VonKarolin Schaeferschließen
Kilian Bäumlschließen
Durch einen massiven Gletscherabbruch in der Schweiz hat sich ein künstlicher See gebildet. Die drohende Flut zwingt Gemeinden zum Handeln.
Update vom 31. Mai, 11.49 Uhr: Vorerst ist das Lötschental im Schweizer Kanton Wallis einer weiteren Katastrophe entgangen. Das abgestürzte Eis-, Fels- und Geröllmaterial, das sich im Tal gesammelt hatte, ist stabil. Die zeitweise befürchtete Flutwelle oder eine Gerölllawine sind bislang nicht eingetreten. Der vorsorglich entleerte Stausee an der Lonza in Ferden unterhalb des Katastrophengebiets wieder mit Wasser.
Entwarnung gibt es für die Alpen-Region allerdings noch nicht. Es droht weiterhin ein Murgang. Die Temperaturen in den kommenden Tagen würden die Schneeschmelze beschleunigen, sagte der Walliser Staatsrat Stéphane Ganzer am Samstagmorgen (31. Mai) dem RTS. Zudem wurden heftige Regenfälle angekündigt.
Update vom 31. Mai, 6.27 Uhr: Nach dem Gletschersturz in der Schweiz fließt nun mehr des gefährlich aufgestauten Wassers am Fluss Lonza ab. „Das ist eine gute Nachricht“, sagte Jonas Jeitziner vom Regionalen Führungsstab im Lötschental der Deutschen Presse-Agentur. Seit Tagen ist das Flussbett durch die Schuttmassen blockiert. Der dahinter entstandene See bereitet den Behörden Sorge.
Es könnten sich zwar immer noch Geröll und Eis aus dem gigantischen Schuttberg lösen, es werden aber vorerst keine Konsequenzen für andere Talbewohner befürchtet, so Jeitziner. Es besteht aber weiterhin die Gefahr von neuen Felsabbrüchen oberhalb des Katastrophengebiets. Der Berg ist instabil. Die nächste Lagebeurteilung ist am Samstag (31. Mai) gegen 8 Uhr geplant.
Update vom 30. Mai, 22 Uhr: „Die Lonza, die mittlerweile über die gesamte Länge des Schuttkegels fliest, füllt den vorsorglich entleerten Stausee in Ferden erneut auf“, informiert der Kanton Wallis in einer Pressemitteilung am Freitagabend. Durch die bei dem Gletscherabbruch heruntergebrochenen Massen war der Lauf des Flusses Lonza blockiert. Dieser begann, sich zu einem See aufzustauen. Experten fürchteten eine Flutwelle, sollte das aufgestaute Wasser den Schuttkegel durchbrechen. Zunächst ist es dazu nicht gekommen.
Ganzes Dorf unter Erdmassen – Bilder zeigen dramatisches Ausmaß des Gletschersturzes in der Schweiz




Update vom 30. Mai, 19.31 Uhr: Nach dem Gletscherabbruch in der Südschweiz und der dadurch verursachten Zerstörung des Dorfs Blatten hat sich die Lage nach Ansicht der Behörden zumindest vorläufig entspannt. Wie Vertreter des Kantons Wallis am Freitag vor Journalisten erklärten, ist die Evakuierung weiterer Menschen aus benachbarten Ortschaften derzeit nicht mehr vorgesehen. Von einem seit dem Bergsturz vermissten 64 Jahre alten Mann fehlt indes weiterhin jede Spur.
Nach Katastrophe in Schweizer Alpen-Dorf: Weitere Gletscherstürze möglich
Update vom 30. Mai, 16.22 Uhr: Matthias Bellwald, der Gemeindepräsident von Blatten, beschreibt in einer Pressekonferenz die Situation nach dem Bergsturz mit eindringlichen Worten: „Alles ist weg, was nicht in einer Cloud gespeichert war“. Der Ort habe sich in einen „Ground Zero“ verwandelt. Dennoch bleibe das Lötschental für viele die Heimat. Obwohl die Zukunft von Blatten ungewiss sei, betont Bellwald, dass dies nicht das Ende des Dorfes bedeute. Zunächst müsse eine Bestandsaufnahme erfolgen, ohne dabei Menschen zu gefährden. Der langfristige Blick richte sich auf die Perspektive für das gesamte Tal. Um den Wiederaufbau zu unterstützen, wurde ein Spendenkonto eingerichtet.
