„Fahrlässigkeit“: Wetterexperte Kachelmann wütet über Bootsunglück in Italien
VonMoritz Bletzinger
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Weshalb befand sich die Yacht „Bayesian“ bei Sturm vor der Küste Siziliens? Weshalb konnte sie nicht handeln? „Fahrlässigkeit“, vermutet Jörg Kachelmann.
Palermo – „Wir haben es nicht kommen sehen“, das ist bislang der einzige Satz von „Bayesian“-Kapitän James Catfield. Nach dem tragischen Yacht-Unglück vor Sizilien stellt sich vor allem eine Frage: Wie konnte das Segelschiff vom Tornado derart überrascht werden. Unklar, warum es beim Unwetter eine halbe Seemeile vor der Küste geankert hat.
Yacht „Bayesian“ in wenigen Augenblicken vor Sizilien gesunken – Kachelmann sicher: „Niemand wurde überrascht“
Ein Video zeigt, wie schnell die „Bayesian“ unterging, als sie vom Sturm getroffen wurde. In nicht einmal 120 Sekunden war das Boot versunken. „Es ging alles sehr schnell“, sagt auch der deutsche Kapitän Karsten Börner. Er war mit der „Sir Robert Baden Powell“ in unmittelbarer Nähe, rettete die 15 Überlebenden vor dem Ertrinken.
Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien
Wurden Crew und Passagiere einer Luxusyacht im Schlaf vom Unwetter überrascht? Mit dieser Erklärung will sich Wetterexperte Jörg Kachelmann nicht zufriedengeben. „Nein, es hat natürlich niemand geschlafen und nein, nichts kam ‚überraschend‘“, schreibt der Meteorologe auf X (Twitter).
Kachelmann spricht von „Fahrlässigkeit“ – und vergleicht Bootsunglück vor Sizilien mit Havarie der Costa Concordia
Kachelmann zeigt sich unverständlich, wieso die „Bayesian“ nicht auf das Unwetter vorbereitet war. „Alle Computermodelle haben am Sonntag (18. August, d.R.) starke Gewitter für das Umfeld von Porticello vorhergesagt“, erklärt er. Und schimpft: „Das Ausmaß von Fahrlässigkeit, dass das Schiff dort war, hat schettinske Dimensionen.“
„Schettinske Dimensionen“, damit spielt Kachelmann offensichtlich auf Francesco Schettino an. Der Kapitän, der 2012 für die Havarie der Costa Concordia verantwortlich gemacht wurde. Bekannt wurde er als „Kapitän Feigling“, weil er das Kreuzfahrtschiff als einer der Ersten verließ, nachdem es unter seiner Leitung gegen einen Felsen geschrammt war. Insgesamt starben 32 Menschen, Schettino wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.
Wetter-Daten zeigen Unwetter über Palermo – hätte „Bayesian“-Crew vor Tornado reagieren können?
Und selbst wenn die Crew sich „geweigert“ habe, die Wettervorhersagen anzusehen, hätte sie lange vor dem Unwetter wach werden müssen, vermutet Kachelmann. Gegen 2.45 Uhr brachen laut Wetterdaten die ersten Gewitter vor Palermo los. „Noch genug Zeit, alles für den Super-GAU bereits zu machen, den es zweifellos geben wird“, so der Meteorologe.
Um 2.45 ereignete sich laut Wetterdaten das erste Gewitter bei Palermo: Die Yacht „Bayesian“ hätte auf das Unwetter vorbereitet gewesen sein müssen, meint Jörg Kachelmann.
In einigen Medienberichten heißt es, die „Bayesian“ habe die Anker nicht rechtzeitig lösen können. Das hat bei Unwetter fatale Folgen. So auch die Lage in Ufernähe. „Auf dem offenen Meer kann ein Schiff extreme Wettersituationen grundsätzlich besser abwettern als dicht unter Land, wo im flacheren Wasser Wellen eher brechen und das Schiff gefährden“, sagt Bootsbauer Jan Maas der FAZ. Bei IPPEN.MEDIA erklärt Tiefsee-Experte Philippe Epelbaum, zum Zwei-Minuten-Untergang der „Bayesian“ könnte durchaus eine große Welle geführt haben, die zu große Wassermassen an Bord gespült hat.
Warum ist die Yacht vor Sizilien gesunken? Kachelmann hofft auf „Staatsanwalt, der sich mit fahrlässiger Tötung auskennt“
Für Kachelmann genügt es offenbar nicht, von einem Unwetter-Unglück vor Sizilien zu sprechen. Er mahnt: „Es ist auf einen Staatsanwalt zu hoffen, der sich mit fahrlässiger Tötung auskennt und hilft, dass sowas nicht mehr wieder passiert. Es hätte nie passieren dürfen.“ Mindestens ein Mann starb, sechs Personen bleiben weiterhin vermisst. Darunter der britische Tech-Milliardär Mike Lynch. (moe)
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