VonCarolin Gehrmannschließen
Beim angepassten Corona-Impfstoff von Biontech rechnet der Hausärzteverband mit Chaos für die Praxen. Die effektive Verabreichung sei ein „organisatorischer Overkill“ – und die Infektionszahlen steigen.
Berlin – Der vor wenigen Tagen in der EU zugelassene, an aktuelle Varianten des Coronavirus angepasste Impfstoff von Biontech sorgt bei Ärztinnen und Ärzten bereits jetzt für Ärger. Da das Vakzin nur in Fläschchen ausgeliefert werden soll, die sechs Impfdosen erhalten, befürchten sie, dass es in niedergelassenen Hausarztpraxen dadurch zum organisatorischen Chaos kommen könnte. In diesen Praxen wird die Impfkampagne zum großen Teil durchgeführt.
Hausärzteverband kritisiert, dass es Impfstoff von Biontech nicht als Einzeldosis gibt
Mit der vorhandenen Flaschengröße sei dies erheblich viel schwieriger zu organisieren, erklärte die Vize-Verbandsvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth, im Gespräch mit der Zeitung Spiegel. Ihrer Ansicht nach sei es ärgerlich, dass es den angepassten Impfstoff nicht als Einzeldosis gebe. Das Problem dabei: Angebrochene Fläschchen müssen gekühlt und innerhalb von zwölf Stunden verbraucht werden, wie der Hersteller auf seiner Webseite erklärt. Sonst gehe die Wirksamkeit des Präparats verloren.
„Organisatorischer Overkill“ – Angebrochene Corona-Impfungen nur zwölf Stunden haltbar
„Wir werden wieder im organisatorischen Overkill enden, wenn wir jedes Mal, wenn eine Biontech-Impfung notwendig ist, entweder schnell fünf weitere Impflinge organisieren, die Impfung verschieben oder fünf Impfdosen wegschmeißen müssen“, sagte Buhlinger-Göpfarth dem Spiegel. Bei den Impfstoffen für Kinder enthält ein Fläschchen sogar insgesamt zehn Dosen, sodass eine effektive Verwendung noch schwieriger zu organisieren ist.
Derzeit steigt die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus wieder an. Vor allem die Omikron-Subtypen, wie aktuell die Variante „Eris“ oder EG.5, sorgen für den derzeitigen Schub in Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat „Eris“ bereits unter Beobachtung gestellt.
Corona-Zahlen in Deutschland steigen – neue Varianten besorgen WHO
Immer mehr Menschen infizieren sich zurzeit und erkranken symptomatisch an Covid-19, der Krankheit, die das Coronavirus verursacht. Denn zum einen können die neuen Varianten das Immunsystem noch besser umgehen. Zum anderen lässt der vorhandene Immunschutz durch Impfung oder überstandene Infektionen nach. Im Herbst und Winter rechnen Expert:innen daher auch mit einer weiteren Krankheitswelle, wie auch Epidemiologe Timo Ulrichs im Gespräch mit IPPEN.MEDIA erklärte.
Epidemiolog:innen rechnen mit Krankheitswelle im Herbst und Winter
Vor diesem Hintergrund ist zwar damit zu rechnen, dass mehr Menschen im Herbst ihren Impfschutz erneuern möchten. Ob die Nachfrage aber so groß ist, dass es sich für die Praxen lohnt, die Flaschen mit mehreren Dosen anzubrechen, beziehungsweise wie sie es bewerkstelligen können, mehrere Impfwillige zum Sammeltermin zu bestellen, muss sich noch zeigen. Einfacher wäre dieser Prozess, wenn der Biontech-Impfstoff Comirnaty XBB.1.5 in Einzeldosen erhältlich wäre.
Biontech arbeitet an Verfügbarkeit von Einzeldosen – Konkurrent Moderna plant diese zum Herbst
Dem Spiegel teilte das Unternehmen mit, dass es künftig auch Einzeldosen des angepassten Vakzins auf den Markt bringen wolle. Der Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest. Wettbewerber Moderna hat ebenfalls einen Impfstoff entwickelt, der vor aktuellen Varianten schützen soll. Dieser soll pünktlich zur Impfsaison in Deutschland verfügbar sein – auch in Einzeldosen, zitiert der Spiegel eine Unternehmenssprecherin. Die Zulassungsprüfung durch die EU-Kommission laufe derzeit noch.
Stiko empfiehlt Corona-Impfung nur noch für bestimmte Gruppen
Empfohlen wird die Impfung momentan nur noch für bestimmte Gruppen mit besonders hohem Risiko, wie etwa Menschen ab 60 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen ab einem Alter von sechs Monaten, Angehörige von Risikopatient:innen sowie Gesundheits- und Pflegepersonal. Auch diese sollen die Impfung vorzugsweise im Herbst erhalten, rät die Ständige Impfkommission. Hier zeichnet sich also ein erhöhter Bedarf ab.
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