„Besondere Lage“ ausgerufen

Berühmter Alpenort wegen Schneemassen von Außenwelt abgeschnitten – Unwetter-Warnung für Touristen

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Der Skiort Zermatt ist von der Außenwelt abgeschnitten. Dort fielen mehr als 50 Zentimeter Neuschnee. Die Behörden greifen durch.

Frankfurt – Nach Italien ist vor allem die Schweiz von schweren Unwettern heimgesucht worden. Besonders trifft es im Alpenland den Kanton Wallis, auch berühmt für seine 4000er und damit bei zahlreichen Urlauberinnen und Urlaubern sehr beliebt.

Alpen-Unwetter: Schneefälle und Regen treffen Italien und die Schweiz

Doch starke Schnee- und Regenfälle haben in der Nacht zum Donnerstag (17. April) in der südwestlichen Schweiz massive Verkehrsprobleme und Stromausfälle ausgelöst. Der bekannte Skiort Zermatt sei von der Außenwelt abgeschnitten und von Stromausfällen betroffen, sagte eine Vertreterin des Tourismusbüros. In Italien sind ganze Landstriche durch Erdrutsche ähnlich abgeschottet. Zahlreiche Menschen wurden dort sogar evakuiert. Nach Angaben des Senders SRF wurden in Zermatt 55 Zentimeter Neuschnee gemessen. Auf dem Gebirgspass Großer St. Bernhard waren es sogar 100 Zentimeter. 

Am frühen Donnerstagmorgen informierte die Matterhorn Gotthard Bahn dann sogar, dass aktuell keine Reisemöglichkeit von/nach Zermatt bestehe. Infolge des Unwetters sei die Strecke zwischen Visp und Zermatt unterbrochen.

Kein Strom, kein Zug, keine Straße offen in Zermatt

Das Portal 20minuten.ch meldete bereits in der Nacht Stromausfälle: „Zermatt ist dunkel“, hieß es. Zwei Touristen aus den USA wurden demnach sogar aus ihren Hotels ausgeschlossen, da der elektronische Schlüsselcode wegen des Stromausfalls nicht mehr funktionierte. Die beiden Touristen wollten am Bahnhof Zermatt bis zum Morgen ausharren.

Auch auf den Straßen sei wegen des starken Schneefalls kein Durchkommen. Offenbar ist die Zubringerstraße Täsch-Zermatt in beide Richtungen gesperrt, es herrscht ohnehin nahezu überall Lawinengefahr. Neben Zermatt sind zahlreiche weitere Gemeinden betroffen. Darunter Kandersteg und Adelboden sowie das Simmental.

Sturzfluten, Erdrutsche und jetzt noch Schnee – Bilder zeigen heftiges Ausmaß des Italien-Unwetters

