Noch kein Starttermin

Verdi plant Streik im gesamten ÖPNV in NRW - kommt überraschende Wende?

  • schließen

In ganz NRW droht ein unbefristeter Streik bei Bahnen und Bussen. Das Ergebnis der Urabstimmung von Verdi ist eindeutig. Oder kommt es doch zur Wende?

Hamm - Das Ergebnis der Urabstimmung ist deutlich: Die Beschäftigten im ÖPNV in Nordrhein-Westfalen haben für einen unbefristeten Streik gestimmt. Busse und Bahnen in den Städten und Kreisen des Landes werden „zeitnah“ still stehen, kündigte Verdi-Sprecher Peter Büddicker am Mittwoch an. Einen genauen Termin für den Start des Streiks nannte er zunächst nicht.

Unbefristeter Streik bei Bussen und Bahnen in NRW – Urabstimmung von Verdi deutlich

97 Prozent der von Verdi befragten Beschäftigten in NRW-Nahverkehrsbetrieben sprachen sich demnach für unbefristete Arbeitskampfmaßnahmen aus. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Donnerstag, 11. April, plant Verdi NRW den kompletten ÖPNV in NRW zu bestreiken, allerdings nicht immer zeitgleich. Zudem behält sich die Gewerkschaft vor, die Streikmaßnahmen mit weniger Vorlauf als noch zuletzt in der Warnstreikphase anzukündigen. Wann und wo genau gestreikt werden soll, nannte die Gewerkschaft auch am Donnerstag nicht.

„Wir planen zeitnah mit den Erzwingungsstreiks zu starten, sind aber weiterhin gesprächsbereit. Die Streikmaßnahmen gelten den Unternehmen, es ist aber trotzdem mit erneuten Auswirkungen auf Fahrgäste zu rechnen, die in ihrer Qualität variieren können“, wird Büddicker, Branchenexperte Busse und Bahnen bei Verdi in NRW, in einer Mitteilung zitiert.

Damit droht genau das Streik-Szenario im NRW-Nahverkehr einzutreten, das von vielen Menschen, die auf Busse und Bahnen angewiesen sind, erwartet und befürchtet worden ist. Es sei denn, die Arbeitgeberseite fühlt sich durch das klare Ergebnis der Urabstimmung unter Druck, Verdi ein verbessertes Angebot zu unterbreiten. Und genau das geschah am Tag nach der Verkündung des Urabstimmungsergebnisses. Das neue Angebot sieht unter anderem bis zu vier zusätzliche freie Tage für bestimmte Beschäftigtengruppen vor, teilte der kommunale Arbeitgeberverband KAV NW am Donnerstag mit.

Was es bedeutet, wenn Busse und Bahnen nicht fahren, haben Pendler, Schüler und Reisende zuletzt bei mehreren Warnstreiks zu spüren bekommen. In rund 30 Verkehrsbetrieben von Nordrhein-Westfalen, darunter jene in Köln, Dortmund, Hagen, Essen, Münster, Bielefeld , Düsseldorf, Bonn und Hamm, wurden die Beschäftigten zum Arbeitskampf aufgerufen.

Unbefristeter Streik im NRW-Nahverkehr: Die Forderungen von Verdi

Verdi NRW hatte die Tarifverhandlungen über die Arbeitsbedingungen in den kommunalen Verkehrsbetrieben nach der dritten Verhandlungsrunde Mitte März in Dortmund für gescheitert erklärt. Dabei geht es um einen sogenannten Manteltarifvertrag. Der Gewerkschaft geht es im Tarifstreit vor allem um einen geringere Arbeitslast. Die Forderungen von Verdi für die Beschäftigten des ÖPNV lauten:

  • Entlastungstage für alle Beschäftigten im ÖPNV
  • Identischer Ort für Arbeitsbeginn und -ende
  • Zulage ab dem ersten Tag bei vorübergehender Übertragung höherwertiger Tätigkeiten
  • Schicht- und Wechselschichtzulage für den Fahrdienst
  • 100 Prozent Jahressonderzahlung
  • Überstunden ab der ersten Minute und in der individuellen Stufe ohne Abzug
  • Zulage für Vorhandwerker, Gruppenführer, Teamleiter nach individueller Stufe

Der kommunale Arbeitgeberverband (KAV) NRW hatte auf einen engen Finanzspielraum und eine deutliche Gehaltserhöhung zum 1. März hingewiesen. Der Arbeitgeberverband hatte das Scheitern der Tarifverhandlungen zuletzt mit „unerfüllbaren Forderungen“ erklärt. Man bleibe nach der Urabstimmung „bei der Linie, dass eine Lösung des Tarifkonflikts nur am Verhandlungstisch in sachorientierten Gesprächen erreicht werden kann. Hierzu sind die Arbeitgeber weiterhin bereit“, sagte ein Sprecher. 

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Panama Pictures/Imago

Kommentare