Antwort auf Nachfrage

Berichte über Drohnen an Militärstützpunkt nahe der Grenze – NRW-Polizei sieht Lichter am Himmel

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Mehrere Drohnen sollen laut belgischen Medienberichten nahe der Grenze zu NRW nachts über einen Militärstützpunkt geflogen sein. (Symbolbild)
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Mehrere belgische Medien berichten über eine Drohnen-Sichtung an einem Militärstützpunkt nahe der NRW-Grenze. Hiesige Bundesbehörden haben bislang keine Kenntnis von dem Vorfall.

Update vom 3. Oktober, 14.25 Uhr: Nachdem belgische Medien am Freitagmorgen über eine Drohnen-Sichtung am Militärstützpunkt Elsenborn in direkte Nähe zur NRW-Grenze berichtet haben, hat nun ein Kommandant des Truppenübungsplatzes gegenüber des flämischen Mediums VRT bestätigt, dass er vier Drohnen in der Nacht gesehen habe. Auch teilte der Kommandant mit, dass er von der deutschen Polizei informiert worden wäre. Er sprach von einem besorgniserregenden Fall. Laut des belgischen Rundfunksenders BRF hat inzwischen wohl auch der belgische Verteidigungsminister Theo Francken bestätigt, dass Drohnen gesichtet wurden – auf belgischer und deutscher Seite. Die Herkunft der Drohnen sei ungewiss.

Auf Anfrage von wa.de hatte die Polizei in Düren am Freitagmorgen bestätigt, dass Lichter am Himmel gesehen wurden. Dass es Drohnen gewesen sind, sei aber keinesfalls gewiss. Die Bundespolizei sowie die Bundeswehr und das Bundesinnenministerium hatten am Freitagmorgen zunächst keine Kenntnis über den Vorfall.

[Erstmeldung] Düren/Elsenborn - Nachdem in der Nacht zum 3. Oktober am Himmel über dem Flughafen München mindestens eine Drohne gesichtet und der Flugverkehr daraufhin eingestellt wurde, herrschte auch im Nachbarland Belgien am Freitag Aufregung. Wie belgische Medien berichten, sollen in der Nacht mehrere Drohnen über dem Militärstützpunkt Elsenborn gesichtet worden sein. Der Truppenübungsplatz liegt in der deutschsprachigen Gemeinde Bütgenbach und grenzt direkt an Nordrhein-Westfalen.

Die Rede ist von 15 Drohnen. Besonders brisant: Der flämische Rundfunk VRT News berichtet, dass auch die Polizei in Düren die Flugobjekte gegen 1.45 Uhr gesehen habe. Die Kreisstadt in NRW liegt rund 50 Kilometer von dem Truppenübungsplatz entfernt. Die Drohnen seien an der Grenze in den deutschen Luftraum eingedrungen, heißt es in dem Bericht. Die Autoren berufen sich auf „zuverlässige Quellen“. Das belgische Verteidigungsministerium untersuche derzeit den möglichen Vorfall. Eine offizielle Bestätigung der Drohnen-Sichtung gibt es seitens der belgischen Behörden bislang nicht.

Berichte über Drohnen-Sichtung nahe NRW-Grenze – keine offizielle Bestätigung

In Deutschland hatten die Behörden am Freitagmorgen noch keine Kenntnis von dem angeblichen Vorfall. Ein Sprecher der Polizei Düren teilte zwar auf Nachfrage von wa.de mit, dass wohl am Himmel über NRW Lichter gesehen worden seien. Dass es sich dabei um Drohnen gehandelt hat, sei jedoch keinesfalls sicher. Und auch die Bundespolizei konnte keine Luftraumverletzung an dieser Stelle bestätigen. Man habe keine Kenntnis über einen solchen Vorfall, so eine Sprecherin.

