Erlebensraum Lippeaue

Lebensgefahr in Lippeauen? Schilder im Erlebensraum sorgen für Verwirrung

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Die Flugzeuge müssten schon deutlich größer sein, um für Radfahrer und Fußgänger auf dem Mitteldamm des Erlebensraums eine Gefahr zu sein.
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Schilder warnen vor Lebensgefahr durch Flugzeuge für Fußgänger und Radfahrer - ausgerechnet im „Erlebensraum Lippeaue“. Das ist übertrieben, deshalb werden sie ausgetauscht.

Hamm – Da hat man über 40 Millionen Euro in den Erlebensraum Lippeaue gesteckt, um was für den Naturschutz zu tun und den Hammern ein grünes Wohnzimmer in Innenstadtnähe zu bauen – und dann stehen nach der Eröffnung direkt am zentralen Weg durch dieses Wohnzimmer, dem Mitteldamm, diese Schilder. „Lebensgefahr. Bei Annäherung eines Flugzeuges, diesen Bereich verlassen.“ Nanu?

Der eine oder andere Hammer wunderte sich, die CDU fragte nach, was das Schild da macht, und inzwischen hat auch die Stadt geprüft, was vorgefallen ist. Die Schilder waren jedenfalls im Abstand von etwa 150 Metern in Verlängerung der Start- und Landebahn des Flugplatzes aufgestellt.

„Keine Gefahr für irgendwen“

„Inhaltlich passt das Schild nicht, da in dem öffentlich zugänglichen Bereich keine Gefahr für irgendwen besteht“, erklärt auf Anfrage unserer Redaktion erst einmal Stadtsprecher Tom Herberg. Die Bezirksregierung Münster bezeichnet das Schild ebenfalls als „ausdrücklich nicht zutreffend“.

Doch was machen die Schilder dann mitten ins Hamms neuem Prestigeprojekt? Die Geschichte beginnt damit, dass im Zusammenhang mit der großformatigen Umgestaltung der Lippeauen zum Erlebensraum Lippeaue der Damm mit dem Geh- und Radweg von der Fähr- zur Münsterstraße verlegt wurde. Er rückte damit näher an das Flugplatzgelände und dessen Start- und Landekorridore.

Bezirksregierung gibt Anstoß für Beschilderung

Das rief die Bezirksregierung Münster auf den Plan, die als Landesluftfahrtbehörde für den Sonderlandeplatz Hamm-Lippewiesen, so der offizielle Name, zuständig ist. „Nach Fertigstellung des Erlebensraums Lippeaue wurde dem Flugplatzbetreiber seitens der Bezirksregierung Münster angeraten, eine Beschilderung anzubringen, die die Passanten auf den vom Landeplatz ausgehenden Flugbetrieb aufmerksam macht“, sagt Andreas Winnemöller, Sprecher der Bezirksregierung.

Nun lag der Ball beim Luftsportclub Hamm (LSC): Der nahm nach Angaben des Zweiten Vorsitzenden Lutz Gößlinghoff Kontakt mit dem Lippeverband auf, der das Millionenprojekt umgesetzt hatte, und der wiederum eine Baufirma beauftragte, die Schilder aufzustellen, so Gößlinghoff.

Schilder in Wangerooge als Vorbild

Die Gestaltung der Schilder hatte der LSC übernommen und sich dabei an Warnschildern am Flugplatz auf Wangerooge orientiert. „Da bin ich öfter“, sagt Gößlinghoff, großer Freund der Nordseeinsel. Und auf der Insel fliegen die Flugzeuge tatsächlich tief über die Köpfe der Touristen und müssen vor Gefahren gewarnt werden. Das Schild wurde kopiert, landete in Hamm – wo die Lage völlig anders ist.

Denn auf dem hiesigen Flugplatz starten die Piloten mit deutlich größerem Abstand zum Fuß- und Radweg. „Das war vielleicht ein Fehler, dass wir das einfach übernommen haben“, sagt Gößlinghoff. Denn es besteht ja weder Lebens- noch sonst irgendeine Gefahr durch den Flugverkehr. Lediglich die Motorgeräusche der anfliegenden Propellermaschine könnten Passanten erschrecken, davor müsse man warnen, so die Intention des LSC.

Keine Lebensgefahr mehr: Die Schilder sind mittlerweile abmontiert.

Schilder sollen durch milderen Hinweis ersetzt

Gößlinghoffs Aussage nach sei der Verein von der Bezirksregierung übrigens „dringend“ zum Aufstellen von Schildern aufgefordert worden. Die Bezirksregierung hingegen spricht lediglich von einem Anraten: „Luftrechtliche Vorgaben zum verpflichtenden Aufstellen eines solchen Hinweisschildes gibt es nicht.“

Mit der Lebensgefahr ist es nun vorbei. Nach einer Anfrage unserer Redaktion wurden die Schilder abmontiert. Ersatz soll kommen, mit dem deutlich milderen Hinweis: „Flugbetrieb“, das übliche Verkehrsschild, ein Dreieck mit rotem Rand und Flugzeug auf weißem Grund. Bezirksregierung, Stadtverwaltung und Luftsportclub wollen sich vor dem Aufstellen diesmal dazu austauschen.

Zuvor hatten bereits die hellgrün-weißen Pfosten, die der Lippeverband auf den Wegen aufgestellt hat, sowie das Schwimmverbot am Strand für Diskussionen gesorgt. An der Lippe besteht übrigens wirklich Lebensgefahr.

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