„Ging alles sehr schnell“

Deutscher Kapitän rettet 15 Menschen, als Yacht bei Unwetter vor Sizilien sank – „Wir hörten Schreie“

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Die Nobel-Yacht „Bayesian“ ging vor Sizilien unter. 15 Menschen wurden gerettet – Der Kapitän spricht nun über die Rettungsaktion und das tragische Ereignis.

Porticello – Eigentlich sollte auf der Luxusyacht „Bayesian“ der Prozesserfolg des als „britischer Bill Gates“ bekannten Mike Lynch gefeiert werden. Er wurde gerade in einem Betrugsprozess freigesprochen und ankerte eine halbe Seemeile vor dem Hafen von Porticello in Sizilien (Italien). Das Schiff geriet in einen Sturm und sank.

Ein sogenannter Wassertornado erfasste das Schiff. Bei diesem Wetterphänomen entstehen starke Bodenwirbel. 15 Personen konnten durch den heldenhaften Einsatz eines Kapitäns eines anderen Boots gerettet werden, doch sechs Personen werden weiterhin vermisst. Darunter sind auch Lynch und seine 18-jährige Tochter. Die Rettungsaktionen laufen auf Hochtouren.

„Haben es nicht kommen sehen“: Luxusyacht sinkt vor Sizilien

Wieso das Schiff bei den schwierigen Wetterverhältnissen eine halbe Seemeile vor der Küste vor Anker lag? Unklar. „Wir haben es nicht kommen sehen“, war der einzige Satz, den der Kapitän der „Bayesian“, James Catfield, der Zeitung La Repubblica nach seiner Rettung sagen konnte. Er wird derzeit im Krankenhaus behandelt.

Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien

Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank.
Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank. © Vigili del Fuoco
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden.
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden. © Lucio Ganci/picture aliiance/dpa/AP
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado.
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado. © BAIA Santa Nicolicchia
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.  © Igor Petyx/Imago
Rettungskräfte bergen die Leiche eines der Opfer des unter britischer Flagge fahrenden Schiffes „Bayesan“. Es handelt sich laut Medienberichten um den Koch des Urlauberschiffs. Sechs weitere Menschen bleiben vermisst.
Rettungskräfte bergen die Leiche eines der Opfer des unter britischer Flagge fahrenden Schiffes „Bayesan“. Es handelt sich laut Medienberichten um den Koch des Urlauberschiffs. Sechs weitere Menschen bleiben vermisst. © Lucio Ganci/picture alliance/dpa/AP
Unter den Vermissten ist laut britischen Medien der Tech-Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „englischer Bill Gates“. Ihm soll die gesunkene Yacht gehört haben.
Unter den Vermissten ist laut britischen Medien der Tech-Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „englischer Bill Gates“. Ihm soll die gesunkene Yacht gehört haben. © BEN GURR/ POOL/AFP
Tauchteams suchen nach der versunkenen Yacht. Laut Feuerwehr liegt sie in rund 50 Metern Tiefe. Es wird befürchtet, dass Passagiere während des Unwetters in den Kabinen waren und von den Wassermassen eingeschlossen wurden, als die „Bayesian“ sank.
Tauchteams suchen nach der versunkenen Yacht. Laut Feuerwehr liegt sie in rund 50 Metern Tiefe. Es wird befürchtet, dass Passagiere während des Unwetters in den Kabinen waren und von den Wassermassen eingeschlossen wurden, als die „Bayesian“ sank. © Vigili del Fuoco
Überlebende schildern dramatische Szenen vom Kentern der Luxus-Yacht. Eine Frau berichtet, ihre Tochter sei ihr in den Fluten erst entglitten, doch dann habe sie sie „fest umarmt“ und schließlich wurden beide gerettet. Insgesamt 15 Personen wurden am Morgen von der Küstenwache und freiwilligen Helfern an Land gebracht.
Überlebende schildern dramatische Szenen vom Kentern der Luxus-Yacht. Eine Frau berichtet, ihre Tochter sei ihr in den Fluten erst entglitten, doch dann habe sie sie „fest umarmt“ und schließlich wurden beide gerettet. Insgesamt 15 Personen wurden am Morgen von der Küstenwache und freiwilligen Helfern an Land gebracht.  © Vigili del Fuoco
Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese leitete noch am Montag Untersuchungen zum Bootsunglück vor Palermo ein. Unter anderem wurden die Überlebenden, darunter der Kapitän, vernommen.
Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese leitete noch am Montag Untersuchungen zum Bootsunglück vor Palermo ein. Unter anderem wurden die Überlebenden, darunter der Kapitän, vernommen.  © Vigili del Fuoco
Derweil geht die Suche nach den Vermissten weiter. Mit jeder Stunde schrumpft allerdings die Hoffnung der Feuerwehr, Menschen lebend zu finden. Es bleibt, auf kleine Wunder zu hoffen.
Derweil geht die Suche nach den Vermissten weiter. Mit jeder Stunde schrumpft allerdings die Hoffnung der Feuerwehr, Menschen lebend zu finden. Es bleibt, auf kleine Wunder zu hoffen. © Vigili del Fuoco
Das ist das letzte Foto der „Bayesian“, bevor sie am Montagmorgen bei einem Unwetter vor Sizilien versank. Am Abend zuvor hatte die Urlaubsgruppe an Bord noch eine Party gefeiert. Ein Barkeeper aus Bagheria fotografierte das hell erleuchtete Schiff am Sonntagabend gegen 22 Uhr.
Das ist das letzte Foto der „Bayesian“, bevor sie am Montagmorgen bei einem Unwetter vor Sizilien versank. Am Abend zuvor hatte die Urlaubsgruppe an Bord noch eine Party gefeiert. Ein Barkeeper aus Bagheria fotografierte das hell erleuchtete Schiff am Sonntagabend gegen 22 Uhr. © Fabio la Bianca
Die Suche nach dem britischen Technologiemagnaten Mike Lynch geht weiter, nachdem die „Bayesian“ vor Sizilien gesunken ist. Italienische Rettungskräfte, die Feuerwehr und die Küstenwache sind im Einsatz. Hubschrauber unterstützen die Suche auf Hochtouren.
Die Suche nach dem britischen Technologiemagnaten Mike Lynch geht weiter, nachdem die „Bayesian“ vor Sizilien gesunken ist. Italienische Rettungskräfte, die Feuerwehr und die Küstenwache sind im Einsatz. Auch Hubschrauber unterstützen die Suche. © Fotogramma/IPA/ABACAPRESS/IMAGO
Die Leichen von fünf der bislang sechs Vermissten nach dem Yacht-Unglück wurden im Wrack entdeckt. Vier Körper konnten am Mittwoch (21. August) geborgen werden. Dabei handelt es sich um zwei Ehepaare.
Die Leichen von fünf der bislang sechs Vermissten nach dem Yacht-Unglück wurden im Wrack entdeckt. Vier Körper konnten am Mittwoch (21. August) geborgen werden. Dabei handelt es sich um zwei Ehepaare. © Jonathan Brady/dpa
Der fünfte Leichensack wird im Hafen von Porticello von Rettungskräften an Land gebracht, die nach den sechs Touristen suchen, die vermisst werden, nachdem die Luxusyacht Bayesian am Montag in einem Sturm gesunken war, während sie etwa eine halbe Meile vor der sizilianischen Küste festgemacht hatte.
479004340.jpg © Jonathan Brady/picture alliance/dpa
Das Aufgebot der Einsatzkräfte vor der Küste von Palermo war enorm. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich unter anderem so schwierig, weil den Tauchern am Grund nach dem Abtauchen in 50 Meter Tiefe nur zehn Minuten zum Arbeiten blieben. Ein Tauchroboter unterstützte.
479037496.jpg © Salvatore Cavalli/picture alliance/dpa/AP
Ein Boot mit einem Tauchteam macht sich am vierten Tag der Such- und Bergungsaktion auf den Weg zur Bayesian. Eine weitere Leiche wurde geborgen. Vermutlich handelt es sich um den britischen Milliardär Mike Lynch oder dessen 18-jährige Tochter.
Ein Boot mit einem Tauchteam machte sich am vierten Tag der Such- und Bergungsaktion auf den Weg zur Bayesian. Eine weitere Leiche wurde geborgen. Vermutlich handelt es sich um den britischen Milliardär Mike Lynch oder dessen 18-jährige Tochter. © Jonathan Brady/dpa

