Rudeltiere

Schon wieder Wolf gesichtet – Experte sagt: Die Tiere bleiben dauerhaft

  • schließen

In diesem Jahr wurden in NRW bereits mehr als 70 Wölfe nachgewiesen. Ein Experte ist sicher: Der Wolf wird nicht mehr verschwinden.

Soest – Immer öfter werden Wölfe in NRW gesichtet. Experten glauben: Die Tiere sind nicht nur auf der Durchreise, manche siedeln sich womöglich dauerhaft an.

Wölfe in NRW nachgewiesen

Neben einer Sichtung in Wesel wurden zuletzt Anfang Mai Wölfe im Kreis Soest und in Siegen-Wittgenstein nachgewiesen. In Soest durch Kot- und Urinspuren, in Wittgenstein durch eine Fotofalle, teilt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) auf seiner Website mit.

Wie werden Wölfe nachgewiesen?

Wölfe werden anhand von Haaren, Kot, Blut oder Speichelresten, die sie hinterlassen, durch eine genetische Analyse nachgewiesen. Sind die Proben frisch und umfangreich, lassen sich neben der Bestimmung des Geschlechts auch verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen bereits registrierten Tieren feststellen. Alle Proben, die in NRW gefunden werden, analysiert das Senckenberg Forschungsinstitut Gelnhausen mit anderen, bereits existierenden Wolfsspuren aus Deutschland und Europa.

(Quelle: LANUV)

Dass speziell diese beiden Tiere dauerhaft in Westfalen bleiben werden, hält Wolfexperte René Oberhauser für unwahrscheinlich. Er ist Sprecher beim Landesfachausschuss Wolf beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und erklärt: „Das sind vermutlich Jährlinge gewesen“ – also Tiere, die im Vorjahr geboren wurden und jetzt auf Wanderschaft sind, um sich ein Rudel zu suchen. „Das ist ein bisschen wie beim Menschen: Wenn die Kinder erwachsen sind, wollen die auch mal was anderes sehen.“ Aber Oberhauser sagt auch: „Fest steht, dass der Wolf nicht weggeht.“ Er ist gekommen, um dauerhaft zu bleiben.

Woher kommen die Wölfe, die in NRW unterwegs sind?

Soest und Siegen-Wittgenstein seien indes keine typischen Wolfsgebiete. „Da gibt es keine großen, zusammenhängenden Waldflächen.“ Der Wolf könne überall leben, wo er Platz, Nahrung und Ungestörtheit findet. Insgesamt wurden in NRW in diesem Jahr 76 Mal Wölfe nachgewiesen. In einigen Gebieten fühlen sie sich besonders wohl:

  • Im Kreis Wesel sind in diesem Jahr bereits 24 Mal Wölfe nachgewiesen, davon zehnmal in Schermbeck, einem ausgewiesenen Wolfsgebiet.
  • Im Kreis Soest gab es insgesamt vier Nachweise, davon zwei in Warstein und zwei in Lippetal.
  • In Siegen-Wittgenstein wurden ebenfalls viermal Tiere nachgewiesen, alle davon in Bad Berleburg.
  • Im Märkischen Kreis rund um die Kreisstadt Lüdenscheid wurden zwölfmal Wölfe nachgewiesen, davon viermal in Kierspe, sechs in Herscheid und zwei Plettenberg.
  • Zwei Tiere wurden in Bottrop nachgewiesen.
  • In Recklinghausen wurden zehn Tiere nachgewiesen, sechs davon in Dorsten, vier in Haltern am See.

Die Wölfe im Norden von NRW kommen demnach meist aus den Wolfgebieten in Niedersachsen. „Die im Süden finden ihren Weg aus Süddeutschland oder den Alpen nach NRW.“

Was macht man, wenn man einen Wolf sieht?

Angst vor einer Begegnung mit einem Wolf müsse man nicht haben, sagt Oberhauser. „Bis jetzt ist in Deutschland kein einziger Vorfall dokumentiert, wo ein Wolf einem Menschen gefährlich wurde.“ 

Was man tun soll, wenn man einen Wolf sieht? Der Experte sagt: „Am besten langsam zurückgehen.“ Respekt vor dem Tier sei in jedem Fall angebracht. Wer sich unwohl fühlt, kann sich laut bemerkbar machen. „Aber in der Regel hat der Wolf den Menschen zuerst gesehen.“ 

In einem Wolfsgebiet sei es außerdem gut, Hunde anzuleinen, damit die vom Wolf nicht als Konkurrent angegriffen werden. „Bitte auch keine Wölfe anfüttern“, sagt Oberhauser. „Das ist kein Kuscheltier.“ Mit nach Hause nehmen sollte man etwa einen Wolfswelpen auf keinen Fall: „Alles schon vorgekommen“, so der Experte.

Deutschland gut als Wolfsgebiet geeignet

Deutschland sei insgesamt gut für Wölfe geeignet. „Hier gibt es mit Rehwild und ähnlichem auf jeden Fall genug Nahrung für sie.“ Ein größeres Problem sei hingegen die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung. Vor allem Weidetierhalter haben in der Vergangenheit Probleme mit vom Wolf gerissenen Tieren gehabt. Aber dafür gebe es einen Schutz, etwa durch Wolf abweisende Zäune. 

Der Wolf wird immer öfter in NRW gesichtet.

„Aber es ist jetzt auch nicht so, dass bald ganz Westfalen zum Wolfsgebiet wird oder wir hier irgendwann 30 oder 40 Rudel haben.“ Wo einmal ein Rudel ist, komme in der Regel kein anderes dazu. (ebu)

Redaktioneller Hinweis:In einer vorherigen Version des Artikels hieß es, es seien in diesem Jahr 24 Wölfe im Kreis Wesel und weitere Wölfe in anderen Gebieten gesichtet worden. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich gab es nur 24 Wolfsnachweise. Wie viele einzelne Tiere es in dem Gebiet tatsächlich gibt, ist nicht genau bekannt. Die Formulierungen wurden entsprechend angepasst. Wir bitten um Entschuldigung.

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/imago

Kommentare