Italien Wetterkarte hat es in sich. Besonders Piemonte, im Norden, dürfte von starken Regenfällen am 17. April getroffen werden. Schon der Mittwoch (16. April) stellte Feuerwehren und Rettungsdienste vor große Herausforderungen.
Italien Wetterkarte hat es in sich. Besonders Piemonte, im Norden, dürfte von starken Regenfällen am 17. April getroffen werden. Schon der Mittwoch (16. April) stellte Feuerwehren und Rettungsdienste vor große Herausforderungen. © Protezione Civile
Erdrutsch bei Unwetter in Italien: Das Dorf Boccassuolo wurde in zwei geteilt.
Erdrutsch bei Unwetter in Italien: Das Dorf Boccassuolo wurde in zwei geteilt. © Screenshot/Provincia Modena
Feuerwehr teilt Bilder von Unwetter in Italien.
Unwetter in Italien: Die Feuerwehr teilt Bilder aus den betroffenen Regionen. Der Meteorologe Dominik Jung rät sogar: „Im Zweifel lieber frühzeitig abreisen“ – besonders für Campingurlauber in Flussnähe oder in Hanglagen könnte es gefährlich werden. ©  Vigili del Fuoco / X
Italiens Feuerwehren sind im Dauereinsatz, sprechen am 16. April (Mittwoch) von Einsätzen wegen Überschwemmungen, Wasserschäden und Erdrutschen. Aufgrund zweier Erdrutsche in Villadossola und Beura Cardezza mussten 30 Personen vorsorglich aus den umliegenden Häusern evakuiert werden.
Italiens Feuerwehren sind im Dauereinsatz, sprechen am 16. April (Mittwoch) von Einsätzen wegen Überschwemmungen, Wasserschäden und Erdrutschen. Aufgrund zweier Erdrutsche in Villadossola und Beura Cardezza mussten 30 Personen vorsorglich aus den umliegenden Häusern evakuiert werden.  © Vigili del Fuoco / X
Italien erwartet heftigen Regen – besonderd Norden betroffen.
In Italien herrscht derzeit eine ernste Unwetterlage, besonders in den nördlichen Regionen des Landes. Mehrere Tiefdruckgebiete sorgen für massive Niederschläge, die zu Überschwemmungen, Erdrutschen und gefährlichen Wetterlagen führen können. © Marco Ottico / pictures alliance
Unwetter in Italien – es droht großflächiges Hochwasser.
Für viele Regionen gilt aktuell die Warnstufe Orange oder Gelb der italienischen Zivilschutzbehörde. Besonders kritisch ist die Lage in der Region zwischen Turin und Mailand sowie in der Po-Ebene, wo großflächiges Hochwasser droht. © IMAGO/Alessandro Di Marco
Bis zu 500 Liter Regen pro Quadratmeter in Italien.
Wetterexperten rechnen mit extremen Regenmengen: In nur 48 Stunden könnten über 20 Zentimeter Niederschlag fallen In Spitzen werden 400 bis 500 Liter pro Quadratmeter erwartet. Meteorologen warnen sogar vor lebensbedrohlichen Unwettern. © IMAGO/Alessandro Di Marco
Italien von schweren Unwettern heimgesucht – noch keine Entwarnung.
Die intensive Niederschlagsphase soll noch bis mindestens Donnerstag (17. April) anhalten. Für Freitag (18. April) wird eine leichte Wetterberuhigung erwartet, doch auch am Wochenende bleibt die Lage unbeständig. © IMAGO/Alessandro Di Marco
Unwetter treffen Italien: Im Piemont traf ein Erdrutsch eine Straße in Donato. Feuerwehrleute greifen vor Ort ein.
Unwetter treffen Italien: Im Piemont traf ein Erdrutsch eine Straße in Donato. Feuerwehrleute greifen vor Ort ein.  © Screenshot
Dieses Video aus Valsesien im Piemont zeigt eine Lawine, die in Richtung Tal rauscht. Ein Gemisch aus Schnee, Wasser und Schlamm.
Ein Video aus Valsesien im Piemont zeigt eine Lawine, die in Richtung Tal rauscht. Ein Gemisch aus Schnee, Wasser und Schlamm. © Andrea Vuolo - Meteo in Piemonte
In der Region Piemont wurden die Einsatzkräfte am Donnerstag auf über 400 Personen aufgestockt.
In der Region Piemont wurden die Einsatzkräfte am Donnerstag auf über 400 Personen aufgestockt.  © Vigili del Fuoco
Zahlreiche Straßen in der Region wurden von Erdrutschen verlegt, einige Gemeinden sind isoliert oder bereits evakuiert.
Zahlreiche Straßen in der Region wurden von Erdrutschen verlegt, einige Gemeinden sind isoliert oder bereits evakuiert. © Vigili del Fuoco
Verstärkung wurde außerdem in die Toskana geschickt. Zwischen Biella, Verbiana und Turin dürfte die Lage kritisch bleiben.
Verstärkung wurde außerdem in die Toskana geschickt. Zwischen Biella, Verbiana und Turin dürfte die Lage kritisch bleiben. © Vigili del Fuoco
Bilder der Feuerwehr zeigen hier einen Einsatz bei Villar Dora. Bäume halten den starken Winden nicht Stand.
Bilder der Feuerwehr zeigen hier einen Einsatz bei Villar Dora. Bäume halten den starken Winden nicht Stand. © Vigili del Fuoco
Auch in der Lombardei führen die Unwetter zu großen Verkehrsbehinderungen.
Auch in der Lombardei führen die Unwetter zu großen Verkehrsbehinderungen.  © Vigili del Fuoco
Über 500 Einsätze wegen Überschwemmungen, Wasserschäden oder umgestürzten Bäumen zählte die Feuerwehr in der Lombardei in nur 24 Stunden.
Über 500 Einsätze wegen Überschwemmungen, Wasserschäden oder umgestürzten Bäumen zählte die Feuerwehr in der Lombardei in nur 24 Stunden. © Vigili del Fuoco
Auch die Schweizer Alpen wurden von Unwettern heimgesucht. Feuerwehrleute entfernen einen Baum, der unter der Schneelast in der Stadt Sierre zusammengebrochen ist. Die Situation ist so gefährlich, dass selbst Schulen und Supermärkte regional geschlossen bleiben.
Auch die Schweizer Alpen wurden von Unwettern heimgesucht. Feuerwehrleute entfernen einen Baum, der unter der Schneelast in der Stadt Sierre zusammengebrochen ist. Die Situation ist so gefährlich, dass selbst Schulen und Supermärkte regional geschlossen bleiben. © afp
Der komplett eingeschneite Piazza Chanoux in der Innenstadt von Aosta.
Der komplett eingeschneite Piazza Chanoux in der Innenstadt von Aosta. © Screenshot
80 Zentimeter Neuschnee wurden in höheren Lagen des Piemont verzeichnet.
80 Zentimeter Neuschnee wurden in höheren Lagen des Piemont verzeichnet. © Screenshot
Bereits Mitte März 2025 waren Teile Italiens von schweren Unwettern getroffen worden. Unter anderem Florenz.
Bereits Mitte März 2025 waren Teile Italiens von schweren Unwettern getroffen worden. Unter anderem Florenz. © IMAGO/IPA/ABACA

