Auch zwei Koreaner verschollen

„Es ist uns so kalt“: Paar aus Italien am Mont Blanc vermisst – sie schickten zuvor beklemmende SMS

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Dramatischer Rettungseinsatz am Mont Blanc: Zwei Seilschaften aus Italien und Südkorea sind verschollen. Eine SMS ist das bislang letzte Lebenszeichen.

Update vom 10. September, 18.03 Uhr: Traurige Nachrichten vom Mont Blanc: Die Leichen von Sara S. und Andrea G. wurden in 4500 Metern Höhe gefunden, berichtet la Repubblica. Die Alpinpolizei von Chamonix fand demnach die Leichen im Bereich der Mur de la Cote, einem steilen eisigen Hang, der auf französischer Seite zum Gipfel des Mont Blanc führt.

Auch zwei vermisste Koreaner wurden tot entdeckt. Mehrere Polizeihubschrauber hatten das bessere Wetter am Dienstagnachmittag für die Suche nach den Vermissten genutzt. Laut fanpage.it ist es wahrscheinlich, dass sie erforen sind. Der Todesfall könnte bereits am Samstag nach dem Notruf eingetreten sein. Die Leichen wurden nach Chamonix gebracht.

Hoffnung, vermisstes Paar aus Italien am Mont Blanc unversehrt zu finden, schwindet

Update vom 10. September, 10.01 Uhr: Die Hoffnung für die vermissten Bergsteiger schwindet, am Dienstag konnten wieder keine Suchmannschaften in die Region vordringen, in der die Alpinisten vermutet werden: „Aufgrund der Wetterlage gibt es im Moment keine Entwicklungen“, teilte die Alpinpolizei (Peloton de gendarmerie de haute montagne) in Chamonix laut blick.ch mit.

Die Bergwacht Aostatal auf der italienischen Seite erklärte: „Heute Morgen ist der Helikopter in die Luft gegangen, in der Hoffnung, dass der Gipfel des Mont Blanc aus den Wolken auftaucht. Bei einer Lichtung hätten die Bergführer abgelassen werden können, um die Suche am Boden zu beginnen. Aber es war unmöglich, näher heranzukommen.“

Paar aus Italien am Mont Blanc vermisst – sie schickten zuvor beklemmende SMS

Ursprungsmeldung vom 9. September: Chamonix – Der 4805,59 Meter hohe Mont Blanc an der Grenze zwischen Frankreich und Italien ist der König der Alpen. Und nach gängiger Definition der höchste Gipfel Europas. Jedes Jahr zieht der „weiße Berg“ Touristenscharen an. Immer wieder gibt es auf dem Giganten auch tödliche Unglücke. Jetzt werden gleichzeitig vier Menschen im ewigen Eis vermisst.

Sara S. (41) und Andrea G. (53) – sie stammt aus der Provinz Ligurien bei Genua und er aus der Lombardei – wollten auf der französischen Seite den Mont Blanc erklimmen. Sie waren laut fanpage.it in der Nacht von Freitag (6. September) auf Samstag (7. September) an der Cosmiques-Hütte auf einer Höhe von 3600 Metern Richtung Gipfel aufgebrochen. Vermutlich hatten die beiden eine Höhe von 4800 Metern erreicht, berichtet suedtirolnews.it. Sie machten sich wohl an den Abstieg, als sie plötzlich von einem Temperatursturz und Nebel überrascht wurden.

Am Mont Blanc vermisstes Paar aus Italien schickte Not-SMS: „Holt uns, wir könnten erfrieren“

Das Bergsteigerpaar hat sich beim Abstieg offenbar verirrt. Gegen 17.30 Uhr schickten sie eine SMS an die Rettungskräfte: „Wir sind in eine Gletscherspalte gestürzt, aber wir sind wieder herausgekommen. Jetzt wissen wir nicht genau, wo wir sind, und es ist uns so kalt.“ Das Thermometer sank an der Wetterstation Arpa Valle d‘Aosta auf 4750 Metern Höhe auf unter minus 12 Grad.

Das Notbiwak Refuge Vallot ist nahe der letzten vermuteten Position der beiden Italiener.

„Wir sehen nichts, holt uns, wir könnten erfrieren“, lautete eine ihrer letzten Nachrichten an die Retterinnen und Retter, die zunächst erfolglos versuchten, sie zu Fuß zu erreichen. Seit Sonntag (8. September) sind die beiden am Handy nicht mehr erreichbar. Vermutlich sind die Akkus leer. 300 Meter tiefer läge die rettende Notunterkunft der Vallot-Hütte, wo es auch Decken gibt.