Tausende nach Drohnensichtungen betroffen: Fotos vom Münchner Flughafen

Flughafen München
Nächtliche Aufregung am Münchner Flughafen: Mehrere Menschen berichten von einer Drohne am Himmel. Viele Flüge werden gestrichen. Am Morgen wird der Flugbetrieb wieder aufgenommen. © News5/Lars Haubner (Collage: Merkur.de)
Flughafen München
Wegen Drohnensichtungen sind am Flughafen München zahlreiche Flüge ausgefallen - rund 3000 Passagiere waren davon betroffen. © NEWS5 / Lars Haubner
Drohnensichtungen am Flughafen München
Nach Angaben der Bundespolizei hatten mehrere Menschen am Abend von einer Drohne in der Nähe des Flughafens berichtet. Später habe es auch Sichtungen über dem Flughafengelände gegeben. Ob es sich um eine oder mehrere Drohnen handelte, war zunächst unklar. © Jason Tschepljakow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Drohnenverbot
Am Flughafen München sind Drohnen verboten. © NEWS5 / Lars Haubner
Terminal Flughafen
Die Menschen strandeten in den Terminals und verbrachten teils die Nacht dort. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen
Ihren Start in den Urlaub haben sich die Passagiere sicher anders vorgestellt. ©  NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Terminal
Hunderte Menschen mussten die Nacht auf in den Terminals aufgestellten Feldbetten verbringen. Andere sollten in Hotels gebracht werden.  © NEWS5 / Lars Haubner
Feldbetten Flughafen
Nach Angaben des Betreibers wurden Decken, Getränke und Snacks an die gestrandeten Passagiere verteilt. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen
Sie seien zunächst gut im Flugzeug angekommen, „und dann war mal lange Zeit nichts, ohne dass irgendwie eine Nachricht kam. Man wusste nichts und das Personal hat ja dann letztendlich auch gesagt, sie wissen nicht genau, was los ist“, berichtete Passagier Max gegenüber News5. Schließlich sei die Information gekommen, dass der Flughafen geschlossen wurde. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Terminal
Insgesamt 32 Flüge waren betroffen: Nach Angaben des Betreibers fielen am Donnerstagabend 17 Flüge aus. Ab etwa 22:15 Uhr waren auch Landungen nicht mehr möglich: 15 Flüge seien stattdessen nach Stuttgart, Nürnberg, Wien und Frankfurt umgeleitet worden, wie der Betreiber auf der Internetseite des Flughafens schrieb. ©  NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Polizei
Am frühen Morgen wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen, wie die Bundespolizei informierte. Unklar blieb, wer für den Vorfall verantwortlich sein könnte.  © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Feuerwehr
Lob gab es derweil für die schnelle Reaktion des Flughafens: „Ich weiß jetzt nicht, Feuerwehr oder was das war, die jetzt sich hier gekümmert haben um Liegen und Decken, Getränke. Also das war top. Und da muss ich sagen, Hut ab, dass das so gut und schnell organisiert wurde“, sagte Urlauberin Dorothee im Gespräch mit News5. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen
Die Atmosphäre blieb laut Aussagen von Passagieren ruhig. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen München
Am Münchner Flughafen gilt ein Nachtflugverbot für den regulären Passagierverkehr zwischen Mitternacht und 5:00 Uhr morgens. Grundsätzlich sind nach Angaben des Betreibers nur Nachtluftpost- und Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung in dieser Zeit zugelassen. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen München
Bis Sonntag läuft noch das Münchner Oktoberfest. Das größte Volksfest der Welt zieht jährlich mehrere Millionen Besucherinnen und Besucher aus anderen Städten und Ländern an. Auch sie könnten durch die Einschränkungen im Flugverkehr betroffen sein. Das Oktoberfest war am Mittwoch wegen einer Bombendrohung für einen halben Tag geschlossen worden.  © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen München
Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV (Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen), Ralph Beisel, sagte, der Vorfall zeige einmal mehr, wie verletzlich der Luftverkehr gegenüber illegalen Drohnenflügen sei. „Der Luftverkehr braucht klare Zuständigkeiten und eine schlagkräftige Drohnendetektion und Abwehr.“ Die Entscheidung, ob eine Drohne eine Gefahr darstelle und wie sie abgewehrt werde, sei und bleibe eine hoheitliche Aufgabe von Bundes- und Landespolizei. © NEWS5 / Lars Haubner
Drohnensichtungen am Flughafen München
Erst vergangene Woche waren über Schleswig-Holstein Drohnen gesichtet worden. Die Behörden prüfen den Verdacht, wonach Drohnen über kritische Infrastruktur geflogen sind, unter anderem über ein Kraftwerk in Kiel. Die Staatsanwaltschaft Flensburg leitete in der Nacht zum Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt ein. Wegen der teilweise im Verbund erfolgten Drohnenüberflüge liege der Anfangsverdacht einer Straftat des „sicherheitsgefährdenden Abbildens“ vor.  © Ehsan Monajati/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Drohnensichtungen am Flughafen München
Störungen mit Drohnen an den Flughäfen hierzulande haben nach Angaben der Deutschen Flugsicherung deutlich zugenommen. Vor gut einer Woche hatte das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Bund gehört, mitgeteilt, im laufenden Jahr 2025 seien bis Ende August bereits 144 Behinderungen durch Drohnen registriert worden. Im Vorjahr seien es im selben Zeitraum 113 Vorkommnisse gewesen, im Jahr 2023 nur 99. Allein am Flughafen Frankfurt am Main, dem größten deutschen Drehkreuz, wurden in diesem Jahr bereits 35 Behinderungen gezählt. © Jason Tschepljakow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

