Viele Einsatzkräfte haben ihr Weihnachten 2023 auf dem Deich verbracht. Betroffen waren und sind nicht nur Hammer, sondern auch Hunderte aus anderen Städten.
Hamm – Nicht nur für die Anwohner des Deichs an der Soester Straße in Hamm bleibt Weihnachten 2023 unvergesslich. Die zum größten Teil freiwilligen Helfer verbrachten die Feiertage nicht nur im Kreise ihrer Liebsten, sondern auch mit den Kameraden. Rund um die Uhr schleppten sie in Schichten Sandsäcke auf den Deich.
So auch Maren Brandt. Sie ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Sandbochum und sitzt normalerweise zwischen Abschlussprüfung und Umzugskartons. „An Weihnachten kamen dann noch Sandsäcke dazu. Ich war gerade auf dem Weg zu meinen Schwiegereltern, als der Melder ging“, erzählt sie. Als Brandt das erste Mal in der Nacht auf dem Deich stand, musste sie erst mal Schlucken. „Wenn man weiß, dass das sonst alles Wiese ist, dann wird einem schon anders“, sagt sie.
Bemerkenswert findet sie die Entwicklung über die Weihnachtstage. Es wurde nicht nur immer mehr für die Helfer aufgebaut, also Pausenzelte und Toiletten. Auch die Einsatzkräfte haben dazu gelernt. „Am 25. Dezember hat es geschüttet. Seitdem haben viele Kollegen Wechselklamotten dabei“, erzählt sie.
„... dann vergisst man, dass Weihnachten ist“
Auch Stephan Frommann von der Freiwilligen Feuerwehr aus der Mark stand am ersten Weihnachtstag auf dem Deich und hat Sandsäcke geschleppt. „Der Regen kam waagerecht“, sagt er. „Wenn man da oben steht und arbeitet, vergisst man, dass Weihnachten ist.“ Konzentration steht an oberster Stelle. Trotzdem versuchten sich die Helfer, bei Laune zu halten. „Spaßeshalber begrüßt man sich dann noch mit einem ‘Frohe Weihnachten‘“, sagt Frommann. Brandt erzählt lachend: „In meiner Schicht haben ein paar versucht, Weihnachtslieder anzustimmen, aber so wirklich hat das leider nicht geklappt.“ Auch erzählen sich die Kameraden Geschichten – welches leckere Essen man verpasst oder Anekdoten aus Einsätzen.
Sie alle eint die Motivation, die Anwohner trocken zu halten. Und dessen Dankbarkeit haben sowohl Brandt als auch Frommann gespürt. „Gerade an Heiligabend kamen viele Anwohner, haben uns beim Schleppen geholfen oder Kaffee gebracht“, sagt er. Mittlerweile steht die gesamte Soester Straße voll mit Fahrzeugen vom THW oder der DLRG. „Das ist das größte Einsatzgeschehen, dass ich in meinen 30 Jahren bei der Feuerwehr erlebt habe“, sagt Frommann.
Hochwasser in Hamm – Hunderte Helfer aus NRW in der Soester Straße
Sein Kollege Helmut Franke ist seit 50 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bockum. 1978 hat er bei der großen Überschwemmung des Wiescherbachs als junger Feuerwehrmann die Bewohner in ihren Häusern per Boot mit Lebensmitteln versorgt. „Damals habe ich das noch mit sehr viel Spaß empfunden. Heute weiß ich, was alles an einem Haus dran hängt“, sagt er.
Alle haben volles Mitgefühl für die Anwohner. Obwohl die meisten von den Helfern Weihnachten mit der Familie nicht ganz mitbekommen, sind sie trotzdem glücklich. „Der Zusammenhalt und die Kameradschaft sind überwältigend“, sagt Brandt. So sehen das auch seine Kollegen.
Hunderte Helfer aus Nordrhein-Westfalen
Im Einsatz waren und sind an der Soester Straße Feuerwehren unter anderem aus Bergkamen, Bochum, Coesfeld, Dortmund, Hagen, Hamm, Halver, Iserlohn, Münster, Plettenberg, Schwelm und Witten, das Technisches Hilfswerk aus Altena, Balve, Bottrop, Dortmund, Essen, Hagen, Hamm, Halver, Lüdenscheid und Unna sowie weitere Hilfsorganisationen. Koordiniert wird der Einsatz solcher überörtlichen Kräfte über die Bezirksregierung. Dort fordert die örtliche Einsatzleitung Verstärkung an, die dann aus Einsatzbereitschaften aus dem gesamten Bundesland gestellt wird.
Auch Wasser, aber doch ganz anders: Die Revision im Hammer Freizeitbad Maximare ist beendet: Fliesen wurden ausgetauscht, viele Flächen erhielten einen neuen Anstrich.