- VonMechthild Wiesreckerschließen
In einem Workshop sammelten Drensteinfurter erste Ideen für die neue Wagenfeldstraße. Jedem wird man es nicht recht machen. Es bracht einen tragfähigen Kompromiss.
Drensteinfurt – Wie soll es mit der Wagenfeldstraße weitergehen? Diese Frage bewegt viele Drensteinfurter. Rund 70 Bürger kamen am Dienstagabend in die Alte Post, um sich zu informieren, ihre Bedenken zu äußern und ihre Ideen während eines Planungsworkshops einzubringen.
Eingeladen hatte die Stadt Drensteinfurt gemeinsam mit dem Ingenieurbüro NTS aus Münster. Die große Beteiligung zeige, „wie wichtig den Menschen die künftige Gestaltung der Wagenfeldstraße ist“, betonte Bürgermeister Carsten Grawunder. Der Workshop sollte allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich aktiv in die Planung einzubringen. Auch Diplom-Ingenieur Olaf Timm, geschäftsführender Gesellschafter von NTS, stellte klar: „Wir gehen heute ergebnisoffen in die Planungen.“
Parkplatzsituation: „chaotische Zustände“
In fünf Gruppen, begleitet von je einem Vertreter des Planungsbüros, konnten die Teilnehmer zunächst direkt auf der Wagenfeldstraße, später dann in der Alten Post an Stellwänden ihre Kritikpunkte, Wünsche und Anregungen äußern und diskutieren. Am Ende wurden die Ergebnisse zusammengetragen. Einig waren sich alle Gruppen beim Wunsch nach ausreichenden Parkplätzen.
Petra Scheffer, Inhaberin des Schuhhauses Step In, warnte vor einer Umsetzung ohne vorherige Klärung von Ersatzparkplätzen: „Schon jetzt herrschen zu Stoßzeiten chaotische Zustände.“ Viele bestätigten, dass Fahrzeuge regelmäßig auch in zweiter Reihe parken. Kurzzeitparkplätze könnten hier entzerren.
Barrierefreiheit? Fehlanzeige!
Auch die schmalen Gehwege und die mangelnde Barrierefreiheit wurden thematisiert – allerdings nicht ohne kontroverse Diskussionen. Elke Kiffe, Inhaberin des Haushaltswarengeschäfts Lanfer, merkte an, dass Bordsteinkanten zwar die Barrierefreiheit einschränkten, aber gleichzeitig verhinderten, dass Kinder ungehindert auf die Straße liefen. Bei einer Angleichung sei eine deutliche Markierung nötig.
Mehr Aufenthaltsqualität wünschten sich fast alle Teilnehmer – besonders im Bereich des Junggesellen-Brunnens und vor der Wagenfeld-Apotheke. Dort seien Bänke, gegebenenfalls mit gastronomischem Angebot, sowie Begrünung mit Bäumen denkbar. Auch Fahrradstellplätze, insbesondere für Lastenräder, wurden gewünscht. Vereinzelt wurde eine komplette Verkehrsberuhigung der Wagenfeldstraße vorgeschlagen – mehrheitlich jedoch zumindest eine erhöhte Verkehrssicherheit auf der Martin- und Wagenfeldstraße gefordert. Auch eine Entschärfung des „Schlauchcharakters“ der Straße wurde angeregt.
Junggesellen-Brunnen erhalten
Der Junggesellen-Brunnen soll nach allgemeinem Wunsch erhalten, aber gerne aufgewertet werden. Die angrenzende Wiese werde derzeit häufig als „Hundeklo“ genutzt, dort wären Bäume oder andere Bepflanzung eine bessere Lösung. Der ÖPNV in Drensteinfurt wurde als unzureichend kritisiert. Zudem gab es Zweifel, ob es sinnvoll sei, dass die angestrebte barrierefreie Zone am Bioladen endet. Auch der Bereich von der Eisdiele bis zur Mühlenstraße solle in die Planungen einbezogen werden.
Olaf Timm betonte abschließend, worauf es aus planerischer Sicht ankommt: „Der funktionierende Handel ist essenziell.“ Statistisch gesehen seien Fußgänger und Radfahrer wichtiger als der Pkw. Entscheidend sei, Mobilität für alle zu ermöglichen. Maßnahmen gegen Hitzeentwicklung und Starkregen seien ebenso notwendig wie die Aufwertung des sozialen Raums, in dem Menschen leben, arbeiten und sich begegnen. Sein Fazit: „Die unterschiedlichen Interessen lassen sich nicht alle unter einen Hut bringen – wir müssen gemeinsam einen tragfähigen Kompromiss finden.“
Weitere Termine
19. Mai: Treffen der Gewerbetreibenden der Innenstadt
23. Juni: Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt
8. Juli: Sitzung des Rates
14. September: Bürgerentscheid zur Zukunft der Wagenfeldstraße
Kompromiss für Förderung
Bauamtsleiter Christoph Britten erinnerte daran, dass Fördermittel nur fließen, wenn Aufenthaltsqualität geschaffen wird – das sei räumlich nur am Junggesellen-Brunnen und vor der Wagenfeld-Apotheke möglich. Dort müssten jedoch einige Parkplätze entfallen. Die übrigen an der Straße blieben erhalten.
Wirtschaftsförderin Katja Schott stellte zum Abschluss das zeitlich begrenzte Experiment der „Stadtterrassen“ vor. Anregungen und Ideen zur Wagenfeldstraße sowie zu Aktionsangeboten und zur Bespielung der „Stadtterrassen“ können per E-Mail an wagenfeldstrasse@drensteinfurt.de gesendet werden.
