Höfesterben?

Wutwelle bei Hammer Landwirten nach Ampel-Beschlüssen zu Subventionen

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Lauter Protest: Rund 8.000 Bauern – darunter einige aus Hamm und der Region – demonstrierten in Berlin.
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  • Stefan Gehre
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Durch die landwirtschaftlichen Betriebe in Hamm schwappt eine Wutwelle nach dem angekündigten Aus für Subventionen. Einige von ihnen demonstrierten jetzt in Berlin.

Hamm – Es gibt kaum einen Bauern in Hamm, der gerade nicht über die Ampelkoalition in Berlin schimpft, nachdem diese die Subvention von Agrardiesel und die Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Kfz im Zuge der Haushaltskonsolidierung kurzerhand gestrichen hat.

In Whatsapp-Gruppen lassen die Landwirte Dampf ab. Links zu Petitionen werden geteilt, in denen gefordert wird, beide Entscheidungen rückgängig zu machen. Einige Hammer sind am Montag spontan mit dem Zug nach Berlin gefahren, um am Brandenburger Tor gemeinsam mit rund 8.000 weiteren Bauern zu demonstrieren.

Die junge Generation demonstriert in Berlin

Einer von ihnen ist Johannes Laurenz. Er betreibt den Hof Schulze-Blasum in Werne-Stockum an der Stadtgrenze zu Hamm, wo er auch Flächen bewirtschaftet. Er baut Spargel, Erdbeeren und etliche weitere Produkte an. Laurenz war vor allem überrascht, wie viele junge Landwirte in Berlin waren.

Auf einer Demonstration des Deutschen Bauernverbandes unter dem Motto „Zu viel ist zu viel! Jetzt ist Schluss!“ hält jemand ein Schild mit der Aufschrift „Finger weg vom Agrardiesel“ hoch.

„Da waren sehr viele aus der ganz jungen Generation, die die Betriebe noch gar nicht übernommen haben, aber in der Landwirtschaft bleiben wollen – und ihre Zukunft gefährdet sehen.“ Die Landwirte hier vor Ort befürchten Mehrausgaben von mehreren Tausend Euro je Betrieb, sollten die Pläne der Ampelkoalition verwirklicht werden.

Demo: Laurenz wirf Minister „pure Arroganz“ vor

Deren Agrar-Beauftragter, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, stellte sich den Bauern. Laurenz war von dem Auftritt des Grünen-Politikers allerdings nicht überzeugt. Özdemir habe mit „purer Arroganz“ auf die Proteste reagiert. „,Sie haben sich den Beruf ja selbst ausgesucht‘, hat er gesagt“, berichtet Laurenz. „Und gemeint: Die dummen Idioten sind selbst schuld, Landwirt geworden zu sein und damit an sieben Tagen in der Woche 16 Stunden für fast kein Geld zu arbeiten.“

Bundesagrarminister Cem Özdemir spricht bei der Demonstration von Landwirten in Berlin.

Der Frust sitzt tief. Und der Unmut bei den Bauern über politische Entscheidungen in Berlin ist nicht neu. Sie ärgerten sich in den vergangenen Jahren immer wieder über aus ihrer Sicht realitätsferne Beschlüsse, etwa bei Nachhaltigkeitsthemen, Dünger oder Stallvorschriften. Vieles werde aus dem urbanen Raum – also der Großstadt – heraus entschieden, ohne die Landbevölkerung zu hören, die obendrein auch noch die Stadtbevölkerung ernähre, meint Laurenz.

„Die Ampel fährt unser Land an die Wand“, sagt er. Beide aktuellen Entscheidungen müssten gestrichen werden. „Sonst geht es weiter mit den Protesten. Es wird Unruhen geben von bäuerlicher Seite“, kündigt Laurenz an.

Jährlich geben rund 3 Prozent der Betriebe auf

Nach Auskunft von Petra Drees-Hagen, Sprecherin beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), geben immer mehr Landwirte wegen der fehlenden Verlässlichkeit politischer Entscheidungen und des generellen Preisdrucks des Lebensmitteleinzelhandels auf. Jährlich entschieden sich rund 3 Prozent der Betriebe, dicht zu machen. Tendenz: steigend.

Knapp über 200 Höfe gibt es in Hamm noch. Vielerorts steht ein Generationswechsel an. Doch ob der noch gelingt, ist fraglich. Drees-Hagen bestätigt den Eindruck von Laurenz aus Berlin: „Jungen Leuten, die Lust hätte, die Betriebe zu übernehmen, ist es heute oft zu gefährlich, das ganze Leben an so einen Hof zu hängen.“

Politische Note bei Trecker-Fahrt durch den Westen

Die Landwirte demonstrierten nicht nur in Berlin, sondern machten am Sonntag auch vor Ort auf ihre Forderungen aufmerksam. „Mein Wunsch an das Christkind: Eine neue Regierung“, war auf einem der knapp 60 Trecker zu sehen, die am Sonntagabend an der Lichterfahrt durch Herringen und Pelkum teilnahmen.

Sehenswert – und aussagekräftig: Die Lichterfahrt durch den Hammer Westen war auch eine Demo der Landwirte. Sie übten Kritik an der Ampelkoalition und allgemein an mangelnder Wertschätzung für die Landwirtschaft.

Eigentlich sollte es darum gehen, für mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft zu werben und – ganz lokal – auf die Probleme in Zusammenhang mit der geplanten Unterschutzstellung der „Westlichen Heidewälder“ aufmerksam zu machen. Doch dann kamen die Entscheidungen der Bundesregierung.

Und die wollen die heimischen Landwirte nicht akzeptieren. Für einen 80-Hektar-Betrieb entstünden dadurch Mehrkosten von 2.000 bis 3 .000 Euro im Jahr, rechnet Landwirt Holger Milk vor. Dabei habe die Landwirtschaft sowieso schon einen schweren Stand.

Milk: Landwirte nicht gegen Naturschutz

„Die Teilnehmer, darunter auch Kollegen aus dem Kreis Unna und Lohnunternehmen, hatten deutlich mehr Plakate dabei als in früheren Jahren“, so Milk. Angespielt worden sei darauf auf die drei aktuellen Themen Wertschätzung, Agrardiesel/Kfz-Steuer und Heidewälder.

Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen

Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
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Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
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Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
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Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen
Lichterfahrt mit Protestnote: Landwirte rollen durch den tiefen Hammer Westen © Reiner Mroß

Hier stellte Milk noch einmal klar, dass die Hammer Landwirte nicht gegen Naturschutz seien. Allerdings: „Wir möchten nicht allein die Kosten in Form einer Einschränkung der Bewirtschaftung und somit eines Wertverlustes der Grundstücke tragen und möchten auf Augenhöhe mit der Stadt in die Planung einbezogen werden“, so seine Forderung.

Landwirte wollen weiter am Ball bleiben

Mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse der Ampelkoalition geht Milk genauso wie Johannes Laurenz davon aus, dass es nicht bei dieser einen Demo bleiben wird. Er selbst werde beispielsweise ein Plakat aufstellen, um auf die Folgen der Bundespolitik für die Landwirte aufmerksam zu machen. Und: Landwirte werde, landauf landab, weiter Präsenz in den Medien zeigen. Aber auch in Sachen „Unterschutzstellung Westliche Heidewälder“ werde man am Ball bleiben. „Eine kleinere, angemessene Ausweisung der Fläche würde viele Probleme lösen“, so sein Fazit.

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