Rettungskräfte brechen Einsätze ab, weil es zu gefährlich für sie wird

„Wir wurden am späten Samstagnachmittag auf drei in Not geratene Seilschaften unweit des Gipfels des Mont Blanc bei sehr schlechten Wetterbedingungen aufmerksam gemacht“, teilte der Hochgebirgs-Gendarmeriezug (PGHM) am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP mit. Helikopter können wegen der schlechten Sicht nicht aufsteigen.

Am Sonntag brach in den frühen Morgenstunden ein neues Team von Bergretterinnen und Bergrettern von der in einer Höhe von 3815 Metern gelegenen Goûter-Hütte auf. Das Team musste jedoch gegen 10 Uhr am Dôme du Goûter auf 4200 Metern Höhe abbrechen. Wind und Nebel machten ein Weiterkommen unmöglich. Am Montag (9. September) wurde gegen 7 Uhr ein erneuter Versuch von Retterinnen und Rettern gestartet, die Vermissten zu erreichen. Aufgrund widriger Wetterbedingungen und um die Sicherheit der eingesetzten Rettungskräfte zu gewährleisten, wurde der Einsatz wieder abgebrochen. Es herrschten Windgeschwindigkeiten von 70 Kilometern pro Stunde.

Zehn legendäre Alpengipfel, die jeder Wanderfan kennen sollte

Drei Kletterer blicken auf den Mont Blanc in den französischen Alpen.
Kein Berg eignet sich besser für den Anfang dieser Liste als der Mont Blanc, mit 4.810 Metern der höchste Berg der Alpen. Auf dem vorgelagerten Aiguille du Midi befindet sich auf 3.843 Metern eine Seilbahnstation, von der Besucher einen beeindruckenden Blick auf den laut manchen Definitionen höchsten Berg Europas haben. Bis heute sind sich Frankreich und Italien uneinig, wo die Landesgrenze über dem Gipfel verläuft. So beansprucht auch Italien einen Anteil des „Monte Bianco“-Gipfels für sich. © Luis Teschner
Das Matterhorn in der Schweiz im Winter.
Keine 100 Kilometer Luftlinie sind es vom Mont Blanc bis zum nächsten Berg, dem 4.478 Meter hohen Matterhorn in der Schweiz. Der felsige Pyramidengipfel gilt als ein Wahrzeichen der Schweiz und ist weltweit bekannt. Der achthöchste Berg der Alpen wurde 1865 zum ersten Mal bestiegen, jedoch verunglückten vier der sieben Bergsteiger auf dem Weg nach unten tödlich. Jedes Jahr versuchen 2.500 bis 3.000 Menschen, den Gipfel zu bezwingen. Durchschnittlich acht bis zehn davon verunglücken tödlich.  © Eibner/Imago
Ein Panoramablick über den Drachensee und die dahinterliegende Zugspitze.
Deutlich mehr Menschen erreichen den Gipfel der Zugspitze, des höchsten deutschen Berges auf 2.962 Metern. Das liegt vor allem an der Luftseilbahn, die ungefähr 500.000 Besucher jedes Jahr bis auf den Gipfel bringt. Alpin erfahrene Wanderer mit sehr guter Kondition können die Zugspitze auch ohne Seilbahn an einem Tag über verschiedene Routen besteigen. Hier im Bild: Der zum Zugspitzmassiv gehörende Schneefernerkopf. © Jöran Steinsiek/Imago
Wallfahrtskirche Maria Gern bei Berchtesgaden mit dem Watzmann im Hintergrund.
Der zweite deutsche Berg auf dieser Liste ist der Watzmann, mit 2.713 Metern einer der drei höchsten Hauptgipfel Deutschlands. Seine Überschreitung ist unter kraxelfreudigen Wanderern beliebt und an schönen Tagen gut besucht. Der kleinere Gipfel links wird auch als die „Frau“ des Watzmanns bezeichnet. Die fünf eigenständigen Gipfel dazwischen werden gerne als ihre „Kinder“ bezeichnet.  © Reinhold Ratzer/Imago
Alpenmurmeltier ruft vor dem schneebedeckten Großglockner.
Vom Watzmann ist es nicht besonders weit zu Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner auf 3.798 Metern. Besonders gut kann man ihn von der Großglockner-Hochalpenstraße sehen, Österreichs höchster befestigter Passstraße.  © Sven-Erik Arndt/imago
Vollmond über dem Gipfel der Ötztaler Wildspitze in Österreich.
Der zweite Berg Österreichs auf dieser Liste ist auch der zweithöchste Berg des Landes: die Ötztaler Wildspitze auf 3.768 Metern. Mit nur 30 Metern weniger als der Großglockner ist sie für die Ostalpen ebenfalls sehr hoch und ein beliebtes Ziel von Bergsteigern. Besonders ist obendrein ihre Prominenz. Über 2.200 Meter muss man absteigen, um den nächsten höheren Berg zu erreichen. Nur drei andere Berge in den Alpen sind prominenter (der Mont Blanc, der Großglockner und das Finsteraarhorn).  © Robert Seitz/Imago
Raschötzhütte auf der Raschötzalm vor der Sellagruppe, Marmolata und Langkofelgruppe.
Wer über den Reschenpass Richtung Süden an der Wildspitze vorbeifährt, landet in Südtirol und damit in Italien. Ein besonders legendärer, italienischer Alpenberg ist die Marmolata, mit 3.343 Metern der höchste Berg der Dolomiten. Sie wird auch als „Königin der Dolomiten“ bezeichnet.  © Günther Gräfenhain/Imago
Ein männlicher Wanderer blickt auf die Drei Zinnen von einem Höhleneingang aus.
Der zweite Dolomiten-Berg dieser Liste ist mit 2.999 Metern zwar kleiner als die Marmolata, aber fraglos ein legendärer Berg der Alpen. Die Drei Zinnen an der Grenze zu Südtirol sind ein weltbekanntes Fotomotiv und eins der begehrtesten Gipfelziele der Alpen. Besonders beeindruckend sind ihre steil abfallenden Nordwände. Die größte Nordwand ist die der mittleren Zinne, die über 500 Meter senkrecht oder überhängend abfällt. © Kontrastlicht/Imago
Ein Wanderer mit der Eiger Nordwand im Hintergrund.
Wer über Nordwände spricht, muss auch über die Eiger Nordwand sprechen, die höchste und mit Abstand bekannteste Nordwand der Alpen. Über 1.800 Meter ragt sie südwestlich über Grindelwald auf. Besonders ihre zahlreichen und teils höchst dramatischen Besteigungsversuche haben den 3.967 Meter hohen Eiger legendär gemacht.  © Jürgen Schwenkenbecher/Imago
Der Gipfel des Monte Rosa im Sonnenuntergang.
Der letzte Berg dieser Liste ist der zweithöchste Berg der Alpen, der Monta Rosa mit 4.634 Metern Höhe. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zwischen Italien und der Schweiz. Deswegen hat der Monte Rosa in der Schweiz einen anderen Namen und wird Dufourspitze genannt. Mit 2.400 Metern Höhe ist die Ostwand des Massivs sogar noch höher als die Eiger Nordwand und die höchste Felswand der gesamten Alpen.  © Wirestock/Imago

