Krieg in Israel

Nach Entführung von Shani Louk: Cousine bekommt Fake-Nachrichten über Geisel-Aufenthaltsort

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Shani Louk ist die bekannteste deutsche Geisel der Hamas. Ihre Cousine schildert, wie in sozialen Medien mit den Gefühlen der Familie gespielt wird.

Tel Aviv – Wo ist Shani Louk? Und wie geht es ihr? Diese Fragen treiben ihre Familie um, seit die 22-Jährige vor knapp zwei Wochen beim Überfall der Hamas auf Israel von deren Kämpfern in den Gazastreifen verschleppt wurde. Es war der Beginn des Israel-Kriegs.

Die junge Frau feierte auf dem durch den Terrorangriff weltweit bekannt gewordenen Supernova-Festival in der Negev-Wüste. Auf dem Gelände brachte die radikalislamische Hamas sie in ihre Gewalt. Ebenso wie rund 200 weitere Personen im ganzen Land, darunter einige Deutsche.

Shani Louk entführt: Cousine wollte mit ihr zusammenziehen

Cousinen und offenbar auch beste Freundinnen: Tom Weintraub Louk (r.) macht sich Sorgen um die entführte Shani Louk.

Die Ungewissheit über ihr Schicksal ist für die Angehörigen unerträglich. Louks in Ravensburg lebender Onkel Markus Waidmann wandte sich bereits aus Deutschland an die Öffentlichkeit, ihre Mutter Ricarda Louk aus Israel.

Im Stern kommt nun ihre Cousine Tom Weintraub Louk zu Wort, die als Filmemacherin und Fotografin in Tel Aviv lebt (Artikel hinter einer Bezahlschranke). Sie tritt ebenfalls öffentlich auf Pressekonferenzen auf und drängt auf schnelle Hilfe. Die 30-Jährige steht dem Entführungsopfer besonders nahe: „Eigentlich wollten wir bald zusammenziehen. Sie kam mit vielem zu mir, sie wusste, ich urteile über nichts und hat mir deswegen alles erzählt.“

Israel-Krieg: Cousine von Hamas-Geisel schreibt auf Instagram über ihre Gefühle

Auch auf Instagram lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf. „Ein Teil meines Herzens wurde nach Gaza entführt. Ich habe keine Worte, um den Schmerz zu beschreiben“, steht dort. Gemeinsam mit dem Aufruf, ein kleines weißes Herz auszuschneiden, sich anzuheften und davon ein Foto zu machen: „Damit wir, die Familien der Entführten, uns nicht allein fühlen.“

In einem anderen Post fordert Weintraub Louk die israelische Armee auf, mit den Familien der Entführten zu sprechen und Verhandlungen über deren Freilassung aufzunehmen. Unter ihren Nachrichten sammeln sich Beileidsbekundungen und Aufmunterungen. Viele Menschen nehmen Anteil, wünschen Stärke und Durchhaltevermögen.

Fake News über Hamas-Geisel Shani Louk: Auf falschem Twitter-Account wird über ihren Tod geschrieben

Doch es finden sich anscheinend auch in den schwärzesten Stunden noch Personen, die nichts Besseres zu tun haben, als mit den Gefühlen anderer zu spielen. So werde sie von Leuten via Social Media kontaktiert, die Fake News verbreiten würden, verrät Weintraub Louk im Stern: „Als wollten sie uns in den Wahnsinn treiben.“

Falsche Accounts ihrer Cousine würden erstellt, etwa auf Twitter. „Einer hat fälschlicherweise im Namen der Familie geschrieben: ‚Mit tiefem Bedauern informieren wir Sie über die Bestätigung von Shani Louks Ableben. Wir danken all jenen, die die Fotos und Videos geteilt haben, die ihr strahlendes Lächeln festhalten. – die Louk-Familie.‘“

Zudem erhalte sie Nachrichten über den vermeintlichen Aufenthaltsort ihrer Cousine. Einmal habe jemand Geld für entsprechende Informationen verlangt: „Als ich ihm aber kein Geld überwiesen habe und misstrauisch wurde, schrieb er nur: ‚Shani ist sowieso tot. Schon von Anfang an.‘“ Zuvor hatte die englische Boulevardzeitung Sun berichtet, vom Handy von Louks ebenfalls verschlepptem Freund, einem Mexikaner, seien hasserfüllte Botschaften in arabischer Sprache per SMS verschickt worden – mutmaßlich von seinen Entführern.

Shani Louk ist allgegenwärtig: Auch bei einem pro-israelischen Protest in Florida zeigt ein Mann Fotos der deutschen Hamas-Geisel.

Familie von Hamas-Geisel Shani Louk: „Große Hoffnung und tiefste Verzweiflung“

Trotz allem würden die positiven Reaktionen laut Weintraub Louk überwiegen. Unabhängig von all diesen Erfahrungen in den sozialen Medien sagt sie über sich: „Meine Stimmung schwankt ständig von großer Hoffnung, zu tiefster Verzweiflung und Depression.“

Dazu würden sie „immer weiter schreckliche Nachrichten“ erreichen: „Wir haben ein Video gesehen, dass Shani mit einer schweren Kopfverletzung zeigt und wir wissen, dass sie keine medizinische Hilfe bekommt. Das Rote Kreuz hat meines Wissens keinen Zugang zu irgendeiner entführten Person bekommen.“

Schon zuvor war Weintraub Louk überzeugt, dass ihre als Tattoo-Künstlerin arbeitende Cousine in den Gazastreifen verschleppt worden ist. Auf einem kurz nach dem Überfall kursierenden Video habe sie sie zweifellos erkannt, „mit ihren langen Dreadlocks und den Tattoos. In dem Moment habe ich eine Panikattacke bekommen.“ Sie habe es nicht über sich gebracht, den Clip ganz anzuschauen.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Cousine von Hamas-Geisel Shani Louk: Deutschland muss für Verhandlungen eintreten

Hoffnung setzt sie vor allem in Deutschland, wo eben ein Teil der Familie lebt. „Ich habe jedem einzelnen deutschen Minister geschrieben, um Hilfe zu holen“, betont Weintraub Louk: „Deutschlands Stärke ist es, zu verhandeln.“ Dies müsse „noch heute“ geschehen: „Deutschland muss auch Druck auf die USA ausüben, damit sie ihre Verbindungen nutzen.“

Und auch an die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem wendet sie sich. Auch, weil die auf Gewalt mit Gewalt antwortet. „Jetzt bombardiert Israel Gaza. Das könnte auch die Entführten treffen“, warnt die Künstlerin: „Wir Familien wollen eine Antwort auf die eine Frage: Habt ihr die Geiseln aufgegeben? Versucht ihr noch, sie zu retten? Oder müssen wir uns darüber gar keine Illusionen mehr machen? Wenn ihr die Geiseln aufgegeben habt, steht dazu und sagt es uns wenigstens.“

Dann hätte die Familie Gewissheit. Nach zwei Wochen voller Bangen und Hoffen. Schreckliche Gewissheit. (mg)

Rubriklistenbild: © Screenshots Instagram/@bring.shani.back und @tomweintraublouk

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