straftaten verzeichnet als im Vorjahr. Trotz der steigenden Zahlen versichert der Polizeipräsident, die Bürger könnten sich sicher fühlen. Eine detaillierte Analyse der Kriminalstatistik.
Hamm – Im Stadtbezirk Hamm-Mitte ereigneten sich 2023 mit Abstand die meisten Straftaten und mehr als 2022. Dennoch könnten sich die Bürger „sicher“ fühlen, sagte Polizeipräsident Thomas Kubera bei der Vorstellung der Kriminalstatistik.
Auf 1000 Einwohner im Stadtbezirk Hamm-Mitte kamen 2023 rechnerisch 256 Straftaten, bei denen polizeiliche Ermittlungen eingeleitet wurden. Das sind deutlich mehr als für ganz Hamm (118 Taten pro 1000 Einwohner). Im Stadtbezirk Mitte, der den historischen Stadtkern sowie Teile des Hammer Westens bis zur Radbodstraße und des Hammer Südens östlich und westlich der Werler Straße umfasst, lebten zum Stichtag 31. Dezember 2022 37.171 Menschen.
Hamm-Mitte ist aufgrund seiner besonderen Struktur und Bedeutung schon immer der Bezirk mit der höchsten Kriminalitätsrate der Stadt gewesen. 9563 Straftaten wurden hier 2023 insgesamt erfasst (2022: 8292). In allen Stadtbezirken zusammen waren es 21 506. Damit liegt der Anteil in Mitte bei rund 44,5 Prozent am Gesamtaufkommen.
Kriminalität in Hamm-Mitte: Diebstähle aus Pkw sind „Sorgenkind“
Rückläufig gegenüber dem Vorjahr waren Fahrraddiebstähle mit 422 Fällen (2022: 538) und Sexualdelikte (2023: 89 bekannt gewordene Fälle einschließlich Pornografie; 2022: 100). Zugenommen haben Sachbeschädigungen (2023: 503 / 2022: 479) und Taschendiebstähle (2023: 219 / 2022: 178). Höchstwerte bei stetiger Steigerung innerhalb der vergangenen sechs Jahre haben gefährliche und schwere Körperverletzung (208 Delikte), Raub (117), häusliche Gewalt (100), Wohnungseinbrüche (77) und Diebstähle an und aus Pkw (572) erreicht.
Letztere bezeichnete Polizeipräsident Thomas Kubera angesichts ihres sprunghaften Anstiegs nicht nur für Mitte, sondern für ganz Hamm als ein „Sorgenkind“. Tatverdächtige seien neben kriminellen Serientätern Menschen aus der Drogenszene. „Es reichen in manchen Fällen schon eine Sonnenbrille oder zwei Euro auf der Mittelkonsole“, so der Polizeipräsident.
Auffällig bei den Einsatzanlässen in Hamm-Mitte: In keinem anderen Stadtteil sind Ladendiebstähle unter den Top 5. In Mitte waren es 786 Einsätze. Polizeipräsident Thomas Kubera machte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik vor allem Beschaffungskriminalität durch Angehörige der Drogenszene für steigende Diebstahlzahlen verantwortlich. Der durchschnittliche Beutewert von rund 15 Euro sei eher gering. Betroffen sind das Allee-Center, Geschäfte an der Weststraße sowie Super- und Drogeriemärkte, auch im Bahnhof. In den Bereich der Bundespolizei entfielen 2023 rund 20 Prozent der Straftaten. Nahezu täglich kommt es beispielsweise zu Delikten in der dortigen Rossmann-Filiale.
Positiv für den Stadtteil laut Polizei: Die Zunahme von Straftaten, die sich gegen Personen in der Öffentlichkeit richten (Rohheitsdelikte), ist geringer als im restlichen Stadtgebiet. Unter anderem zeigten Maßnahmen wie die „SiKo“-Streifen von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst Wirkung, heißt es als Begründungsansatz.
Kriminalität in Hamm-Mitte: Polizeipräsident Kubera entspannt
Kubera hob bei der Vorstellung der Statistik den Stadtbezirk Mitte in seiner Sonderrolle als einwohnerstärksten Bezirk, als Verkehrsdrehscheibe und Ankunftsort vieler Auswärtiger hervor. Gleichwohl betonte Kubera für Mitte wie für ganz Hamm, Menschen könnten sich sicher fühlen: „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat im öffentlichen Raum zu werden, ist sehr gering.“
An zwei Kriminalitätsbrennpunkten, dem Bahnhofsquartier und der Südstraße, kommt seit April Videobeobachtung zum Einsatz. Sie soll vor allem präventiv wirken und für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen.
Seit Mitte Februar ist zudem der „SiKo-Point“ in der Bahnhofstraße gemeinsame Basis für Polizei und Kommunalen Ordnungsdienst.
