Verdachtsfälle in Deutschland

Gefährliches Marburg-Virus in Hamburg? Was bekannt ist – und was nicht

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Ein berüchtigtes Virus könnte wieder in Deutschland sein. Am Mittwoch sind zwei möglicherweise Infizierte aus Ruanda in Hamburg eingetroffen. Nun werden sie untersucht.

Hamburg – In Hamburg herrscht Besorgnis vor der potenziellen Ausbreitung des lebensbedrohlichen Marburg-Virus. Nachdem ein mitte-20-jähriger Medizinstudent und seine weibliche Begleitung am Mittwochabend von einem Aufenthalt in Ruanda zurückgekehrt waren, wurden sie von medizinischem Personal noch am Hamburger Hauptbahnhof isoliert und anschließend untersucht. Grund ist der Verdacht, die beiden könnten sich im ostafrikanischen Binnenland mit dem gefährlichen Marburg-Virus angesteckt haben. Noch ist dabei aber vieles unklar.

Medizinstudent könnte sich in Krankenhaus in Ruanda mit dem Marburg-Virus angesteckt haben

In Ruanda hat der Mann in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem unter anderem mit dem Marburg-Virus infizierte Patientinnen und Patienten behandelt worden waren, meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Am Mittwoch brachen die beiden von Ruanda aus per Flugzeug nach Deutschland auf, mit Zwischenstopp im äthiopischen Addis Abeba. Nach ihrer Ankunft am Frankfurter Flughafen reisten sie mit dem ICE nach Hamburg weiter.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Weil der 27-jährige Medizinstudent befürchtete, sich mit einer tropischen Krankheit infiziert zu haben, kontaktierte er Ärztinnen und Ärzte in Hamburg telefonisch. Daraufhin sperrte die Bundespolizei die Bahngleise sieben und acht am Hauptbahnhof zwischenzeitlich ab. Die Feuerwehr rückte mit einem Rettungsfahrzeug für potenzielle Infektionsfälle an und brachte die beiden in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR).

Untersuchungsergebnisse der Marburg-Virus-Verdachtsfälle stehen noch aus

Im UKE wurden die beiden in einen Spezialbereich für hochkontagiöse Infektionserkrankungen gebracht. Angaben der Feuerwehr zufolge beklagte der Mann, an grippeähnlichen Symptomen sowie an leichter Übelkeit zu leiden. Anzeichen auf Fieber lägen aktuell aber nicht vor. Die Koordination für eine möglichst schnelle Diagnostik hat die für solche Fälle eingerichtete Fach- und Reaktionsgruppe Seuchenschutz des öffentlichen Gesundheitsdienstes übernommen.

Das Untersuchungsergebnis steht gegenwärtig noch aus. Für gewöhnlich aber können viele Infektionskrankheiten innerhalb von 24 Stunden diagnostiziert werden. Im betreffenden Fall wird mit einem Ergebnis im Laufe des Donnerstags gerechnet, berichtet der NDR unter Berufung auf die Sozialbehörde.

Unklar ist auch noch, ob die beiden Verdachtsfälle auf ihrer Rückkehr von Ostafrika nach Deutschland möglicherweise weitere Menschen mit dem Marburg-Virus infiziert haben. Im ICE von Frankfurt nach Hamburg befinden sich der Deutscher Bahn zufolge durchschnittlich 275 Reisende. Die Kontaktdaten der Passagiere, die eventuell Kontakt zu den beiden, wurden laut Hamburger Behörde vorsorglich aufgenommen.

Was ist das Marburg-Virus und wie gefährlich ist es für Betroffene?

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gab es seit fast 60 Jahren keine Marburg-Virus-Infektion in Deutschland, der letzte dokumentierte Fall lag im Jahr 1967 vor. Der Erreger trägt den Namen der deutschen Stadt, weil sich dort zu jenem Zeitpunkt eine Gruppe Laborangestellter mit dem bis dahin unbekannten Virus durch Kontakt mit Versuchsaffen infiziert hatten.

So gefährlich ist das Marburg-Virus

Das Marburg-Virus gehört zur Gruppe der sogenannten Filoviridae (wie u.a. das Ebola-Virus). Es kann ein schweres klinisches Krankheitsbild mit Symptomen eines hämorrhagischen Fiebers hervorrufen. Die Mortalität ist vergleichsweise hoch. Das Marburg-Virus kann hohes Fieber und Symptome wie Muskelschmerzen, Bauchkrämpfe, Durchfall und blutiges Erbrechen verursachen. Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge starben infolge bisheriger Ausbrüche 24 bis 88 Prozent der Erkrankten. 

Menschen stecken sich nicht über die Luft mit dem Marburg-Virus an, sondern durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten der Infizierten, wie etwa durch Kontakt mit Blut. Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 21 Tage. Eines der Reservoirs und ein Überträger für das Marburg-Virus ist laut Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Nilflughund. Dabei handelt es sich um ein fruchtfressendes Fledertier, das weitverbreitet im afrikanischen Sub-Sahara-Gebiet bis nach Vorderasien und der südlichen Türkei vorkommt. (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Bodo Marks

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