Netzausbau in Hamm

Zwei Anbieter werben um Glasfaser-Kunden – und die müssen pokern

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Ein Bündel mit Umhüllungen für Glasfaserkabel hängt vor einem blauen Himmel.
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Wer einen Glasfaseranschluss haben möchte, hat die Qual der Wahl. Gleich zwei Unternehmen werben in Hamm um Kunden und locken mit kostenlosem Anschluss – wenn man sich bis zu einem Stichtag für den einen oder anderen entscheidet.

Hamm – Im Kampf um den Kunden stehen sich die Eon-Tochter Westconnect und die Deutsche Giganetz gegenüber. Letztere hat sich vertraglich mit Stadt, Stadtwerken und Helinet verbunden. Doch Westconnect hat den besseren Start hingelegt: Die Essener hatten bereits zu Jahresbeginn knapp 230 Haushalte in Uentrop angeschlossen. Seit Juni werben sie im Hammer Osten um Kunden, mit Plakaten, Infoveranstaltungen und an Haustüren. Heessen soll jetzt folgen. Bei der Deutschen Giganetz läuft die Vermarktung erst an.

Unternehmen arbeiten auf eigene Kosten

Beide Unternehmen wollen die ganze Stadt erschließen, und zwar auf eigene Kosten. Sie locken dabei mit kostenlosem Anschluss: Sofern man als Grundeigentümer bis zu einem vom Unternehmen festgesetzten Stichtag unterschreibt, entfällt die Anschlussgebühr von bis zu 2 000 Euro. Bei Westconnect ist es für den Hammer Osten der 31. August, bei Giganetz der 18. Dezember.

Der Vorteil für Eigentümer, auch wenn sie bisher gut ohne Glasfaser ausgekommen sind: Sie sparen die Kosten für spätere eigene Bauarbeiten und erhöhen durch den Glasfaseranschluss den Wert der Immobilie.

Möglichst viele Anschlüsse legen

Damit sich so ein Ausbau für die Firmen lohnt, müssen sie möglichst viele Anschlüsse legen und nebenbei auch noch viele Internet- und Telefonverträge abschließen. Die Deutsche Giganetz macht den Ausbau davon abhängig, dass 35 Prozent der Haushalte mitmachen. Westconnect verspricht, in jedem Fall auszubauen, hatte 2022 in Uentrop aber noch 40 Prozent Beteiligung zum Maßstab gemacht.

Beide Unternehmen wollen im kommenden Jahr mit den Ausbau beginnen. Unklar ist, ob sie das auch tun werden, wenn sie ihre wirtschaftlichen Ziele nicht erreichen. Zieht sich eines der Unternehmen im kommenden jahr vom Hammer Markt zurück, müssten die Kunden beim Konkurrenten doch wieder die teure Anschlussgebühr zahlen. Stellen beide ihre Aktivitäten in Hamm ein, gäbe es gar keinen Glasfaserausbau in der Stadt. Absprechen dürfen die Unternehmen sich aufgrund des Kartellrechts nicht.

Vergleichbarer technischer Standard

In Sachen Leistung und Technik böten die Anbieter landesweit einen vergleichbaren Standard, sagt der Rechtsanwalt Felix Flosbach, der sich bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit dem Glasfaserausbau beschäftigt. Als Kunde müsse man letztlich pokern und hoffen, auf den Richtigen gesetzt zu haben. Grundsätzlich könne man den Anschluss auch bei beiden Unternehmen beantragen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sowohl Giganetz als auch Westconnect die Glasfaseranschlüsse auch ohne Vertragsbindung für Internet und Telefon legen. Man erfährt das eher im Kleingedruckten, und Westconnect warnt auch, dass man für eine spätere Freischaltung knapp 400 Euro Gebühr verlange. Aber das Kabel später selbst zu verlegen, wäre meist teuerer.

Gefahr der Doppelversorgung

Dass Leitungen doppelt verlegt und Bürgersteige zweimal aufgerissen werden, könnte eine unerwünschte Folge der Konkurrenz sein. Rechtlich verhindern kann man es derzeit nicht; die Bundesnetzagentur beobachtet die Entwicklung allerdings argwöhnisch.

Die Hamburger Deutsche Giganetz GmbH will ihre Pläne für die gesamte Stadt in einer Informatinsveranstaltung am Dienstag, 29. August, um 19 Uhr im Kurhaus, Ostenallee 87, vorstellen.

Infoveranstaltungen

Die Essener Westconnect GmbH hat dort bereits zwei Infoabende für die östlichen Stadtviertel bestritten. Sie wirbt akutell noch in Braam-Ostwennemar, Hamm-Osten, Mark und Werries, hat aber als nächstes Heessen im Visier: Eine Informationsveranstaltung ist für Dienstag, 6. September, um 19 Uhr in die Sachsenhalle, Piebrockskamp 1, angekündigt. Zusätzlich werde es am 5. und 19. Oktober jeweils von 14 bis 18 Uhr „Beratertage“ im Heessener Amtshaus, Amtsstraße 19, geben.

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