Altersarmut in NRW bekämpfen

Rentenexpertin aus NRW verrät einfachen Trick: „Volle Rente neben vollem Gehalt“

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Viele Menschen sind im Alter auf staatliche Sozialleistungen angewiesen. (Symbolbild)
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Eine Rentenexpertin betont die Bedeutung einer guten Rente, warnt aber vor Überlastung. Rentner in NRW könnten von einer recht neuen Regelung profitieren.

Hamm – Altersarmut ist ein ernstzunehmendes Problem – besonders auch in Nordrhein-Westfalen. Innerhalb des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zeigen sich dabei erhebliche regionale Unterschiede. Während ländliche Regionen mit 19,8 Prozent Armutsgefährdung bei über 65-Jährigen sogar höhere Werte aufweisen als städtische Gebiete (18,6 Prozent), konzentriert sich die absolute Zahl der Grundsicherungsempfänger vor allem in den Großstädten.

Die strukturellen Ursachen sind vielschichtig: Trotz der historisch gut bezahlten Arbeitsplätze in der Montanindustrie, die heute zu hohen Männerrenten führen, haben viele Menschen – insbesondere Frauen – von diesem Wohlstand nicht profitiert. Die kontinuierlich steigende Zahl der Grundsicherungsempfänger (2022 gab es einen Anstieg um 9,5 Prozent) deutet darauf hin, dass das Problem der Altersarmut in NRW trotz guter Durchschnittswerte weiter zunehmen wird, da die demografische Entwicklung und veränderte Erwerbsbiografien ihre Wirkung entfalten. Wer kann, könnte einfach weiterarbeiten, um seine Rente aufzubessern.

„Eine gute Rente ist wichtig“ – Expertin warnt vor Überlastung

„Wer zusätzlich zu der Altersrente – unabhängig davon, ob diese frühzeitig ist oder erst im Regelrentenalter bezogen wird – etwas hinzuverdienen möchte, kann dies inzwischen ohne Abzüge in der Rente tun. Theoretisch ist es möglich, die volle Rente neben vollem Gehalt zu beziehen“, erklärt Greta Lutterbach vom Landesverband Nordrhein-Westfalen des Sozialverbands Deutschlands gegenüber wa.de. Wer gesundheitlich fit bleibt, kann oft länger arbeiten und gleichzeitig mehr finanzielle Freiheiten gewinnen. Die Rentenexpertin warnt aber auch deutlich: „Wer sich überlastet fühlt, sollte die eigene Lebensqualität nicht dem letzten Renteneuro opfern. Eine gute Rente ist wichtig, ein gesundes, langes Leben ist wertvoller.“

Dabei ist es durchaus eine Überlegung wert, auch als Rentner noch zu arbeiten. Seit dem 1. Januar 2023 können alle Bezieher einer Altersrente – unabhängig davon, ob sie diese vorzeitig oder erst im Regelrentenalter erhalten – unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird. Diese grundlegende Änderung hat die bis Ende 2022 geltende jährliche Hinzuverdienstgrenze von 46.060 Euro für vorgezogene Altersrenten komplett abgeschafft.

Theoretisch ist es nun also möglich, eine volle Rente neben einem vollen Gehalt zu beziehen, was den Übergang in den Ruhestand deutlich flexibler gestaltet. Die Deutsche Rentenversicherung muss über die Aufnahme einer Tätigkeit nicht mehr informiert werden, was die bürokratischen Hürden erheblich reduziert. Diese Neuregelung zielt darauf ab, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und erfahrene Arbeitskräfte länger im Erwerbsleben zu halten.

Für Menschen in NRW mit seiner langen industriellen Geschichte könnte das durchaus interessant sein. „Viele Menschen haben ihr Arbeitsleben im Bergbau oder in körperlich sehr belastenden Berufen verbracht. Für sie bestehen teilweise besondere Rentenregelungen, die einen früheren Renteneintritt ermöglichen“, weiß Rentenexpertin Lutterbach und ergänzt: „Wir empfehlen, sich frühzeitig beraten zu lassen, zum Beispiel bei der Deutschen Rentenversicherung oder beim SoVD.“ Dort könne man klären, „welche Rentenansprüche bestehen und ob im Zweifelsfall ein Anspruch auf Grundsicherung oder Wohngeld möglich ist und wie sich ein Nebenverdienst auswirkt“.

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