Finanzielle Mittel fehlen

Zu wenig Personal in Kitas – „Es ist ein Teufelskreis“

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Zu wenig Erzieherinnen sind keine Seltenheit: Kommt es zu krankheitsbedingten Ausfällen, müssen viele Kitas ihre Öffnungszeiten einschränken.
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In vielen Kitas ist der Personalmangel groß. Bei Ausfällen müssen Betreuungszeiten reduziert oder ganze Gruppen geschlossen werden.

Soest – „Heute Notbetreuung in der Kita“ – es ist eine Nachricht, mit der Eltern in den letzten Monaten häufiger rechnen mussten. In vielen Kindertagesstätten ist der Personalmangel groß. Fallen Erzieherinnen aus – was gerade in der Erkältungssaison häufiger vorkommt – müssen die Einrichtungen ihre Öffnungszeiten einschränken.

Zu wenig Personal in Kitas – „Es ist ein Teufelskreis“

Davon kann auch Irna Emm, Leiterin des Evangelischen Kindergartens Müllingsen, berichten: „Wir haben Personalmangel bis oben hin. Das neue Kita-Jahr mussten wir mit zwei Leuten weniger starten.“ Gerade die ersten Wochen – für die neuen Kinder die Eingewöhnungszeit – seien besonders betreuungsintensiv. „Dass wir in dieser Zeit zu wenig Leute sind, ist besonders bitter“, findet Emm.

Deshalb musste die Einrichtung aufgrund des krankheitsbedingten Personalausfalls eine Zeit lang ihre Öffnungszeiten reduzieren. „Wir haben die Eltern angesprochen, ob sie ihre Kinder früher abholen können, was auch gut funktioniert hat“, sagt die Kita-Leiterin. Inzwischen läuft wieder der Regelbetrieb. „Sobald Kollegen krank werden, stehen wir aber wieder da.“

Finanzielle Mittel von Land und Kommunen fehlen

Um Öffnungszeiten dauerhaft einzuhalten, bräuchte es mehr Mitarbeiter. Oft fehlt es jedoch an finanziellen Mitteln des Landes und der Kommunen. „Wenn wir könnten, wie wir wollten, würden wir gerne deutlich mehr Personal in den Kitas einsetzen, um Ausfälle besser kompensieren zu können“, sagt Ute Grebe, stellvertretende Geschäftsführerin beim Kindergartenverbund des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg. Der Träger verwaltet mehrere Kitas in Soest – darunter die Kitas Löwenzahn und Spatzennest.

Derzeit sucht der Verbund für zwei der insgesamt sechs Einrichtungen in der Börde neue Mitarbeiter – meistens könnten die vakanten Stellen in Soest jedoch zeitnah besetzt werden, während in anderen Regionen die Suche deutlich schwerer sei, erklärt Grebe.

Problematisch sei hingegen der plötzliche Ausfall von Erzieherinnen – etwa durch Beschäftigungsverbote bei Schwangeren oder langfristige Krankheitsausfälle. „Ein weiterer wichtiger Grund für unseren gestiegenen Personalbedarf ist, dass alle evangelischen Kitas inklusiv arbeiten. Die Zahl von Kindern mit besonderen Förderbedarfen wächst in einem rasanten Tempo“, weiß Grebe.

Dauerstress für die verbliebene Belegschaft

Der Personalmangel habe neben gestrichenen Angeboten auch für die verbliebenen Mitarbeiter große Folgen: Diese sind deutlich überlastet. „Unzufriedenheit staut sich überall auf und kommt wieder zurück in die Kita. Das ist ein Hamsterrad, aus dem es kaum einen Ausweg gibt“, sagt Grebe.

Es ist ein Bild, das auch Eva Hempelt, Fachbereichsleitung Personal bei den katholischen Kitas der Hellweg gem. GmbH, zeichnet. Sie spricht von einem „Teufelskreis“: Die durch den Personalmangel hervorgerufene Überlastung bei den Bestandskräften führe zu krankheitsbedingten Ausfällen, und folglich zu Unterbesetzung. Zu den Einrichtungen des Trägers gehören beispielsweise die Kita Heilig-Kreuz oder St. Nikolai in Soest.

Fehlende Fachkräfte und Krankheitstage

Den Kindertagesstätten macht der Personalmangel deutschlandweit zu schaffen. Nach einer Studie des Paritätischen Gesamtverbandes für 2024 fehlen mehr als zwei Erzieherinnen pro Einrichtung, oft seien es sogar noch mehr. Demnach fehlen deutschlandweit aktuell 125 000 Fachkräfte im gesamten Bereich der Kindertagesbetreuung. Hinzukommt, dass nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung das Kita-Personal überdurchschnittlich oft krank sei. Zwischen 2021 und 2023 seien die Arbeitsunfähigkeitstage des Kita-Personals um rund 26 Prozent stark gestiegen.

Mehr Geld für Kita-Ausbildungsplätze benötigt

Sollte es zur Notbetreuung kommen, werden die Einschränkungen vorab mit Elternbeiräten sowie Jugendämtern abgestimmt. „Uns ist dabei besonders wichtig, in alle Richtungen Transparenz zu zeigen, um auf die Situationen vor Ort aufmerksam zu machen“, betont Hempelt.

Auch sie fordert mehr finanzielle Mittel zur Personalaufstockung und ergänzt: „Weiter muss die Landesregierung uns in die Lage versetzen, viel stärker als heute ausbilden zu können.“

Rechtliche Rahmenbedingungen als Problem

Die Kosten einer Ausbildungsstelle könnten nur zu einem Drittel über die Mittel aus dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) – das die Finanzierung der Kindertagesbetreuung regelt – refinanziert werden.

Hempelt: „Wenn wir die finanzielle Möglichkeit hätten, würden wir gerne doppelt so viele Auszubildende einstellen, wie wir es heute tun.“ Bis sich Grundlegendes nicht ändere, bleibt der Teufelskreis – und der Hinweis „Heute Notbetreuung in der Kita“ ebenfalls.

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