179 Tote durch Unfall

Experte hinterfragt Theorie nach tödlichem Flugzeugabsturz in Südkorea: „Habe ich noch nie erlebt“

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Die Untersuchungen zur Flugzeugtragödie in Muan gehen weiter. Doch einige Experten zweifeln an der Theorie des Vogelschlags.

Muan – Wie kam es zu dem furchtbaren Flugzeugunglück in Südkorea? Neuesten Erkenntnissen zufolge war wohl ein Vogelschlag Ursache des Unfalls. Die Piloten des in Südkorea verunglückten Flugzeugs meldeten diesen demnach kurz vor der Bruchlandung. Das berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Verkehrsministerium. Die Piloten hätten einen Mayday-Notruf wegen eines Zusammenpralls mit Vögeln abgesetzt.

Tower warnte Maschine vor der Landung in Muan in Südkorea vor Vögeln

Damit erhärtet sich der Verdacht, dass ein Vogelschlag in Verbindung mit Problemen am Fahrwerk der Boeing 737-800 von Jeju Air stehen könnte. Der Tower hatte laut den Behörden kurz zuvor noch vor den Vögeln gewarnt. Die Maschine landete am Sonntagmorgen (29. Dezember 2024, Ortszeit) auf dem südkoreanischen Flughafen Muan im Südwesten des Landes ohne ausgeklapptes Fahrwerk, kam nicht rechtzeitig zum Stehen und zerschellte an einer Mauer.

Mitglieder eines Rettungsteams arbeiten nach dem schweren Flugzeugabsturz am Wrack der Maschine auf dem internationalen Flughafen von Muan in Südkorea.

Von den insgesamt 181 Insassen kamen fast alle ums Leben. Lediglich zwei Crew-Mitglieder überlebten. Flug 7C2216 kam aus Bangkok. An Bord befanden sich neben zwei thailändischen Staatsbürgern ausschließlich Koreaner. Wie die Behörden am Montag mitteilten, konnten 141 Opfer inzwischen durch DNA-Proben oder Fingerabdrücke identifiziert werden.

Experten zweifeln an Vogelschlag als Grund für den Unfall

Experten sehen die Lage allerdings nicht so klar. So äußerte der australische Flugsicherheitsexperte Geoffrey Dell gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Vogelschlag das Ausfahren des Fahrwerks verhindert hat“. Das große Rätsel bleibe, wieso die Maschine das Fahrwerk nicht ausfahren konnte. Auch widrige Wetterbedingungen werden indes als mögliche Gründe für die Katastrophe genannt.

Nach dem Flugzeugabsturz mit 179 Toten herrscht in Südkorea eine Woche lang Staatstrauer.

Auch Geoffrey Thomas vom Branchenportal Airline News kritisierte die Vogelschlag-Theorie: „Ein Vogelschlag ist nicht ungewöhnlich, Probleme mit dem Fahrwerk sind nicht ungewöhnlich“, sagte er. „Vogelschläge kommen viel häufiger vor, aber sie führen in der Regel nicht von selbst zum Verlust eines Flugzeugs.“

Feuerwehr stand bei Unfall in Südkorea nicht mit Schaumteppich bereit

Gerald Wissel von Ratzeburger Airborn Consulting merkte zudem an, dass das Fahrwerk auch manuell hätte ausgefahren werden können. Fraglich sei auch, weshalb die Feuerwehr nicht mit einem Schaumteppich bereitstand. Wissel wies darauf hin, dass man die Auswertung der bereits sichergestellten Flugschreiber abwarten müsse.

Das Verkehrsministerium in Seoul erklärte am Montag (30. Dezember), es prüfe darüber hinaus Pläne für eine Sonderinspektion aller 101 im Land in Betrieb befindlichen Flugzeuge vom Typ Boeing 737. An der Untersuchung beteiligen sich demnach auch US-Ermittler, möglicherweise auch unter Beteiligung des angeschlagenen Flugzeugherstellers Boeing.

In Südkorea hat wegen des Vorfalles eine einwöchige Staatstrauer begonnen. Am Montag (30. Dezember 2024) wehten die Flaggen des Landes auf Halbmast. Interimspräsident Choi Sang Mok wurde am Unglücksort in Muan im Südwesten des Landes erwartet, um dort eine Gedenkfeier abzuhalten. (cgsc mit afp)

Rubriklistenbild: © Ahn Young-joon/AP/dpa

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