Die Dienststelle für Naturgefahren warnt, dass die Gefahr weiterer Gletscherstürze weiterhin besteht. Bei einem Kontrollflug entdeckte man entsprechende Spuren. Positiv bewerten die Experten jedoch den Wasserabfluss: Kleine Bäche führen das Schmelzwasser des Gletschers langsam ab, was als Hoffnungsschimmer gilt. Ein Alarmierungssystem wurde installiert, um bei drohender Gefahr rechtzeitig zu warnen. Christian Studer von der Dienststelle erklärt, dass Fachleute derzeit analysieren, wann die ersten Aufräumarbeiten beginnen können.
Update vom 30. Mai, 15.56 Uhr: Nach dem gewaltigen Bergrutsch in Blatten begann das aufgestaute Wasser am Freitagnachmittag erstmals, sich über den Schuttkegel zu ergießen. Obwohl eine sofortige Überschwemmung ausblieb, bleibt die Situation im Lötschental angespannt. Guillaume Favre-Bulle vom kantonalen Dienst für Naturgefahren erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass das Wasser momentan einen natürlichen Weg durch das Geröll finde, wodurch provisorische Bäche und kleine Seen entstünden.
Die instabile Lage macht einen direkten Einsatz im betroffenen Gebiet weiterhin zu riskant. Der nahe Stausee in Ferden, der vorsorglich geleert wurde, kann bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. In den Gemeinden unterhalb des Bergsturzes werden weiterhin Schutzmaßnahmen ergriffen, wie der Bau von Dämmen in Gampel und Steg. Die Bevölkerung soll sich auf mögliche weitere Evakuierungen vorbereiten.
Update vom 30. Mai, 14.03 Uhr: Die Situation im Lötschental verschärft sich nach dem katastrophalen Bergsturz weiter. Der durch das Abbruchmaterial des Birchgletschers und die Geröllmassen vom Kleinen Nesthorn entstandene See hat fast den oberen Rand des Schuttkegels erreicht und könnte im Laufe des Tages überlaufen. Das Gebiet, einschließlich des Sees, des Flusses Lonza und des Stausees Ferden, wird kontinuierlich überwacht. Dafür wurden Messgeräte installiert.
Am Mittwochnachmittag (28. Mai) begrub ein massiver Felssturz nahezu das gesamte Dorf Blatten. Die Erschütterungen waren so stark, dass der Schweizerische Erdbebendienst (SED) sie registrierte. „Es handelt sich dabei um eine der größten Massenbewegungen, die der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich bislang aufgezeichnet hat. Bereits in den Tagen zuvor hatten die seismischen Messstationen kleinere Felsstürze am Kleinen Nesthorn erfasst“, berichtete die Behörde.
Die aufgezeichneten seismischen Wellen entsprächen einem Erdbeben der Stärke 3,1 und seien auch in größerer Entfernung noch messbar gewesen. Während die Geröllmassen große Teile von Blatten zerstörten, trafen die angestauten Wassermassen einige der verbliebenen Gebäude. Aus Vorsicht wurden auch weitere umliegende Dörfer evakuiert. Die Befürchtung ist groß, dass ein Überlaufen des Sees noch mehr Häuser gefährden könnte.
Nach Gletschersturz in Schweizer Alpen: Flutwelle bedroht Blatten
Update vom 30. Mai, 11.58 Uhr: Nach dem gewaltigen Gletscherabbruch im Schweizer Lötschental am Mittwoch (28. Mai) bleibt die Situation angespannt. Am Freitagvormittag begann erstmals Wasser durch die Geröllbarriere zu fließen, was Hoffnung weckt, dass die befürchtete Flutwelle möglicherweise ausbleibt. Der neu entstandene See hinter den Eis- und Geröllmassen vergrößert sich jedoch weiterhin.
