VonRobin Dittrichschließen
Die Region zittert nach dem starken Beben in der Türkei vor weiteren Erschütterungen. Fachleute warnen sogar vor einem potenziellen Tsunami in naher Zukunft.
Istanbul – Über 200 Menschen wurden bei dem Erdbeben in der Region um Istanbul verletzt. Bei dem Beben der Stärke 6,2 blieben größere Schäden aber bislang aus – einige Expertinnen und Experten befürchten ein zerstörerisches Szenario aber in den kommenden Jahren.
Erdbeben in Istanbul: Erdbebenexperte fürchtet Tsunami in der Türkei
Der japanische Erdbebenexperte Yoshinori Moriwaki warnte nach dem schweren Beben vor weiteren Problemen in der türkischen Metropole Istanbul. Wie er beim TV-Sender Haber Türk angab, wären 50 Prozent der Gebäude in Istanbul bei einem sehr starken Erdbeben gefährdet. Käme es in der Region zu einem noch schwereren Erdbeben, könnte sogar ein Tsunami mit drei Meter hohen Wellen drohen, warnte der Seismologe.
Die Frage, ob es zu einem großen Beben der Stärke 7 oder höher kommen wird, scheint sich nicht zu stellen – es geht eher um das Wann. Laut Moriwaki liegt die Wahrscheinlichkeit auf ein solches Beben in den nächsten 30 Jahren bei 60 Prozent. „Erdbeben in der Türkei und auch Japan kommen immer wieder, also sollten wir bereit sein. Wir müssen im öffentlichen Leben, in Schulen, zu Hause vorbereitet sein, dann können wir die Schäden um 70 Prozent verringern“, forderte er. In Japan kam es im vergangenen Jahr zu einem starken Erdbeben mit Tsunami-Wellen.
Fachleute halten Erdbeben der Stärke 7,4 in der Türkei für möglich
Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA teilte auch das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) die Befürchtungen von Moriwaki. „Wir sehen es sehr ähnlich. Wir beobachten die Situation sehr genau und halten zwei Szenarien für möglich“, heißt es. Auf der einen Seite könne es passieren, dass sich die gesamte Region erst einmal beruhige und die Seismizität langsam abklinge. „Die durch das Beben erzeugten Spannungsumlagerungen können die Wahrscheinlichkeit für ein größeres Erdbeben in der Region aber auch erhöhen.“
Wie das GFZ weiter angibt, hätten sich seit dem letzten schweren Beben des Jahres 1766 hohe Spannungen in der Region südlich von Istanbul angestaut. „Diese Energie wird sich in absehbarer Zukunft in Form eines noch stärkeren Bebens mit einer möglichen Magnitude bis zu 7,4 entladen“, wird eindringlich gewarnt. „Das jetzige Beben hat ein solches starkes Beben wahrscheinlicher gemacht.“
Auch einen Tsunami, vor dem Seismologe Yoshinori Moriwaki gewarnt hat, hält das GFZ für alles andere als ausgeschlossen. „Sollte es zu einem Beben mit einer Magnitude über 7 kommen, ist ein Tsunami in der Marmara-See in der Tat nicht ausgeschlossen.“ Über die Wellenhöhe könne allerdings keine gesicherte Aussage getroffen werden. Obwohl seit Jahren vor schweren Erdbeben in der Region gewarnt wird, gilt die Metropole am Bosporus mit knapp 16 Millionen Einwohnern als nicht erdbebensicher. Einige Fachleute befürchten zukünftig unzählige Tote. (rd/dpa)
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