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Die Blauzungenkrankheit ist auch bei Dirk Voss im Stall angekommen: Der Landwirt sorgt sich um seine Tiere. Davor schützen kann er seine Kühe aber nicht.
Herscheid – Die Blauzungenkrankheit hat Herscheid längst erreicht. Seit drei Wochen explodieren die Erkrankungen in NRW. Auch im Stall von Landwirt Dirk Voss aus Friedlin tobt sich das Virus aus.
„Es ist eine Krankheit, die man nicht gebraucht hätte“, sagt Dirk Voss. Er sorgt sich um seine Tiere. Denn als Landwirt ist er „machtlos“ gegen die Krankheit. Von seinen 160 Milchkühen verhalten sich zehn auffällig. „Zwei Blutproben sind noch im Labor. Ich vermute aber, dass es die Krankheit ist“, erklärt der Landwirt.
Blauzungenkrankheit: Übertragung durch Mücke
Die Krankheit wird über die Mücke übertragen. Durch das feuchtwarme Wetter haben die Mücken es leicht. „Sie haben nicht so einen großen Flugradius, aber wehen mit dem Wind“, sagt Voss. Im Stall stehen die Tore trotzdem auf Durchzug. Damit die Mücken direkt weiterwehen.
Gegenseitig anstecken können sich die Tiere nicht. „So durchseuchen wir zum Glück nicht“, sagt Dirk Voss. Das Virus trifft sowohl Kühe als auch Schafe. Dabei sind die Schafe schlechter dran. Massenweise sterben sie an dem Virus. Auch Dirk Voss hält ein paar Ziegen und Schafe „aus Spaß an der Freude“ und hofft, dass sie verschont bleiben.
„Todesfälle von Kühen gibt es wohl noch nicht“, ist der Landwirt erleichtert. Zum Tod führen kann der Virus bei den Kühen nur in Kombination mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem. Das ist zum Beispiel bei kalbenden Kühen der Fall.
Verlauf der Blauzungenkrankheit
Problematisch ist die Krankheit dennoch. Der Krankheitsverlauf zeigt sich bei den Kühen unterschiedlich. „Die meisten haben hohes Fieber und liegen viel“, erklärt der Landwirt, „von heute auf morgen geben sie keine Milch mehr.“ Das falle auf, wenn täglich 30 bis 40 Liter Milch pro Kuh fehlen. „Doch sollte der ganze Stall betroffen sein, ist es dramatischer“, sorgt sich Dirk Voss.
Die Krankheit dauert bei einer Kuh neun bis elf Tage. „Dann werden sie wieder fitter, aber langsam“, erklärt er. Es ist für ihn frustrierend, wenn seine „Mitarbeiterinnen“ wegfallen.
Blauzungenkrankheit: Alle Kühe sind geimpft
Jedes Kalb und jede Kuh hat der Landwirt nun impfen lassen. Das soll den Krankheitsverlauf mindern. „Was anderes können wir nicht tun. Uns sind die Hände gebunden“, bedauert er. Vor der Krankheit schützen kann er seine Tiere nicht. Lange war der Impfstoff nicht zugelassen, jetzt sei aber genug verfügbar.
Erstmals ist die Blauzungenkrankheit in Deutschland zwischen 2006 und 2009 ausgebrochen. „Das war Typ acht der Krankheit. Heute ist es Typ drei. Der ist aggressiver“, erklärt Dirk Voss. Das Virus kam schnell und massiv: „Es konnte erst reagiert werden, als die ersten kranken Kühe schon da waren.“
Für Menschen ist die Blauzungenkrankheit keine Gefahr. Auch Fleisch- und Milchprodukte sind ungefährlich, da die Tiere nicht mit Medikamenten behandelt werden.
Landwirtschaft wird häufig kritisiert. Im vergangenen Jahr bezog Dirk Voss Stellung zu dem Vorwurf „Klimakiller Kuh“. Anfang des Jahres erläuterte er als Kreislandwirt die Gründe hinter den Bauernprotesten.
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