Warum ankerte die Yacht?

„Fahrlässigkeit“: Wetterexperte Kachelmann wütet über Bootsunglück in Italien

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Weshalb befand sich die Yacht „Bayesian“ bei Sturm vor der Küste Siziliens? Weshalb konnte sie nicht handeln? „Fahrlässigkeit“, vermutet Jörg Kachelmann.

Palermo – „Wir haben es nicht kommen sehen“, das ist bislang der einzige Satz von „Bayesian“-Kapitän James Catfield. Nach dem tragischen Yacht-Unglück vor Sizilien stellt sich vor allem eine Frage: Wie konnte das Segelschiff vom Tornado derart überrascht werden. Unklar, warum es beim Unwetter eine halbe Seemeile vor der Küste geankert hat.

Yacht „Bayesian“ in wenigen Augenblicken vor Sizilien gesunken – Kachelmann sicher: „Niemand wurde überrascht“

Ein Video zeigt, wie schnell die „Bayesian“ unterging, als sie vom Sturm getroffen wurde. In nicht einmal 120 Sekunden war das Boot versunken. „Es ging alles sehr schnell“, sagt auch der deutsche Kapitän Karsten Börner. Er war mit der „Sir Robert Baden Powell“ in unmittelbarer Nähe, rettete die 15 Überlebenden vor dem Ertrinken.

Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien

Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank.
Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank. © Vigili del Fuoco
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden.
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden. © Lucio Ganci/picture aliiance/dpa/AP
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado.
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado. © BAIA Santa Nicolicchia
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.  © Igor Petyx/Imago
Rettungskräfte bergen die Leiche eines der Opfer des unter britischer Flagge fahrenden Schiffes „Bayesan“. Es handelt sich laut Medienberichten um den Koch des Urlauberschiffs. Sechs weitere Menschen bleiben vermisst.
Rettungskräfte bergen die Leiche eines der Opfer des unter britischer Flagge fahrenden Schiffes „Bayesan“. Es handelt sich laut Medienberichten um den Koch des Urlauberschiffs. Sechs weitere Menschen bleiben vermisst. © Lucio Ganci/picture alliance/dpa/AP
Unter den Vermissten ist laut britischen Medien der Tech-Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „englischer Bill Gates“. Ihm soll die gesunkene Yacht gehört haben.
Unter den Vermissten ist laut britischen Medien der Tech-Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „englischer Bill Gates“. Ihm soll die gesunkene Yacht gehört haben. © BEN GURR/ POOL/AFP
Tauchteams suchen nach der versunkenen Yacht. Laut Feuerwehr liegt sie in rund 50 Metern Tiefe. Es wird befürchtet, dass Passagiere während des Unwetters in den Kabinen waren und von den Wassermassen eingeschlossen wurden, als die „Bayesian“ sank.
Tauchteams suchen nach der versunkenen Yacht. Laut Feuerwehr liegt sie in rund 50 Metern Tiefe. Es wird befürchtet, dass Passagiere während des Unwetters in den Kabinen waren und von den Wassermassen eingeschlossen wurden, als die „Bayesian“ sank. © Vigili del Fuoco
Überlebende schildern dramatische Szenen vom Kentern der Luxus-Yacht. Eine Frau berichtet, ihre Tochter sei ihr in den Fluten erst entglitten, doch dann habe sie sie „fest umarmt“ und schließlich wurden beide gerettet. Insgesamt 15 Personen wurden am Morgen von der Küstenwache und freiwilligen Helfern an Land gebracht.
Überlebende schildern dramatische Szenen vom Kentern der Luxus-Yacht. Eine Frau berichtet, ihre Tochter sei ihr in den Fluten erst entglitten, doch dann habe sie sie „fest umarmt“ und schließlich wurden beide gerettet. Insgesamt 15 Personen wurden am Morgen von der Küstenwache und freiwilligen Helfern an Land gebracht.  © Vigili del Fuoco
Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese leitete noch am Montag Untersuchungen zum Bootsunglück vor Palermo ein. Unter anderem wurden die Überlebenden, darunter der Kapitän, vernommen.
Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese leitete noch am Montag Untersuchungen zum Bootsunglück vor Palermo ein. Unter anderem wurden die Überlebenden, darunter der Kapitän, vernommen.  © Vigili del Fuoco
Derweil geht die Suche nach den Vermissten weiter. Mit jeder Stunde schrumpft allerdings die Hoffnung der Feuerwehr, Menschen lebend zu finden. Es bleibt, auf kleine Wunder zu hoffen.
Derweil geht die Suche nach den Vermissten weiter. Mit jeder Stunde schrumpft allerdings die Hoffnung der Feuerwehr, Menschen lebend zu finden. Es bleibt, auf kleine Wunder zu hoffen. © Vigili del Fuoco
Das ist das letzte Foto der „Bayesian“, bevor sie am Montagmorgen bei einem Unwetter vor Sizilien versank. Am Abend zuvor hatte die Urlaubsgruppe an Bord noch eine Party gefeiert. Ein Barkeeper aus Bagheria fotografierte das hell erleuchtete Schiff am Sonntagabend gegen 22 Uhr.
Das ist das letzte Foto der „Bayesian“, bevor sie am Montagmorgen bei einem Unwetter vor Sizilien versank. Am Abend zuvor hatte die Urlaubsgruppe an Bord noch eine Party gefeiert. Ein Barkeeper aus Bagheria fotografierte das hell erleuchtete Schiff am Sonntagabend gegen 22 Uhr. © Fabio la Bianca
Die Suche nach dem britischen Technologiemagnaten Mike Lynch geht weiter, nachdem die „Bayesian“ vor Sizilien gesunken ist. Italienische Rettungskräfte, die Feuerwehr und die Küstenwache sind im Einsatz. Hubschrauber unterstützen die Suche auf Hochtouren.
Die Suche nach dem britischen Technologiemagnaten Mike Lynch geht weiter, nachdem die „Bayesian“ vor Sizilien gesunken ist. Italienische Rettungskräfte, die Feuerwehr und die Küstenwache sind im Einsatz. Auch Hubschrauber unterstützen die Suche. © Fotogramma/IPA/ABACAPRESS/IMAGO
Die Leichen von fünf der bislang sechs Vermissten nach dem Yacht-Unglück wurden im Wrack entdeckt. Vier Körper konnten am Mittwoch (21. August) geborgen werden. Dabei handelt es sich um zwei Ehepaare.
Die Leichen von fünf der bislang sechs Vermissten nach dem Yacht-Unglück wurden im Wrack entdeckt. Vier Körper konnten am Mittwoch (21. August) geborgen werden. Dabei handelt es sich um zwei Ehepaare. © Jonathan Brady/dpa
Der fünfte Leichensack wird im Hafen von Porticello von Rettungskräften an Land gebracht, die nach den sechs Touristen suchen, die vermisst werden, nachdem die Luxusyacht Bayesian am Montag in einem Sturm gesunken war, während sie etwa eine halbe Meile vor der sizilianischen Küste festgemacht hatte.
479004340.jpg © Jonathan Brady/picture alliance/dpa
Das Aufgebot der Einsatzkräfte vor der Küste von Palermo war enorm. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich unter anderem so schwierig, weil den Tauchern am Grund nach dem Abtauchen in 50 Meter Tiefe nur zehn Minuten zum Arbeiten blieben. Ein Tauchroboter unterstützte.
479037496.jpg © Salvatore Cavalli/picture alliance/dpa/AP
Ein Boot mit einem Tauchteam macht sich am vierten Tag der Such- und Bergungsaktion auf den Weg zur Bayesian. Eine weitere Leiche wurde geborgen. Vermutlich handelt es sich um den britischen Milliardär Mike Lynch oder dessen 18-jährige Tochter.
Ein Boot mit einem Tauchteam machte sich am vierten Tag der Such- und Bergungsaktion auf den Weg zur Bayesian. Eine weitere Leiche wurde geborgen. Vermutlich handelt es sich um den britischen Milliardär Mike Lynch oder dessen 18-jährige Tochter. © Jonathan Brady/dpa