„Uns liegen dazu keine Erkenntnisse vor“, teilte auch das Bundesinnenministerium auf Nachfrage von wa.de mit. Eine Antwort vom NRW-Innenministerium steht noch aus. Dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr würden ebenso „keine Erkenntnisse zu Drohnenüberflügen über militärischen Liegenschaften“ in der Grenzregion vorliegen. Das teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Grundsätzlich sei die Bundeswehr zwar für die Gefahrenabwehr außerhalb der eigenen Stützpunkte nicht zuständig. Man würde sich jedoch mit den Landessicherheitsbehörden eng abstimmen. So sei etwa die Polizei für die Verfolgung und Festnahme in solchen Fällen zuständig.

Auch Bürgermeister hat keine Kenntnis von Drohnen-Vorfall – Leuchtspur auf Sternenkamera

Der Bürgermeister von Bütgenbach, Daniel Franzen, habe laut BRF, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, bislang ebenfalls keine Informationen über einen Vorfall mit Drohnen in seiner Gemeinde. Auch seitens des Militärstützpunktes seien dem Bürgermeister keine Informationen gegeben worden. Er habe allerdings Kenntnis von einer privaten Suchaktion mit einer Drohne, um ein Pferd zu suchen, so Franzen. Das Medium Grenzecho hat nach eigenen Angaben bei der Eigentümerfamilie des Pferdes nachgefragt. Demnach sei die Suche mit zwei Drohnen bereits am Donnerstagnachmittag erfolgt.

Sowohl Grenzecho als auch BRF haben zudem einen Screenshot beziehungsweise eine Videoaufnahme von der Sternenkamera eines Online-Wetterdienstes am Weißen Stein in NRW veröffentlicht. Darauf ist eine Leuchtspur zu sehen, die gegen 1.36 Uhr am Nachthimmel erfasst wurde. In den Berichten wird vermutet, dass die Leuchtspur von dem mutmaßlichen Drohnenschwarm verursacht wurde. Allerdings ist es mehr als fraglich, dass so viele Drohnen in der aktuell angespannten politischen Lage den deutschen Luftraum durchquert und die hiesigen Behörden davon keine Kenntnis erlangt haben.

Bundeskanzler Merz hatte sich jüngst bei einem Besuch in NRW zur möglichen Kriegsgefahr in Deutschland geäußert. Er zeigte sich besorgt über die zunehmenden Bedrohungen. „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“, so Merz.

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