Der kantonale Geologe Raphaël Mayoraz bezeichnete die aktuelle Entwicklung als „relativ günstig“. Trotzdem warnen die Behörden, dass die Gefahr noch nicht vorüber ist. Eine plötzliche Flut könnte nach wie vor ganze Dörfer gefährden. Evakuierungspläne bleiben bestehen, und flussabwärts wurden Schutzdämme errichtet.
Erstmeldung vom 30. Mai, 11.26 Uhr: Blatten – Ein massiver Gletscherabbruch im Süden der Schweiz hat eine dramatische Kettenreaktion ausgelöst. Am Mittwochnachmittag (28. Mai) stürzte ein großer Teil des Birchgletschers im Kanton Wallis ab und riss etwa drei Millionen Kubikmeter Eis und Gestein mit sich ins Tal. Videos dokumentieren das Ausmaß der Verwüstung in den Alpen.
Ganzes Dorf nach Gletschersturz verschüttet: Nächste Gefahr bahnt sich an
Hinter den herabgestürzten Massen hat sich der Fluss Lonza gestaut und einen künstlichen See gebildet. Fachleute befürchten, dass das Wasser bald überlaufen und weitere, bis zu 20 Kilometer entfernte Gemeinden überfluten könnte. Daher werden die Bewohnerinnen und Bewohner einiger Orte evakuiert.
Blatten, ein Ort mit 300 Einwohnern, wurde bereits evakuiert. Nun bereiten sich auch andere Gemeinden in der Nähe, darunter Gampel mit etwa 2000 Einwohnern, auf eine Räumung vor. Die Gemeinden Steg-Hohtenn und Gampel-Bratsch erklären: „Wir fordern die Bewohner auf, persönliche Vorbereitungen zu treffen, um innert möglichst kurzer Zeit die Wohnungen verlassen zu können.“ Bisher wurden insgesamt 365 Personen evakuiert.
Naturkatastrophe in der Schweiz: Klimawandel destabilisiert Gletscher
Die Gemeinden stehen der drohenden Flut des Stausees machtlos gegenüber. Christian Studer von der Dienststelle Naturgefahren des Kantons Wallis wird von der Berliner Morgenpost zitiert: „Unternehmen können wir leider wenig, weil die Sicherheitslage vor Ort es nicht zulässt, dass wir mit schweren Maschinen eingreifen können.“
In Blatten sind die zunächst verschonten Häuser nun ebenfalls durch das steigende Wasser bedroht oder bereits zerstört. Die Gefahr weiterer Murgänge und Flutwellen hält die Lage angespannt. Der Walliser Staatsrat sprach von einem „Worst-Case-Szenario“, bei dem eine Flutwelle des Geröll-Sees bis zum Talboden reichen könnte, hält dies jedoch für eher unwahrscheinlich.
Als wahrscheinlich gilt aber: „Der See, der sich durch das Abbruchmaterial des Birchgletschers und die Geröllmassen vom Kleinen Nesthorn gebildet hat, ist nahezu bis zum oberen Rand des Schuttkegels angestiegen und wird wahrscheinlich im Laufe des Tages überlaufen“, hieß es in einem Lagebericht des Kantons Wallis.
Die Ursache des Unglücks liegt unter anderem im Klimawandel: Steigende Temperaturen führen zum Tauen des Permafrosts und machen Gletscher instabiler. Schweizer Gletscher haben in den letzten zwei Jahren etwa zehn Prozent ihrer Masse verloren, was die Häufigkeit solcher Naturkatastrophen erhöht. Fachleute ziehen bereits Parallelen zur Situation beim Felsabbruch am Piz Cengalo 2017 im Kanton Graubünden, der ebenfalls erhebliche Schäden verursachte. Auch in anderen Alpen-Regionen brechen Berge auseinander. (kiba/AFP)
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