Wurden Crew und Passagiere einer Luxusyacht im Schlaf vom Unwetter überrascht? Mit dieser Erklärung will sich Wetterexperte Jörg Kachelmann nicht zufriedengeben. „Nein, es hat natürlich niemand geschlafen und nein, nichts kam ‚überraschend‘“, schreibt der Meteorologe auf X (Twitter).

Kachelmann spricht von „Fahrlässigkeit“ – und vergleicht Bootsunglück vor Sizilien mit Havarie der Costa Concordia

Kachelmann zeigt sich unverständlich, wieso die „Bayesian“ nicht auf das Unwetter vorbereitet war. „Alle Computermodelle haben am Sonntag (18. August, d.R.) starke Gewitter für das Umfeld von Porticello vorhergesagt“, erklärt er. Und schimpft: „Das Ausmaß von Fahrlässigkeit, dass das Schiff dort war, hat schettinske Dimensionen.“

„Schettinske Dimensionen“, damit spielt Kachelmann offensichtlich auf Francesco Schettino an. Der Kapitän, der 2012 für die Havarie der Costa Concordia verantwortlich gemacht wurde. Bekannt wurde er als „Kapitän Feigling“, weil er das Kreuzfahrtschiff als einer der Ersten verließ, nachdem es unter seiner Leitung gegen einen Felsen geschrammt war. Insgesamt starben 32 Menschen, Schettino wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Wetter-Daten zeigen Unwetter über Palermo – hätte „Bayesian“-Crew vor Tornado reagieren können?

Und selbst wenn die Crew sich „geweigert“ habe, die Wettervorhersagen anzusehen, hätte sie lange vor dem Unwetter wach werden müssen, vermutet Kachelmann. Gegen 2.45 Uhr brachen laut Wetterdaten die ersten Gewitter vor Palermo los. „Noch genug Zeit, alles für den Super-GAU bereits zu machen, den es zweifellos geben wird“, so der Meteorologe.

Um 2.45 ereignete sich laut Wetterdaten das erste Gewitter bei Palermo: Die Yacht „Bayesian“ hätte auf das Unwetter vorbereitet gewesen sein müssen, meint Jörg Kachelmann.

In einigen Medienberichten heißt es, die „Bayesian“ habe die Anker nicht rechtzeitig lösen können. Das hat bei Unwetter fatale Folgen. So auch die Lage in Ufernähe. „Auf dem offenen Meer kann ein Schiff extreme Wettersituationen grundsätzlich besser abwettern als dicht unter Land, wo im flacheren Wasser Wellen eher brechen und das Schiff gefährden“, sagt Bootsbauer Jan Maas der FAZ. Bei IPPEN.MEDIA erklärt Tiefsee-Experte Philippe Epelbaum, zum Zwei-Minuten-Untergang der „Bayesian“ könnte durchaus eine große Welle geführt haben, die zu große Wassermassen an Bord gespült hat.

Warum ist die Yacht vor Sizilien gesunken? Kachelmann hofft auf „Staatsanwalt, der sich mit fahrlässiger Tötung auskennt“

Für Kachelmann genügt es offenbar nicht, von einem Unwetter-Unglück vor Sizilien zu sprechen. Er mahnt: „Es ist auf einen Staatsanwalt zu hoffen, der sich mit fahrlässiger Tötung auskennt und hilft, dass sowas nicht mehr wieder passiert. Es hätte nie passieren dürfen.“ Mindestens ein Mann starb, sechs Personen bleiben weiterhin vermisst. Darunter der britische Tech-Milliardär Mike Lynch. (moe)

Rubriklistenbild: © Vigili del Fuoco/Kachelmannwetter

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