VonSimon Stockschließen
In NRW drohen Dauerstreiks bei Bussen und Bahnen. Verdi kündigt bereits für die nächsten Tage Arbeitsniederlegungen im ÖPNV an. Das Resultat der Urabstimmung ist eindeutig.
- Im Nahverkehr von Nordrhein-Westfalen drohen Dauerstreiks bei Bussen und Bahnen. Ein Starttermin wurde noch nicht bekannt.
- Eine Urabstimmung der Gewerkschaft Verdi brachte eine deutliche Zustimmung zu unbefristeten Streiks.
- Am Donnerstag, 11. April, legten die Arbeitgeber ein neues Angebot vor.
Update vom 11. April, 17.30 Uhr: Am Tag nach der Verkündung des deutlichen Ergebnisses der Urabstimmung kommt Bewegung in den Tarifstreit im NRW-Nahverkehr. Die Arbeitgeberseite hat ein neues Angebot abgegeben, um den unbefristeten Ausstand abzuwenden. Unterdessen sind Details zur Streiktaktik bekannt geworden. Laut dpa plant die Gewerkschaft Verdi, den kompletten ÖPNV in NRW zu bestreiken, allerdings nicht immer zeitgleich. Zudem behält sich Verdi vor, die Streikmaßnahmen mit weniger Vorlauf als noch zuletzt in der Warnstreikphase anzukündigen.
Drohender Streik im Nahverkehr in NRW: Details zur Verdi-Taktik
Update vom 10. April, 15.38 Uhr: In NRW drohen Dauerstreiks bei Bus und Bahn. Die von Verdi durchgeführte Urarbabstimmung habe nach Angaben der Gewerkschaft ergeben, dass sich „eine überwältigende Mehrheit von 97 Prozent der Befragten“ für unbefristete Arbeitskampfmaßnahmen ausgesprochen hat. Schon in den kommenden Tagen wolle Verdi einmal mal die Beschäftigten der Nahverkehrsbetriebe zu Streiks aufrufen. Ein Datum wird noch nicht genannt.
Dauerstreiks bei Bus und Bahn in NRW beschlossen: Verdi verkündet klares Ergebnis
„Wir planen zeitnah mit den Erzwingungsstreiks zu starten, sind aber weiterhin gesprächsbereit. Die Streikmaßnahmen gelten den Unternehmen, es ist aber trotzdem mit erneuten Auswirkungen auf Fahrgäste zu rechnen, die in ihrer Qualität variieren können“, wird Peter Büddicker, Branchenexperte Busse und Bahnen bei Verdi in NRW, zitiert. Das „überwältigende“ Abstimmungsergebnis sende ein klares Signal, den Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Weiter heißt es seitens Verdi: „Der ÖPNV benötige dringend attraktivere Arbeitsbedingungen, um mit mehr Personal über die aktuell bereits kritische Situation hinaus auch die Verkehrswende stemmen zu können.“
Bus und Bahn betroffen: Dauerstreik in NRW könnte sehr schnell losgehen
[Erstmeldung] Hamm - Der über Monate dauernde Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ist beigelegt, zuletzt fuhren auch die Busse und Bahnen in den Städten und Kreisen von Nordrhein-Westfalen nach Fahrplan. Doch es könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Im NRW-Nahverkehr droht der Dauerausstand. Schon bald könnte der unbefristete Streik starten - und zwar ohne großen Vorlauf für Millionen Fahrgäste.
Dauerstreik bei Bussen und Bahnen in NRW könnte überraschend schnell starten
Pendler, Schüler und andere, die auf ein funktionierendes System von Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen angewiesen sind, warten gespannt auf Mittwoch, 10. April. Voraussichtlich an diesem Tag will Verdi das Ergebnis der Urabstimmung veröffentlichen. Dann will die Gewerkschaft wohl auch mitteilen, wann der neuerliche Streik beginnt.
Wenn mindestens drei Viertel der Gewerkschaftsmitglieder unter den etwa 30.000 Beschäftigten in den kommunalen Verkehrsbetrieben für einen unbefristeten Streik stimmen, könnten Busse und Bahnen sogar schon einen Tag später, am Donnerstag, 11. April, stillstehen - und zwar diesmal ohne Enddatum wie bei den vorangegangenen Warnstreiks. Eine Horror-Vorstellung für viele Fahrgäste, besonders aber für Schülerinnen und Schüler, deren Abitur-Prüfungen im April bevorstehen.
Was es bedeutet, wenn Busse und Bahnen nicht fahren, haben Pendler, Schüler und Reisende zuletzt bei mehreren Warnstreiks zu spüren bekommen. In rund 30 NRW-Verkehrsbetrieben, darunter jene in Köln, Dortmund, Hagen, Essen, Münster, Bielefeld , Düsseldorf, Bonn und Hamm, wurden die Beschäftigten zum Arbeitskampf aufgerufen.
Unbefristeter Streik im NRW-Nahverkehr schon ab dem 11. April möglich
Verdi NRW hatte die Tarifverhandlungen über die Arbeitsbedingungen in den kommunalen Verkehrsbetrieben nach der dritten Verhandlungsrunde Mitte März in Dortmund für gescheitert erklärt. Dabei geht es um einen sogenannten Manteltarifvertrag. Der Gewerkschaft geht es im Tarifstreit nicht vornehmlich um mehr Geld für die gut 30.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr von Nordrhein-Westfalen, sondern vor allem um einen geringere Arbeitslast. Die Forderungen von Verdi für die Beschäftigten des ÖPNV lauten:
- Entlastungstage für alle Beschäftigten im ÖPNV
- Identischer Ort für Arbeitsbeginn und -ende
- Zulage ab dem ersten Tag bei vorübergehender Übertragung höherwertiger Tätigkeiten
- Schicht- und Wechselschichtzulage für den Fahrdienst
- 100 Prozent Jahressonderzahlung
- Überstunden ab der ersten Minute und in der individuellen Stufe ohne Abzug
- Zulage für Vorhandwerker, Gruppenführer, Teamleiter nach individueller Stufe
Der kommunale Arbeitgeberverband (KAV) NRW hatte auf einen engen Finanzspielraum und eine deutliche Gehaltserhöhung zum 1. März hingewiesen. Der Arbeitgeberverband hatte das Scheitern der Tarifverhandlungen zuletzt mit „unerfüllbaren Forderungen“ erklärt.
Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Panama Pictures/Imago
