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Eine neue Studie zeigt, welche Patienten nach einer Covid-Infektion ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Auch die Blutgruppe hat Einfluss.
Frankfurt – Dass eine Covid-Infektion Langzeitfolgen haben kann, ist bekannt. Immer mehr Menschen klagen über Symptome und Krankheiten, die auf eine Infektion mit dem Virus zurückzuführen sein können. Die betreffen auch das Herz, die Zahl der Schlaganfälle steigt. Eine neue Studie zeigt jetzt, wer dafür besonders anfällig ist.
Covid-Infektion hat Auswirkungen auf das Herz
Schon vor dem Wintereinbruch grassieren gerade in ganz Europa Viruserkrankungen wie Influenza und Covid. Letzteres mutiert auch in diesem Jahr mit neuen Stämmen und sorgt deshalb für eine hohe Krankenzahl. In der ersten Oktoberwoche lag die Inzidenz laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 1200 gemeldeten Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Die Symptome von Grippe, Covid und normaler Erkältung können übrigens durch verschiedene Hinweise abgegrenzt werden. Obwohl die meisten Erkrankten die Infektion mittlerweile gut überstehen, gibt es laut RKI gerade vermehrt Fälle von Krankenhauseinweisungen, die etwa eine Beatmung nötig machen, weil das Virus die Lunge befällt.
Die aktuell auch in Deutschland vorherrschende Variante XEC ist eine Mutation ihres Vorgängers, der FLIRT-Variante KP.3.1.1. Wie bereits durch Forschungen aus der Vergangenheit bekannt ist: Alle Virus-Erkrankungen können im Körper Spuren hinterlassen. Zuletzt wurde bekannt, dass Corona-Infektionen Depressionen auslösen können. Im Fall von Covid wurde die Reihe an Symptomen mit dem Begriff „Long Covid“ bezeichnet. Mehr noch: Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass man auch bei leichten Symptomen nicht leichtsinnig mit der Krankheit umgehen sollte, denn sie kann fatale Spätfolgen haben.
Das sind die Symptome der aktuellen Covid-Variante XEC
XEC wurde bereits im Juni 2024 erstmals in Deutschland nachgewiesen und scheint die bisher dominierende Variante KP.3.1.1 zu verdrängen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht von einem „Wachstumsvorteil von XEC gegenüber anderen zirkulierenden SARS-CoV-2-Linien“ aus.
Medizinerin zufolge würden neue Corona-Fälle „etwas grippeähnlicher“ verlaufen. Zu den Symptomen zählen Fieber, Husten sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Besonders auffällig seien jedoch eine extreme Abgeschlagenheit und ein deutliches Krankheitsgefühl. Weiterhin treten Kurzatmigkeit beziehungsweise Atemnot auf, in einigen Fällen auch Verlust von Geschmack oder Geruch. Begleitende Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) und/oder Appetitlosigkeit können auf eine Covid-Infektion hindeuten. In selteneren Fällen zeigen sich Hautausschlag oder Bindehautentzündung.
Quelle: ARE-Wochenbericht des RKI, KW 40
Wie Forscher der University of Southern California (USC) herausfanden, verdoppelt eine Covid-Infektion das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Weil die Studie auf drei Jahre angelegt war, bezieht sich das Auftreten der Erkrankungen auf diesen betrachteten Zeitraum. Sie bestätigte vorherige Annahmen, dass eine Covid-Infektion zu Herzrhythmusstörungen und erhöhter Herzfrequenz führen kann. Patienten, die eine schwere Infektion erlitten und deswegen im Krankenhaus behandelt werden mussten, hatten sogar ein siebenmal höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Mit einer Vorerkrankung im Herz-Kreislauf-Bereich lag das Risiko zwölfmal so hoch.
Die Untersuchung verglich auch Patienten mit und ohne vorherige Beschwerden im Herz-Kreislauf-System. Wer zuvor keine Probleme mit dem Herz hatte, erlitt dennoch mit 20 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, weil er sich mit Covid infizierte. Ein weiterer Faktor habe Einfluss auf das Risiko für Herz und damit zusammenhängende Probleme: die Blutgruppe der Erkrankten. Laut Studienergebnissen haben Menschen mit einer anderen Blutgruppe als 0 ein höheres Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, wenn sie einen schweren Covid-Verlauf durchlebt hatten. Für genauere Zusammenhänge seien weitere Forschungen notwendig.
Schlaganfall und Herzinfarkt durch Covid: Wer ein höheres Risiko hat
Für Epidemiologe Prof. Dr. Klaus Stöhr sind die Ergebnisse nicht überraschend: „Andere virale Atemwegserkrankungen mit schweren Verläufen wie zum Beispiel die Influenza können ähnliche Folgen haben“, so der 65-Jährige zu IPPEN.MEDIA. „Große Studien aus den USA zeigen, dass etwa elf Prozent der schwer an Influenza erkrankten Patienten innerhalb von drei bis sechs Monaten eine Folgeerkrankung aufwiesen, bei Covid waren es genauso viele. Außerdem belegen Studien, dass die Influenza-Impfung auch das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall reduziert.“
Er betont, dass die Impfung nicht vor der Infektion schütze. Die aktuelle Impfstoffzulassung sieht jedoch vor, dass die Impfung die Schwere der Erkrankung um mindestens eine Stufe reduzieren muss. Ob man sich impfen lässt, sei eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung. Auch andere virale Atemwegserkrankungen durch RSV, Adeno- oder Rhinoviren können Folgeerkrankungen nach sich ziehen, die jedoch in der Vergangenheit oft weniger schwere Verläufe als bei Influenza angenommen hätten, so Stöhr.
Für die Studie im Fachmagazin „Atherosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology“ wurden Proben von Patienten zwischen Februar und Dezember 2020 untersucht, welche im Anschluss über einen Zeitraum von fast drei Jahren begleitet wurden. Teilgenommen haben rund 220.000 Männer und Frauen. Rund 10.000 mittels PCR-Test untersuchte Probanden wurden positiv auf Covid-19 getestet, 2000 davon hatten schwere Verläufe.
Bestimmte Personengruppen gelten noch immer als besonders gefährdet: Menschen ab 60 Jahren, Personen mit chronischen Erkrankungen jeden Alters, Schwangere, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Menschen mit erhöhtem beruflichen Risiko, beispielsweise medizinischem Personal. Dennoch kann eine Ansteckung wegen unbekannter Vorerkrankungen für jeden Infizierten das Risiko für Spätfolgen bergen. Mit einigen Tipps können Sie sich vor einer Ansteckung mit Coronaviren schützen. (diase)
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