Internationale Notlage

Fachleute schlagen Alarm: Neuer Mpox-Stamm „mutiert schneller, als wir erwarten würden“

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Die neue Mpox-Klade lb bereitet Forschenden große Sorgen. Ein Merkmal lässt das Virus besonders schnell mutieren, wie ein Experte erklärt.

Frankfurt – Die Weltgesundheitsorganisation hat für das Mpox-Virus am 14. August eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) ausgerufen. Das Risiko für die deutsche Bevölkerung schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI) in einer Mitteilung als gering ein. Ein Experte erklärt nun jedoch, dass das Virus offenbar schneller mutiert als zunächst vermutet. Fachleute schlagen deshalb Alarm.

Mpox-Erkrankung kann tödlich enden – neuer Virusstamm birgt deutlich größere Gefahren

Im Mai 2022 wurden laut RKI in vielen Ländern Fälle der Mpox-Klade IIb gemeldet, in denen das Virus zuvor noch nicht vorgekommen war – darunter auch in Deutschland. Die Fallzahlen gingen jedoch wenige Monate später wieder deutlich zurück. 2023 ist im Osten der Demokratischen Republik Kongo erstmalig der neue Stamm Klade Ib aufgetreten. Inzwischen trete die Klade I samt ihrer Variante Ib auch in benachbarten Ländern auf. Mittlerweile warnt die WHO vor einer rasanten Verbreitung von Mpox.

Ein Arzt behandelt ein mit Mpox-infiziertes Kind – die WHO warnt mittlerweile vor einer rasanten Ausbreitung des Virus.

Die Klade I werde demnach mit einem durchschnittlich schwereren Krankheitsverlauf in Verbindung gebracht. So verlaufe eine Erkrankung mit der Klade I im Vergleich zum Ausbruchsgeschehen der Klade IIb deutlich häufiger tödlich. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch Kontakt mit wildlebenden Nagetieren und von Mensch zu Mensch. Mpox verursacht grippeähnliche Symptome und mit Eiter gefüllte Läsionen.

Mpox-Klade lb mutiert schneller „als wir erwarten würden“

Forscher sind beunruhigt über die Entwicklung des neuen Virusstammes. Dr. Miguel Paredes vom Fred Hutchison Cancer Center in Seattle untersucht Mpox und andere Viren. Gegenüber reuters.com erklärt er, dass die Klade lb eine Mutation namens APOBEC3 in sich trägt. Dies sei ein Zeichen für die Anpassung beim Menschen.

Der Forscher beschreibt, dass das Mpox-Virus zuvor „ziemlich stabil“ und langsam mutierte. Bei dem neuen Virusstamm Klade lb verhalte sich dies jedoch anders: „Alle von Mensch zu Mensch übertragenen Mpox-Fälle weisen diese APOBEC-Mutationssignatur auf, was bedeutet, dass sie etwas schneller mutiert, als wir erwarten würden“, so Paredes.

„Werden Schwierigkeiten haben“: WHO-Experte warnt vor Mpox-Entwicklung

Dr. Dimie Ogoina, Experte für Infektionskrankheiten am Niger Delta University Hospital in Nigeria und Vorsitzender des Mpox-Notfallausschusses der WHO, äußerte sich ebenfalls bei reuters.com: „Wir verstehen unseren Ausbruch nicht sehr gut, und wenn wir unseren Ausbruch nicht sehr gut verstehen, werden wir Schwierigkeiten haben, das Problem im Hinblick auf die Übertragungsdynamik, die Schwere der Krankheit und die Risikofaktoren der Krankheit anzugehen“, so der Experte. „Und ich mache mir Sorgen darüber, dass das Virus offenbar mutiert und neue Stämme hervorbringt.“

Laut Ogoina habe es mindestens fünf Jahre gedauert, bis sich die Mpox-Klade IIb in seinem Heimatland Nigeria – wo bereits 2017 eine Mpox-Übertragung von Mensch zu Mensch festgestellt wurde – so weit entwickelt hat, um sich ernsthaft unter Menschen ausbreiten zu können. Die Klade lb habe das Gleiche in weniger als einem Jahr geschafft. Laut WHO ist es alleine 2024 im Kongo zu mehr als 18.000 Fällen der Gruppen I und Ib gekommen – darunter mindestens 615 Todesfälle.

Noch keine Mpox-Fälle der Klade I in Deutschland nachgewiesen

In Deutschland wurde noch kein Mpox-Fall durch die Klade I nachgewiesen, wie das RKI erklärt. Demnach gehe das Institut weiterhin nicht von einer erhöhten Gefährdung in Deutschland aus. Jedoch würden die Fachleute die Situation sehr genau beobachten und gegebenenfalls die Risikoeinschätzung anpassen.

Deshalb ergeben sich für die deutsche Bevölkerung aus der Bedrohungslage durch Mpox derzeit keine Maßnahmen im medizinischen Sinne. Es wird damit gerechnet, dass die bereits vorhandenen Impfstoffe auf gegen Klade I wirken sollen, auch wenn ein Impfstoff-Mangel bei Mpox drohen könnte. (bk)

Rubriklistenbild: © Zanem Nety Zaidi/dpa

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