- VonKristina Geldtschließen
Eine Mutation des Mpox-Erregers macht sich in Afrika breit. Die WHO hat deswegen einen internationalen Notstand ausgerufen. Erste Infektionen in Europa sind bereits dokumentiert.
München – Die deutlich ansteckendere Klade I-Variante der Mpox, auch Affenpocken genannt, breitet sich in Afrika aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deswegen am Mittwoch (15. August) eine „gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“ ausgerufen. Mittlerweile wurde auch in Europa der erste Fall mit der neuen Variante bestätigt. Eine Ausbreitung in Deutschland sei laut Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit aber nicht wahrscheinlich.
Internationale Notlage wegen Mpox-Variante: Keine Gefahr für Ausbreitung in Deutschland
Das Mpox-Virus ist eine von infizierten Tieren auf den Menschen übertragbare virale Infektionskrankheit, informiert das RKI auf seiner Website. Bei Menschen erfolge eine Übertragung der Variante Klade IIb bei engem Körperkontakt, beispielsweise beim Geschlechtsverkehr. Ein Risiko bestehe vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben.
Anders als Menschenpocken, verlaufe eine Infektion mit Mpox milder und heile von alleine wieder ab. Dennoch seien auch schwere Verläufe und seltene Todesfälle nicht auszuschließen. Zu den Symptomen zählen pockenartige Pusteln auf der Haut, Fieber und Gliederschmerzen. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung erklärt, dass Menschenpocken eine hochansteckende und lebensgefährliche, von Viren ausgelöste Infektionskrankheit ist und 1980 für ausgerottet erklärt wurde.
Laut einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur warnt die EU-Gesundheitsbehörde ECDC nun, zwei Tage nach Ausruf der Notlage, die EU-Staaten, dass weitere Infektionsfälle zu erwarten seien. Die WHO befürchtete im Dezember 2023 bereits eine Ausbreitung der Krankheit. Nach Aufruf der WHO meldet Pakistan nach Angaben der Agentur einen ersten Mpox-Fall. Bisher sei noch unklar, um welche Variante es sich bei der Infektion handelt. China habe die Grenzkontrollen zum Schutz vor dem Virus verstärkt. Schweden hat die erste Infektion mit der Variante Klade I in Europa gemeldet.
Wie aber steht es um eine Ausbreitung in Deutschland? Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) habe das Risiko für Europa Ende Juli 2024 als „sehr gering“ eingestuft. Das schreibt das RKI, das ebenfalls von keiner erhöhten Gefährdung ausgehe. „Mpox stellen für unsere Bevölkerung momentan keine große Gefahr dar“, sagt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hierzu.
Risiko „sehr niedrig“: Fälle in Deutschland im ein- bis zweistelligen Bereich
In Deutschland habe es bisher ausschließlich Infektionen mit der Klade IIb-Variante gegeben. Das RKI teilt mit, dass die Mpox-Variante Klade IIb im Mai 2022 erstmals in Deutschland registriert wurde. Im Herbst 2022 seien die Fallzahlen gesunken. Im Frühjahr 2023 seien zunächst keine Fälle mehr aufgetaucht, seit Sommer bewegen sich die Zahlen im ein- bis niedrigen zweistelligen Bereich im Monat. Todesfälle habe es in Deutschland bisher nicht gegeben. Es werde aber mit weiteren Infektionen in Deutschland gerechnet.
„Deutschland hat den ersten Ausbruch der damaligen Mpox-Variante im Jahr 2022 erfolgreich in den Griff bekommen. Wir verfolgen die Lage trotzdem weiterhin aufmerksam und sind vorbereitet, falls sich die Lage ändert.“
2024 stieg die Verbreitung der Variante Klade I des Mpox-Virus in mehreren afrikanischen Staaten an. Dies sei ausschlaggebender Grund dafür, dass die WHO einen internationalen Notstand ausgerufen hat. Unterschiede in der Diagnostik und Behandlung gebe es zwischen beiden Varianten nicht, daher werde davon ausgegangen, dass die verfügbaren Impfstoffe in beiden Fällen wirken. Der Impfstoffhersteller Bavarian Nordic verfüge nach eigenen Angaben über mehr als 500.000 Impfdosen und könne bis 2025 zehn Millionen davon produzieren, berichtet die dpa.
Gegen beide Varianten wirksam: Risikogruppen wird empfohlen, sich impfen zu lassen
„Wichtig ist, dass die eingesetzten Impfstoffe und Therapeutika auch gegen diese Variante wirken“, sagte Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck in einem Bericht zur Mpox-Notlage gegenüber IPPEN.MEDIA. Auch er hält die Gefahr einer Ausbreitung in Deutschland für niedrig, „aber Ärzte sollten vermehrt darauf achten.“ Laut Streeck gehe es aktuell eher um die Eindämmung in Afrika. Dennoch sei es wichtig, dass Ärzte und Gesundheitsbehörden in Deutschland informiert sind und Risikogruppen sich impfen lassen. Insbesondere Kinder oder Personen mit geschwächtem Immunsystem seien einem Risiko von schweren Verläufen ausgesetzt, teilt das RKI mit.
Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, empfiehlt das Institut Hautkontakte zu vermeiden und Ausschläge oder Wunden nicht zu berühren. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sei beim Geschlechtsverkehr deutlich erhöht. Daher könne das Risiko gesenkt werden, indem Personen die Zahl ihrer Sexpartner:innen reduzieren und Kondome verwenden. Außerdem sei es nach Angaben des Instituts ratsam, Orte, an denen wenig oder keine Kleidung getragen wird, wie Darkrooms und Saunen, zu meiden.
„Wachsam bleiben“: RKI definiert Maßnahmen, um Verbreitung niedrig zu halten
Sollte eine Mpox-Erkrankung feststehen, bestehe eine Arzt- und Labor-Meldepflicht. Bestätigte Krankheitsfälle müssen laut RKI von Ärzt:innen und Laboren gemäß dem Infektionsschutzgesetz innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Dieses übermittele sie an die zuständige Landesbehörde, welche das RKI informiere.
Erkenntnissen des RKI aus dem Schreiben „Handlungsfelder zur mittel- und langfristigen Prävention und Kontrolle von Mpox in Deutschland“ vom Juli 2023 zufolge, seien Übertragungen in Deutschland auf „niedrigem bis sehr niedrigem Niveau mit sporadischen Ausbrüchen“ zu erwarten. In dem Schreiben definiert das Institut, Maßnahmen, um weitere Mpox-Virus-Infektionen gering zu halten. Dazu zählen beispielsweise Impfungen, Aufklärung zur Prävention, Sensibilisierung für mögliche Symptome und Sicherstellung einer frühen Diagnose.
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Virologe Streeck sagt, es sei entscheidend, „dass die öffentlichen Gesundheitsbehörden und die behandelnden Ärzte wachsam bleiben.“ Reisebeschränkungen und Grenzschließungen hingegen funktionieren laut WHO nicht und sollten vermieden werden. (gel/dpa)
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