Zermatt/Wallis: Schulen und Supermärkte bleiben dicht

Im Wallis sowie in Teilen der Kantone Bern und Tessin galt am Donnerstag nach Angaben der Schweizer Behörden große Lawinengefahr – die zweithöchste Gefahrenstufe. Laut der Wetterbehörde MeteoSchweiz herrscht an Gewässern wie der Rhone oder dem Lago Maggiore „mäßige“ Hochwassergefahr. Die intensivste Phase der Niederschläge werde voraussichtlich bis Donnerstagmittag andauern, hieß es.

In Saas-Fee, einer Gemeinde im Wallis, bleiben die Supermärkte zur Stunde geschlossen, berichtet das Portal pomona.ch. In Zermatt öffneten sie erst um die Mittagszeit. Da in der Nacht mehrmals der Strom ausfiel, müsse sichergestellt werden, dass aufgrund der ausgefallenen Kühlung keine Lebensmittel verdorben sind. Die Behörden mahnen, zu Hause zu bleiben. Im Dorf sind spontane Lawinenabgänge aus der Ferne zu hören.

Schweizer Kanton ruft wegen Schneemassen „besondere Lage“ aus – Warnung an Urlauber

Angesichts der Lage hat der Kanton für Wallis am Donnerstag beschlossen, die besondere Lage auszurufen. Es falle außergewöhnlich viel Schnee, hieß es. In allen Höhenlagen könne es zu Lawinen und umstürzenden Bäumen kommen. Die Schulen aller Stufen, einschließlich der Berufsschulen, bleiben am Donnerstag (17. April), geschlossen. Außerdem werden Urlauberinnen und Urlauber gewarnt: „Personen, die für heute eine Reise ins Wallis für die Osterferien geplant hatten, werden gebeten, ihre Anreise nach Möglichkeit um einen Tag zu verschieben“, heißt es weiter 20minuten.ch zufolge weiter. Meteorologe Dominik Jung hatte im Vorfeld geraten, Reisen in betroffene Gebiete abzusagen.

Zermatt und weite Teilen der Schweiz wurden von regelrechten Schneemassen heimgesucht. Strom- und Zugausfälle sind die Folgen. Viele Schulen sind dicht.

Auch in der Walliser Kantonshauptstadt Sitten wurde aus Sicherheitsgründen für den gesamten Auto- und Fußgängerverkehr gesperrt. Die Bevölkerung wurde gebeten, zu Hause zu bleiben, nachdem wegen des Schneefalls Bäume umgestürzt waren.

Bitter: Auch in Italien sind Gegenden betroffen, in denen sich über die Ostertage normalerweise viele Urlauberinnen und Urlauber aufhalten, darunter Südtirol, das Piemont und die Lombardei mit der Hauptstadt Mailand. In der Stadt Pinerolo, etwa 60 Kilometer entfernt von Turin, empfahl die Gemeindeverwaltung der Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Und selbst Kroatien bekommt Unwetter ab. (mke)

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