Kirchengemeinde in Werries zieht „Notbremse“

Wilde Spekulationen: Initiative gegen Maxipark-Erweiterung gibt zunächst Rätsel auf

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Blick ins Grüne von der Braamer Straße in Richtung Maxipark: Anwohner wollen die Grünfläche behalten und haben etwas gegen die Parkerweiterung samt Parkplatz. Er soll nach bisherigen Plänen von der Braamer Straße aus angefahren werden.
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Rund 1000 Einladungen wurden im Hammer Osten verteilt. Wer hinter der Bürgerinitiative gegen die Maxiparkerweiterung steckt, war aber anfangs unklar. Deshalb zog die Kirchengemeinde ihre Angebot für einen Raum zurück.

Werries/Ostwennemar – Der erste Aufschlag ist misslungen. Für wilde Spekulationen sorgte am vergangenen Wochenende eine Initiative von Bürgern mit ihrer Flugblattaktion und Einladung. Als Folge hat die Trinitatis-Kirchengemeinde ihre Zusage für einen Veranstaltungsort zurückgezogen. An der Kritik zur Maxiparkerweiterung hält die Initiative aber fest, wie auch an einem ersten Treffen am Donnerstag, 2. November. Die brennendste Frage, die die Bürgerinitiative (BI) in Gründung auslöste, ist: Wer steckt dahinter?

Auf einem Zettelchen flatterte die Einladung in die Briefkästen der Wohnhäuser vor allem im Bereich nördlich Alter Grenzweg. Darauf der Hinweis auf die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 und die geplante Erweiterung des Maxiparks. Die Rede ist bereits von einer Bürgerinitiative (BI). Ihrer Auffassung nach geht eine Umsetzung der Pläne mit einer Neuverschuldung der Stadt einher und bedrohe die Natur, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Menschen. Als BI wollen sie Interessen der Anwohner zusammenführen und auf die weitere Planung Einfluss nehmen.

Zum ersten Treffen lud sie für Donnerstag, 2. November, 19 Uhr, in die Erlöserkirche, Braamer Straße 38, ein. Was auf dem Zettel fehlt, ist eine Unterschrift oder ein Hinweis auf die Urheber.

BI in Werries: Wer eingeladen hat

„Blöd, dass wir keine Adresse darauf haben“, sagt Edeltraud Machmüller. „Mir ist das erst beim Verteilen aufgefallen“, erklärt Maria Wienstroth. Sie gehören zu einer Gruppe von „ursprünglich“ fünf Nachbarn nahe des Maxiparks. Politisch nicht aktiv und mit der Gründung von Initiativen nicht betraut, möge man ihnen den Mangel verzeihen.

„Geschockt“ war Wienstroth, als aus der Gerüchteküche eine Verbindung mit der AfD gemutmaßt wurde. „Ich bin in keiner Partei. Ich sage, was ich denke.“ Davon gibt es im Umfeld der Nachbarn eine ganze Reihe, wie sich ihnen zeigte.

BI in Werries: Eindrücke aus Festsaal

Vor achteinhalb Jahren stellte die SPD ihre Vision von der „Neuen Mitte Uentrop“ vor. Mit den Plänen der Stadt zur Beteiligung an der IGA sind erste Schritte geplant – auch mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Dass es durchaus Kritik gibt, zeigte sich etwa am Diskussionsbedarf bei der großen Öffentlichkeitsbeteiligung Mitte August im Festsaal des Maxiparks.

Rund 300 Teilnehmer kamen. Konkret ging es um die Grüne Umweltachse, die Maxipark-Erweiterung und IGA 2027, zu der ein neuer großer Parkplatz im Bereich Alter Grenzweg/Braamer Straße entstehen soll. „Als ich nach Hause kam, war ich fix und fertig“, sagt Wienstroth. „Wir sagten, wir müssen was tun.“ Daraus ist die Idee zur BI erwachsen.

BI in Werries: Kritik an Plänen

Die Kritik betrifft vor allem die östliche Parkerweiterung. „Mich stört, dass wieder ein Stück Natur und eine Grünfläche zerstört wird“, sagt Anwohnerin Christiane aus dem Moore über die bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche, die zum Teil für den neuen Parkplatz genutzt werden soll. Sie befürchtet, dass durch weitere versiegelte Flächen noch öfter Keller bei Starkregen volllaufen könnten, so wie zuletzt im Sommer. Umgekehrt könnte auch ein Aufheizen der Parkplatzfläche das unmittelbare Stadtklima negativ beeinflussen.

Dass auf den zeitweise immensen Parkdruck im Umfeld von Maxipark, Arena und Eishalle reagiert werden muss, erkennen die BI-Initiatoren. Doch soll es vor allem dort geschehen, wo bereits jetzt Parkplätze sind.

BI in Werries: Parkplatz

Auch bei der Veranstaltung im Sommer kam Kritik an den Parkplatzplänen auf. Sie sorgen bei Anwohnern für Befürchtungen. Sie spekulieren über ein absolutes Halteverbot auf der Braamer Straße wegen der angedachten Zufahrt, starke Verkehrsströme und zugeparkte Privatflächen.

Kann jetzt schon eng werden: Auf der Braamer Straße wird der Parkraum gut ausgenutzt. Anwohner und Gewerbetreibende brauchen die Stellflächen. Der fließende Verkehr hat es schwer. Mit einem neuen Maxipark-Parkplatz befürchten die Anwohner ein komplettes, absolutes Halteverbot.

Solche Anmerkungen und Kritik erkennen die BI-Initiatoren in der aktuellen Planung nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Sie wollen mit anderen Betroffene darüber reden. In den Vordergrund wollten sie sich dabei aber gar nicht so gern stellen, wie Machmüller sagt.

BI in Werries: Gemeinde zieht Notbremse

Doch nicht zu wissen, wer eigentlich hinter der Einladung steckt, über die auch noch wild im Stadtteil spekuliert wurde, bereitete Pfarrerin Denise Hagemann sprichwörtlich Kopfschmerzen. Die Kirche als Versammlungsort war über ein in Trinitatis engagiertes Gemeindemitglied angefragt worden.

„Keiner hatte sich richtig dazu bekannt, wer da nun einlädt“, sagt sie. Sie sei davon ausgegangen, dass auch städtische Vertreter kommen. Auf Anfragen habe sie nur „halbe Antworten“ geben können. „Wenn das alles nicht richtig geklärt ist, können wir aber keinen Raum geben. Wir haben die Notbremse gezogen.“ Das war bereits Anfang der Woche. Auch nach einer Kontaktaufnahme seitens der BI blieb es dabei.

BI in Werries: Notfalls im Regen

Einen neuen Veranstaltungsraum hat die Gruppe nicht. Nun sind aber rund 1.000 Einladungszettel verteilt. „Wir halten an der BI-Gründung fest“, sagt Machmüller. Treffpunkt ist am 2. November, 19 Uhr, an der Braamer Straße in Höhe der Kirche.

„Wenn es aus Eimern gießen sollte, stellen wir uns mit Regenschirmen hin. Wer kommt, wird auf jeden Fall einen Ansprechpartner finden.“ Das Ziel bleibt: „Wir möchten hören, was andere darüber denken, ihre Sorgen zusammentragen, Unterschriften sammeln.“ So wollen sie mit Nachdruck etwa den Erhalt der landwirtschaftlichen Fläche fordern.

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