Einer der beiden Vermissten hatte bereits mehr als 60 Viertausender bestiegen

Angehörige des Paares sind nach Chamonix gereist. Andrea G. ist Zoologe an der Universität Mailand, er hat bereits über 60 Besteigungen von 4000ern absolviert. Er war erst am 1. September mit der zweiten vermissten Sara S. auf dem Matterhorn (4478 Meter) gewesen. Am 22. August hatte er das Rimpfischorn (4199 Meter) und am 23. August das Allalinhorn (4027 Meter) bestiegen, beides in der Schweiz. Am 4. August überschritt er den Lyskamm im Wallis (4027 bis 4481 Meter hoch).

Und am 19. Juli hatte er bei Facebook die Bezwingung der Aiguille de Bionnassay (4052 Meter) nahe des Mont Blanc als seine 63. Besteigung der 82 Viertausender der Alpen gemeldet. Sara S. ist ebenfalls passionierte Bergsteigerin. Ihr Motto bei Facebook: „Steige auf die Berge, nicht damit die Welt dich sieht, sondern damit du die Welt siehst.“ Sie hatte noch nicht viel Klettererfahrung. Über sie schrieb ihr Partner Andrea G. vor kurzem bei Facebook. „Nach dem klassischen Bergsteigerkurs vor drei Monaten begann Sara mit mir zu klettern.“

Auch zwei Koreaner sind am Mont Blanc verschollen. Eine weitere koreanische Zweierseilschaft konnte Sonntagmorgen unter Einsatz zahlreicher Rettungskräfte aus 4100 m Höhe unweit des Brenva-Passes geborgen werden.

Wie tödlich der Mont Blanc ist, hat er erst vor wenigen Tagen bewiesen: Ein Tourist stürzte am „Todeskorridor“ und starb. Ein abstürzender Eisblock wurde im Juli drei Bergsteigern zum Verhängnis. Und ein Bergsteiger, der Geld für krebskranke Kinder sammeln wollte, stürzte ebenfalls im Juli am Mont Blanc in den Tod.

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Patrick Frischknecht

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