Deutscher Kapitän rettet 15 Menschen, als Yacht bei Unwetter vor Sizilien sank – „Wir hörten Schreie“
VonJulia Hanigk
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Die Nobel-Yacht „Bayesian“ ging vor Sizilien unter. 15 Menschen wurden gerettet – Der Kapitän spricht nun über die Rettungsaktion und das tragische Ereignis.
Ein sogenannter Wassertornado erfasste das Schiff. Bei diesem Wetterphänomen entstehen starke Bodenwirbel. 15 Personen konnten durch den heldenhaften Einsatz eines Kapitäns eines anderen Boots gerettet werden, doch sechs Personen werden weiterhin vermisst. Darunter sind auch Lynch und seine 18-jährige Tochter. Die Rettungsaktionen laufen auf Hochtouren.
„Haben es nicht kommen sehen“: Luxusyacht sinkt vor Sizilien
Wieso das Schiff bei den schwierigen Wetterverhältnissen eine halbe Seemeile vor der Küste vor Anker lag? Unklar. „Wir haben es nicht kommen sehen“, war der einzige Satz, den der Kapitän der „Bayesian“, James Catfield, der Zeitung La Repubblica nach seiner Rettung sagen konnte. Er wird derzeit im Krankenhaus behandelt.
Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien
Anderes Schiff eilte der „Bayesian“ zur Hilfe – Kapitän schildert Rettungsaktion: „Wir hörten Schreie“
Noch bevor das Schiff sank, eilte ihm aber noch ein anderes Boot zur Hilfe, die „Sir Robert Baden Powell“, ein niederländisches Schiff. An Bord war der Hamburger Kapitän Karsten Börner, der dem Giornale di Sicilia erzählte: „Sie wollten zum Hafen zurückkehren, aber wir sahen schlechtes Wetter und versuchten, das Boot zu stabilisieren, dann sahen wir ein anderes Boot neben uns sinken und wir leisteten sofort Hilfe.“ Auch sein Schiff wurde von dem Unwetter überrascht: „Wir hatten geplant, zum Hafen Arenella in Palermo zu fahren, wurden aber von einem Sturm heimgesucht“, erklärt er. Und weiter: „Wir versuchten, die Position mit laufenden Motoren zu halten.“
Während sie also selbst im Kampf gegen Wind und Wetter waren, sahen sie die Yacht neben sich plötzlich sinken. „Wir sahen eine rote Leuchtrakete aus dem Bereich des Bootes kommen, also stiegen mein Erster Offizier und ich in den Tender und gingen zu Hilfe: Wir bargen 15 Schiffbrüchige, darunter ein kleines Mädchen“, erzählt er von der Rettungsaktion.
Nach ersten Erkenntnissen der Behörde kenterte das Schiff offenkundig so schnell, dass sich nicht alle Passagiere aus ihren Kabinen im Unterdeck befreien konnten. Der deutsche Kapitän schilderte: „Zuerst kippte das Boot auf die Seite, und innerhalb weniger Minuten war es gesunken. Es ging alles sehr schnell.“ Danach sei die Küstenwache direkt eingetroffen. Doch sie konnten niemanden mehr finden: „Wir hörten Schreie, suchten die Gegend weiter ab, fanden aber außer den 15 bereits geretteten Überlebenden niemanden“, resümiert Kommandant Börner.
Überlebende berichten von dramatischen Szenen: „Hörte nur die Schreie der anderen“
Überlebende berichten mitunter von dramatischen Szenen. „Im Wasser konnte ich meine Augen nicht offen halten. Ich rief um Hilfe, aber ich hörte nur die Schreie der anderen“, erzählt eine Neuseeländerin namens Charlotte. Sie arbeitet für eine Kanzlei, die Lynch im Prozess vertreten hatte. Mit ihr an Bord war ihre einjährige Tochter: „Ich hielt sie mit all meiner Kraft über Wasser, streckte meine Arme nach oben, damit sie nicht ertrank.“
Suche nach Vermissten läuft weiter – schwierige Verhältnisse beim Lauf gegen die Zeit
Die Bemühungen, die Vermissten zu finden, gehen unvermindert voran, stoßen jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten. Spezialtaucher, die vom italienischen Festland angefordert wurden, konnten laut Feuerwehr zwar in das Innere des Wracks eindringen und einige Bereiche unterhalb der Kommandobrücke inspizieren. Allerdings stellen zahlreiche Hindernisse und die beengten Verhältnisse sie vor Herausforderungen.