VonMartin von Braunschweigschließen
Vor sechs Monaten sorgte ein Amoklauf in der Hochschule Hamm-Lippstadt für Entsetzen. Das Dortmunder Schwurgericht muss nun entscheiden, was mit dem mutmaßlichen Messerstecher geschehen soll. Bestraft werden kann der 34-Jährige wohl nicht.
Hamm/Dortmund - Der Mann, der von zwei Wachtmeistern in den Saal geführt wird, ist schmächtig und blass. Sein Gesicht versteckt er hinter einem Aktendeckel. Als er wenig später auf die Fragen des Richters antwortet, ist seine Stimme kaum zu verstehen.
Der 34-Jährige ist psychisch schwer krank. Psychiater Bernd Roggenwallner hat bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Wahnvorstellungen sollen ihn am 10. Juni zu der Wahnsinns-Tat getrieben haben.
Offenbar bildete sich der Beschuldigte damals ein, alle Menschen an der Hochschule Hamm-Lippstadt gehörten zu einem Clan, der ihm das Leben nehmen wolle. Deshalb soll er sich selbst mit zwei Küchenmessern bewaffnet haben und auf dem Campus wahllos auf Menschen eingestochen haben.
Zwei Frauen verletzte der Täter in einem Foyer im Gesicht und am Bauch. Einen Studenten stach er das Messer in den Nacken, ehe er in einen Hörsaal lief, wo gerade eine Gastvorlesung gehalten wurde.
Vater der Toten Auge in Auge mit dem Angeklagten
Zeugen berichteten später, der Amoktäter habe laut gerufen: „Jetzt ist Schluss! Jetzt bis du dran!“ Dann habe er einer Gastdozentin in der ersten Reihe das Messer tief in die Brust gerammt.
Die Frau wurde zwar noch in die Uniklinik nach Münster geflogen. Doch sie hatte bereits zu viel Blut verloren. Am nächsten Tag erklärten die Ärzte sie für tot.
Der Vater der 30-jährigen Essenerin brachte am ersten Verhandlungstag die Kraft auf, dem mutmaßlichen Täter in die Augen zu sehen. Alle drei Verletzten ließen sich nur von Rechtsanwälten vertreten. Sie werden in dem Prozess wichtige Zeugen sein.
Angaben zur Sache erst im Beisein des Psychiaters
Auf die Frage, ob er Angaben zur Sache machen wolle, antwortete am Donnerstag die Verteidigerin des Beschuldigten. Ina Klimpke sagte: „Das wird zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.“ Nämlich dann, wenn auch Psychiater Roggenwallner an der Verhandlung teilnehmen könne.
Am Rande des Prozesses sagte Klimpke später: „Das wird natürlich auch davon abhängen, wie sich mein Mandant fühlt.“ Der 34-Jährige wisse jedenfalls, dass er krank sei und dass er behandelt werden müsse.
34-Jähriger wird in Lippstadt-Eickelborn behandelt
Aktuell geht der Psychiater davon aus, dass der mutmaßliche Messertäter an jenem 10. Juni nicht schuldfähig war. Bestrafen könnten ihn die Richter in diesem Fall nicht. Nicht wegen Mordes, nicht wegen Mordversuchs. Was bliebe, wäre die Frage, ob er als Gefahr für die Allgemeinheit in einer geschlossenen Klinik untergebracht werden muss.
Seit seiner Festnahme wird der 34-Jährige in Lippstadt-Eickelborn behandelt. Noch bis kurz vor der Tat soll er sich auch in einer Klinik befunden haben, ehe er sich offenbar selbst nach Hause entließ. Klimpke: „Auch das wird in diesem Prozess natürlich zur Sprache kommen.“
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