- VonBettina Menzelschließen
Lang anhaltende Regenfälle brachten einen bisher einmaligen Fund in den Dolomiten ans Licht. Teil des Erfolgs war eine neue Technik der Forschenden.
Aldein – Die Dolomiten zählen zum UNESCO-Welterbe – wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung für die Geologie. In der felsigen Gegend hatte man in der Vergangenheit bereits 260 Millionen Jahre alte Fossilien und versteinerte Saurierfährten entdeckt. Forschende machten sich in der vergangenen Woche im Geoparc Bletterbach in Italien auf die Suche nach neuen Erkenntnissen – und wurden fündig.
Nach Regen in den Alpen: Italien-Gebirge offenbart nach Regen bisher einmaligen Fund
Der Juni war überdurchschnittlich nass in Südtirol: Bis zu 30 Prozent mehr Regen als üblich fiel nach Angaben des Landesamts für Meteorologie und Lawinenwarnung im vergangenen Monat. Genau das brachte nun offenbar die Wissenschaft einen Schritt weiter, wenn auch nur zufällig. Ein Forschungsteam um die Paläontologin Evelyn Kustascher vom Naturmuseum Bozen und weitere Fachleute der Universität Padova und der Universität Venedig waren für Untersuchungen im Geoparc Bletterbach unterwegs, einem Ort, in dem sich Millionen Jahre Erdgeschichte wiederfinden.
Eigentlich wollten die Forschenden eine moderne Analysetechnik ausprobieren. „Die Funde wurden aber beiläufig gemacht, als ein Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in der Schlucht war, um die multispektrale Analyse zu testen“, teilte eine Sprecherin des Geoparc Bletterbach auf Anfrage von IPPEN.MEDIA mit. Ähnlich zufällig waren auch Forschende in Jerusalem über eine Entdeckung in der Grabeskirche gestolpert.
„Es ist erstaunlich“: Geologe von neuen Fossilien-Funden in den Alpen überrascht
„In diesem Jahr gab es in Südtirol besonders viel Regen, wodurch sich Gesteinsblöcke in der Bletterbachschlucht vom Hang gelöst haben und ins Tal gestürzt sind. Unter anderem fanden sich darauf erstmals Lagen mit dicken Ästen und Baumstämmen, die wohl vor etwa 260 Millionen Jahren im Rahmen eines Hochwassers zusammen geschwemmt wurden und sich bis heute erhalten haben“, teilte die Paläontologin Kustatscher mit.
Derartig große Baumstämme und Aststrukturen seien bislang im Bletterbach noch nie in einer Schicht gefunden worden, erklärte die Forscherin Kustatscher die Bedeutung des Funds. „Es ist erstaunlich, wie die Bletterbachschlucht immer wieder mit neuen Fossilien überrascht“, betonte auch der Präsident des Geoparc Bletterbach, Peter Daldos, in einer Pressemitteilung vom Montag. Auch auf einer Insel im Ärmelkanal tauchen immer wieder bedeutende Artefakte auf, im „Miniatur-Pompeji“ allerdings meist menschliche Spuren.
Entdeckung in den Alpen: Was die fossilen Funde und die neue Technik bedeuten
Die eigentliche Mission der Forschenden: Das Gestein der Dolomiten mithilfe der sogenannten multispektralen Analysen zu untersuchen. Diese Technik kann nicht nur normales Licht, sondern auch Infrarot oder ultraviolettes Licht analysieren. Damit lassen sich im Gestein beispielsweise versteckte Fossile entdecken, die dem bloßen Auge verborgen bleiben würden. „Da unterschiedliche Materialien Licht bei verschiedenen Wellenlängen reflektieren und absorbieren, kann man anhand der Reflexionssignaturen unterschiedliche Materialien voneinander unterscheiden“, erklärt die Paläontologin Kustatscher.
Der Vorteil dieser Technik: In Zukunft könnte sich damit viel Zeit und Planungsarbeit einsparen lassen, indem die Forscher „gezielt an erfolgversprechenden Stellen nach Fossilien graben und mit relativ großer Wahrscheinlichkeit qualitativ hochwertiges Material mit ins Labor nehmen und dann auch für das breitere Publikum ausstellen“, teilte Kustatscher weiter mit. Gleichzeitig können die multispektralen Aufnahmen direkt digital gespeichert werden und stehen so für weitere Analysen zur Verfügung. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass sich wissenschaftlich verwendbare Aufnahmen der von Regen vom Hang gelösten Gesteinsblöcke machen ließen, bestätigte die Paläontologin und betonte die Bedeutung dieser Technik: „Zumal es unmöglich ist, diese Blöcke heil aus der Schlucht zu bergen und die Erosion freilich tagtäglich ihr zerstörerisches Werk fortführt.“
Die Multispektralkamera habe man an den neu gefundenen Fossilien ausprobiert, um die Signatur dieser Pflanzenfossilien dann auch in den Gesteinswänden wiederzufinden. „Ob es funktioniert hat, wird sich in ein paar Wochen zeigen, wenn die digitalen Datensätze vollständig ausgewertet sind“, erklärt die Paläontologin. Er ist in den nächsten Monaten wird sich also zeigen, ob und wie spektrale Aufnahmen im Dolomiten UNESCO-Welterbe Bletterbach in Zukunft eingesetzt werden können.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Südtirolfoto
