VonKilian Bäumlschließen
Um die Klimaziele einhalten zu können, bedarf es an Fachkräften, vor allem in der „grünen Wirtschaft“. Das könnte die bisherigen Pläne über den Haufen werfen.
Frankfurt – Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher. Laut Forschenden werden Extremwetter und Hitzewellen auch in Europa immer häufiger, allein in diesem Jahr kam es bereits mehrfach zu Extremwetter-Ereignissen. So wird gerade die Metropole New York vom Regen überschwemmt, sodass der Notstand ausgerufen wurde. Dem entgegen stehen die Klimaziele, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Laut einer Untersuchung wirken sich jedoch nicht nur die weltweit rekordverdächtigen Co2-Emissionen negativ aus Klima aus, sondern auch der Fachkräftemangel.
Gefährdung der Klimaziele: Zur Umsetzung von Maßnahmen werden Fachkräfte gebraucht
Zu diesem Ergebnis kommt die Boston Consulting Group (BCG) in einer Untersuchung, die der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegt. Laut der BCG werden bis zum Jahr 2030 rund sieben Millionen Fachkräfte fehlen, um die nötigen Maßnahmen zum Erreichen der internationalen Klimaziele umzusetzen. Die dadurch erwartbaren Verzögerungen bei der Umsetzung von Klima- und Energieprojekten könnten demnach einen Temperaturanstieg von 0,1 Grad Celsius zur Folge haben. Das sind vor allem schlechte Nachrichten, da bereits jetzt laut einer Umfrage fast zwei Drittel der Deutschen Angst vor Extremwetter haben.
Das bisherige Klimaziel ist es, die Klimaerwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 Grad zu begrenzen. Angesichts der Erkenntnisse könne das jedoch „damit in noch weitere Ferne rücken“, erklärte Studienautorin Janina Kugel der Zeitung. „Es wird beim Thema Klimaschutz unheimlich viel über Infrastruktur, Finanzierung, Technologie und Innovation gesprochen. Dass zur Umsetzung auch Fachkräfte benötigt werden, wird hingegen bislang nicht genug mitgedacht.“ Allein in der MINT-Branche fehlen derzeit mehr als 300.000 Fachkräfte.
Fachkräftemangel gefährdet Klimaziele: Bis 2030 könnten 400.000 Stellen der „grünen Wirtschaft“ unbesetzt sein
Den Berechnungen zufolge wird der Mangel an Fachkräften in den kommenden Jahren sogar noch weiter steigen. Bis zum Jahr 2030 könnten im Bereich der „grünen Wirtschaft“ rund 400.000 Stellen unbesetzt bleiben. Zur Erreichung der Klimaziele fehlen besonders etwa Installateure für Solarmodule, technisches Personal für das Betreiben von Windkraftanlagen und Fachkräfte im Bereich der Forschung und Entwicklung für Solar- und Batterietechnologien.
„In jedem Falle müssen wir auch im Ausland rekrutieren“, erklärte Johann Harnoss, Ko-Autor der Studie, der Zeitung. Hier brauche es globale Aus- und Weiterbildungskooperationen, vor allem mit Ländern des globalen Südens, in denen die Arbeitslosigkeit hoch sei. Die Untersuchung geht davon aus, dass 40 Prozent der Arbeitskräfte nur in geringem Maße weiterqualifiziert werden müssten. Die Untersuchung der BCG ist nicht die einzige, laut der eine Verzögerung der Klimaziele möglich ist. Eine andere Studie geht sogar von einem katastrophalen Temperaturanstieg von 2,7 Grad aus. (kiba/AFP)
Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

