- VonFrank Osiewaczschließen
Der Grünen-Ratsherr, Bürgermeister und Anlieger Karsten Weymann spricht von einem „Sanierungsfall“: Damit es aufwärts geht für das angeschlagene Sedanquartier regt er einen „runden Tisch“ an.
Hamm – Karsten Weymann, Grünen-Ratsherr, Bürgermeister und Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Stadt Hamm, will sich im Rathaus für einen „Runden Quartierstisch“ für das Sedanquartier einsetzen. Das kündigte Weymann im Zuge der Diskussion um die Entwicklung in der südlichen Innenstadt und der jüngsten Polizeieinsätze an. Weymann ist mit der Neuanfang gGmbH selbst auch Anlieger der Sedanstraße.
Anlieger hatten einen zunehmenden Abwärtstrend im Sedanquartier beklagt. Die Polizei hatte an einer einschlägig bekannten Adresse zuletzt eine Durchsuchung durchgeführt, Drogen sichergestellt und eine gesuchte Person festgenommen. Die Pläne einer neuen Quartiersmitte sind in weite Ferne gerückt, der Abriss der ehemaligen Heilig-Geist-Kirche lässt seit Jahren auf sich warten.
Ziel müsse es sein, die Situation durch kurzfristige Maßnahmen zu verbessern, sagt Weymann. „Langfristig müssen aber andere Strategien zwischen Immobilienbesitzer, Anwohnern und der Stadt Hamm entwickelt werden, um die südliche Innenstadt wieder lebenswerter zu gestalten“, schreibt er in der Pressemitteilung.
Die Situation in der südlichen Innenstadt sei schon seit langen Jahren sehr unbefriedigend. Es fange mit der Müllsituation an der ehemaligen Kirche an und höre mit den prekären Wohnsituationen auf. In Teilen bezeichnet Weymann die südliche Innenstadt als „Sanierungsfall“.
„Klar ist, dass endlich die Kirchenbrache abgerissen und neu entwickelt werden muss. Hier ist der Eigentümer in der Verantwortung. Aber auch die Besitzer der anderen Immobilien in diesem Bezirk sind gefordert, für bessere Bedingungen zu sorgen“, meint der Ratsherr.
Deutliche Kritik geht an die Stadt: „Die massive Unterbringung von drogenkranken Menschen an einem Ort, die letztendlich nur zu einer Gewinnmaximierung beiträgt, ist ein sozial-, aber auch ordnungspolitischer Sündenfall.“ Weymann spricht damit die Finanzierung von Mieten in privatem Wohnraum durch die Stadt beziehungsweise das Jobcenter an.
Helfen könne seiner Einschätzung nach nur die Sanierung und Instandsetzung der leer stehenden Immobilien an der Ecke Feidik- und Sedanstraße sowie der Abriss der ehemaligen Kirche an der Taubenstraße. In einem zweiten Schritt müsse intensiv überlegt werden, ob es zum Beispiel ordnungspolitische (baurechtliche) Möglichkeiten gebe, die Wohnsituationen in den Problemimmobilien zu entzerren.
Aber auch jeder einzelne Anwohner sei gefragt und gefordert. Letztendlich lande der Müll nicht von alleine auf den Gehwegen, sondern werde von „speziellen Zeitgenossen“ einfach liegengelassen.
In seiner Rolle als Bürgermeister hatte Karsten Weymann im März 2023 einen offenen Brief an Christof Draheim von der Draheim living GmbH geschrieben und gegenüber dem Eigentümer und Investor des Kirchengeländes die Vermüllung der Fläche beklagt. Die – etwas ungeschickte, fehladressierte – Einladung Draheims zum Ortstermin war damals gescheitert.
Dieser hatte sich aber gegenüber unserer Zeitung zum Bauvorhaben bekannt und einen zügigen Abriss der ehemaligen Kirche angekündigt, ohne einen Zeitpunkt nennen zu wollen. Zehn Monate später ist es noch immer bei der Ankündigung geblieben. Für eine Stellungnahme war Draheim am Montag nicht zu erreichen.