Anderes Schiff eilte der „Bayesian“ zur Hilfe – Kapitän schildert Rettungsaktion: „Wir hörten Schreie“

Noch bevor das Schiff sank, eilte ihm aber noch ein anderes Boot zur Hilfe, die „Sir Robert Baden Powell“, ein niederländisches Schiff. An Bord war der Hamburger Kapitän Karsten Börner, der dem Giornale di Sicilia erzählte: „Sie wollten zum Hafen zurückkehren, aber wir sahen schlechtes Wetter und versuchten, das Boot zu stabilisieren, dann sahen wir ein anderes Boot neben uns sinken und wir leisteten sofort Hilfe.“ Auch sein Schiff wurde von dem Unwetter überrascht: „Wir hatten geplant, zum Hafen Arenella in Palermo zu fahren, wurden aber von einem Sturm heimgesucht“, erklärt er. Und weiter: „Wir versuchten, die Position mit laufenden Motoren zu halten.“

Kapitän Karsten Börner am Steuer des Topsegelschoners „Sir Robert Baden Powell“ im Roten Meer vor Ägypten 2004.

Während sie also selbst im Kampf gegen Wind und Wetter waren, sahen sie die Yacht neben sich plötzlich sinken. „Wir sahen eine rote Leuchtrakete aus dem Bereich des Bootes kommen, also stiegen mein Erster Offizier und ich in den Tender und gingen zu Hilfe: Wir bargen 15 Schiffbrüchige, darunter ein kleines Mädchen“, erzählt er von der Rettungsaktion.

Nach ersten Erkenntnissen der Behörde kenterte das Schiff offenkundig so schnell, dass sich nicht alle Passagiere aus ihren Kabinen im Unterdeck befreien konnten. Der deutsche Kapitän schilderte: „Zuerst kippte das Boot auf die Seite, und innerhalb weniger Minuten war es gesunken. Es ging alles sehr schnell.“ Danach sei die Küstenwache direkt eingetroffen. Doch sie konnten niemanden mehr finden: „Wir hörten Schreie, suchten die Gegend weiter ab, fanden aber außer den 15 bereits geretteten Überlebenden niemanden“, resümiert Kommandant Börner.

Überlebende berichten von dramatischen Szenen: „Hörte nur die Schreie der anderen“

Überlebende berichten mitunter von dramatischen Szenen. „Im Wasser konnte ich meine Augen nicht offen halten. Ich rief um Hilfe, aber ich hörte nur die Schreie der anderen“, erzählt eine Neuseeländerin namens Charlotte. Sie arbeitet für eine Kanzlei, die Lynch im Prozess vertreten hatte. Mit ihr an Bord war ihre einjährige Tochter: „Ich hielt sie mit all meiner Kraft über Wasser, streckte meine Arme nach oben, damit sie nicht ertrank.“ 

Suche nach Vermissten läuft weiter – schwierige Verhältnisse beim Lauf gegen die Zeit

Die Bemühungen, die Vermissten zu finden, gehen unvermindert voran, stoßen jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten. Spezialtaucher, die vom italienischen Festland angefordert wurden, konnten laut Feuerwehr zwar in das Innere des Wracks eindringen und einige Bereiche unterhalb der Kommandobrücke inspizieren. Allerdings stellen zahlreiche Hindernisse und die beengten Verhältnisse sie vor Herausforderungen.

„Aufgrund der verstrichenen Zeit und der Umstände des Ereignisses ist es natürlich schwierig, sich vorzustellen, dass sich die Dinge zum Besten wenden. Aber wir geben natürlich nicht auf“, äußerte Vincenzo Zagarola von der italienischen Küstenwache im Radio. Ein Experte äußerte eine bedrückende Theorie, wie es um das Überleben der letzten Vermissten steht. (jh/dpa)

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