VonDaniel Schröderschließen
Markus R. soll der Warsteiner Serienbrandstifter sein. Am Mittwoch erzählte die Polizei vor Gericht, wie sie gegen ihn ermittelte.
Warstein/Arnsberg – Tag drei im Prozess gegen den mutmaßlichen Serienbrandstifter Markus R. im Arnsberger Landgericht: Den emotionalen Opfer-Aussagen vom Montag folgten am Mittwoch die kühl vorgetragenen Ergebnisse der Ermittlungsarbeit. Außerdem gab ein Gutachter seine Einschätzung zum Brand im Haus von Familie Schulte.
Als im Kriminalkomissariat 1 (KK 1) der Soester Polizei der Verdacht aufkam, dass man es in Warstein mit einem Serientäter zu tun haben könnte, wurden alle verfügbaren Hebel in Bewegung gesetzt. „Wir haben in Warstein bereits nachts observiert, als wir noch keinen Anhaltspunkt auf den Tatverdächtigen hatten“, erklärte Ermittler Lucas K. vom KK 1 im Zeugenstand. Nach dem Brand am 10. November, bei dem Volker Mehler und seine kleine Tochter Marla von der Feuerwehr gerettet wurden, bekam die Polizei durch Zeugen erstmals den Namen Markus R. auf den Tisch. „Wir haben die Person durchleuchtet. Ich habe mich mit einem Brandermittler aus Bottrop in Verbindung gesetzt“, erzählte der Polizeibeamte. Dort wohnte der mutmaßliche Brandstifter, bevor er im Zuge einer Behandlung in der LWL-Klinik nach Warstein zog.
In Bottrop waren die Ermittler Markus R. damals ebenfalls wegen einer Brandserie auf der Spur. „Man konnte es ihm jedoch nicht beweisen.“ Später ging er den Ermittlern dann wegen eines anderen Brandes ins Netz – das Amtsgericht Bottrop verurteilte ihn 2007 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, erklärte Staatsanwalt Ümit Görgün. Dank dieser Informationen wurde die große Ermittlungsmaschinerie gestartet: „Es gab gegen den Beschuldigten eine längerfristige Observation, zusätzlich mit technischen Mitteln sowie eine Telekommunikationsüberwachung“, so der Ermittler.
Brandstiftungen in Warstein: „Das war unser Indiz dafür, dass wir den Richtigen haben.“
Wenige Tage nach dem Brand am 10. November wies Markus R. sich erneut in die LWL-Klinik ein – „in dieser Zeit gab es keine weiteren Branddelikte“. Anfang 2023 verließ R. die Klinik, bewegte sich wieder „in seinem gewohnten Umfeld am Marktplatz“. Nach zahlreichen Bränden auf der Tiefgaragen-Toilette am Markt hatte die Polizei auch diesen Bereich per Kamera überwacht. Auf einem der Überwachungsbänder war Markus R. zu sehen, wie er die Toilette betrat und wieder verließ – wenige Augenblicke später drang Rauch aus ihr heraus. „Das war unser Indiz dafür, dass wir den Richtigen haben.“ Angeklagt ist diese Tat nicht, weil das Feuer sich nicht ausbreiten konnte und kein Schaden entstand.
Auch die Hauptstraße wurde wegen der Brandserie von der Polizei kameraüberwacht. Und dort tauchte Markus R. am 25. April in unmittelbarer Tatortnähe auf dem Weg zu seiner Wohnung auf den Bildern auf, zehn Minuten bevor der verheerende Brand im Haus von Bernd Schulte und seiner Familie entdeckt wurde. Auf den Bildern zu sehen: Die Tasche mit Pfandflaschen, die er aus dem Haus mitgenommen hatte.
Mutmaßlicher Warsteiner Brandstifter: Um 8.15 Uhr wurde Markus R. von der Polizei geweckt
Um 8.15 Uhr am 26. April wurde der schlafende Markus R. von der Polizei geweckt und festgenommen. Von dem Brand in seiner Nachbarschaft, den 16 angerückten Feuerwehrfahrzeugen, zahlreichen Rettungs-, Notarzt- und Streifenwagen will er nichts mitbekommen haben.
Den Brandermittler Peter H. fragte Richter Petja Pagel: „Der letzte Brand dieser Serie war der vom 25. April. Wie sah es denn danach aus?“ Der Brandermittler: „Null.“ Die Serie riss mit der Festnahme von Markus R. ab. Der Angeklagte behauptete in seiner zähen Vernehmung bei der Polizei, dass er sich in der Brandnacht die Fahrräder im Haus an der Hauptstraße 61 hatte ansehen wollen. Dabei habe er möglicherweise eine Zigarettenkippe weggeschnipst. Dass es physikalisch überhaupt möglich sei, eine Zigarette vom Standort der Fahrräder zum Ort des Brandausbruchs zu schnippen, hatten Zeugen im Vorfeld massiv bezweifelt.
Brand in Warsteiner Wohnhaus: Fahrräder schmolzen durch die Hitze
Am Mittwoch erklärte ein Brandgutachter, dass es zwar theoretisch möglich sein könne, dass das Feuer durch Zigarettenglut ausgelöst wurde, aber: „Brandstiftung ist wahrscheinlicher.“ Er schilderte, wie heftig das Feuer im Haus wütete: Bis ins zweite Obergeschoss hätte die Holztreppe lichterloh in Flammen gestanden. Schon bevor der Feuerball durch die geborstenen Scheiben aus dem Haus geschossen war, „wäre eine Evakuierung des Treppenraumes nicht mehr möglich gewesen“.
Brandermittler Peter H. verdeutlichte, wie enorm die Hitze im Treppenhaus gewesen sein muss: Die Leichtmetall-Fahrräder waren geschmolzen. Der erfahrene Ermittler: „Das war eine herausragende Sache, eine sehr gefährliche Geschichte. Wären die Leute da nicht rechtzeitig rausgekommen, hätte es Tote geben können, da bin ich mir sicher.“ Am Montag wird der Prozess ab 8.30 Uhr fortgesetzt. Unter anderem sagen dann zwei Feuerwehrmänner und die Ermittlungsführerin der Polizei aus.


