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Michelle Brey
Bjarne Kommnick
Julia Hanigk
Karolin Schaefer
Moritz Bletzinger
Das Schweizer Dorf Blatten wurde wegen eines drohenden Bergsturzes evakuiert, dann brach der Gletscher wegen der Geröllmassen. Jetzt droht auch noch eine Flut.
Update vom 30. Mai, 07.43 Uhr: Hinter dem Schuttkegel des Gletscherabbruchs im Lötschental ist der gestaute Fluss Lonza so bedrohlich angeschwollen, dass die Behörden weitere Gemeinden auf eine Räumung vorbereiten. „Wir fordern die Bewohner auf, persönliche Vorbereitungen zu treffen, um in möglichst kurzer Zeit die Wohnungen verlassen zu können“, teilen die Gemeinden Steg-Hohtenn und Gampel-Bratsch auf ihrer Website mit.
Betroffen sind die Gemeinden Gampel und Steg rund 20 Kilometer unterhalb des verschütteten Dorfes Blatten. Insgesamt wohnen in dem Gebiet mehr als 2000 Menschen, aber der Aufruf gilt nur für die Ortsteile am Talgrund, wie die Gemeinden mitteilen. In der Nähe von Gampel fließt die Lonza in die Rhone. Das Flussbett ist aber nach dem gigantischen Gletscherabbruch durch meterhohe Schuttberge blockiert. Dahinter stauen sich die Wassermassen. Die Behörden hoffen immer noch darauf, dass sich das Wasser einen Weg bahnt und gemächlich abfließt.
Update vom 30. Mai, 07.04 Uhr: Wie der SRF berichtet, stauen sich die Wassermassen weiterhin. Die Lage bleibt allerdings angespannt. Weiterhin drohen Felsen und Gestein abzubrechen, Einsatzkräfte könnten daher nicht mit den Räumungsarbeiten beginnen.
Update vom 30. Mai, 05.17 Uhr: Rund um die verschüttete Gemeinde Blatten wartet man auf die zweite Naturkatastrophe: Nach dem Gletscherabbruch drohe eine Überschwemmung „in den frühen Morgenstunden“. Es gebe mehrere Gefahrenquellen: Der Schuttberg ist instabil, weil er aus Felsbrocken, losem Schutt und Gletschereis besteht, das schon teils geschmolzen sein dürfte. Weder Menschen noch Maschinen wären darauf sicher, so Christian Studer von der Dienststelle Naturgefahren des Kantons Wallis im Schweizer Fernsehen. Gleichzeitig drohten von beiden Seiten des Tals weitere Rutschungen.
Daher wurden laut öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsendern der Schweiz auch Bewohner der Ortschaften Gampel und Steg aufgefordert, Vorbereitungen für eine mögliche Evakuierung treffen. Die beiden Gemeinden befinden sich noch nach den Blatten-Nachbarorten Kippel und Wilder. Die Schweizer Armee sei derzeit mit 53 Personen vor Ort, so Divisionär Raynard Droz. Das Schlimme für alle Anwohner: „Unternehmen können wir leider wenig, weil die Sicherheitslage vor Ort es nicht zulässt, dass wir mit schweren Maschinen eingreifen können“, so Studer.
Kommen die Wassermassen, könnte das weitreichende Konsequenzen haben: Nach Blatten könnte das Wasser weiter ins Tal fließen. Eine Flutwelle würde auf den Staudamm Ferden treffen. Dass dieses Bauwerk standhält – darauf liegen dann alle Hoffnungen.
Update vom 29. Mai, 19.25 Uhr: Die Schweizer Katastrophenbehörden rechnen mit der nächsten besorgniserregenden Entwicklung am Freitagmorgen. Der See, der sich hinter den gigantischen Geröllmassen gebildet hat, dürfe „in den frühen Morgenstunden“ überlaufen. Diese Prognose äußerte Christian Studer von der Dienststelle Naturgefahren im Lötschental gegenüber der dpa. Der Pegelstand steige ständig, die meisten der wenigen übriggebliebenen Gebäude im Dorf Blatten stünden bereits im Wasser.
Update vom 29. Mai, 18.32 Uhr: Nach dem Gletscherabbruch ist die Gefahr im schweizerischen Lötschental nicht gebannt. „Der See hinter den Geröllmassen wird immer höher. Und die Wassermassen drücken auf den Damm. Damit steigt der Druck“, erklärte Christoph Hegg der Schweizer Zeitung Blick. Er ist Geomorphologe von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Er nannte zwei Szenarien für die Wassermassen.
Die Behörden haben indes weitere Häuser geräumt, weil sie die Sicherheit der Einwohner nicht garantieren können. 16 Menschen wurden in den Ortschaften Kippel und Wilder sowie von der Fafleralp in Sicherheit gebracht, wie der regionale Führungsstab Lötschental mitteilte.
Gletscherabbruch in Schweizer Alpen kostet Dorfbewohner die Existenz
Update vom 29. Mai, 16.30 Uhr: Der Gletschersturz in der Schweiz war der Albtraum aller Dorfbewohner. In das Walliser Lötschental donnerten am Mittwochnachmittag drei Millionen Kubikmeter Eis und Geröll. Etwa 90 Prozent des Dorfes Blatten sind verschüttet worden. Viele der 300 Einwohner haben ihre Existenz verloren. „In Sekunden war die ganze Heimat kaputt“, berichtete ein Anwohner.
Update vom 29. Mai, 15.05 Uhr: Der Schock nach dem Gletschersturz in der Schweiz ist groß. Der Abgeordnete Beat Rieder aus der Nachbargemeinde Wiler sprach von einer „Jahrhundertkatastrophe“. Und weiter: „Es ist ein Ereignis, das das Tal seit Beginn der Geschichtsschreibung nie erlebt hat“, sagte er. „Die Leute haben alles verloren, was man sein ganzes Leben aufgebaut hat.“
Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. Der Berg ist weiter instabil. „Auf beiden Talseiten besteht die Gefahr von Murgängen. Auch das im Talboden gelegene Absturzmaterial aus Felsen, Eis und Wasser ist wenig stabil; Murgänge sind auch innerhalb dieser Ablagerung möglich. Dies macht zum jetzigen Zeitpunkt jegliche Intervention im Katastrophengebiet unmöglich“, hieß es in einer Mitteilung aus dem Kanton.
Noch immer gilt ein 64-jähriger Einheimischer nach dem Bergsturz in der Schweiz als vermisst. Wie Blick berichtete, wurde die Suche am Donnerstag zeitweise unterbrochen. Erst nach der Lagebeurteilung der Geologen machten sich die Trupps wieder auf die Suche.
Großteil von Alpen-Ort nach Gletschersturz zerstört
Update vom 29. Mai, 12.42 Uhr: Nach dem Bergsturz in den Schweizer Alpen droht die nächste Katastrophe. Eine Flutwelle bahnt sich an. Im Fluss Lonza hat sich ein meterhoher Damm aus Schutt und Eis gestaut. Dadurch könnte sich der Fluss einschneiden. „Was drohen könnte, wäre, dass der Damm durch dieses Einschneiden instabil wird, dass Teile dieses Dammes mitgerissen werden, dass er kollabiert und dann könnten sehr starke Flutwellen oder Murgänge von diesem Seeausbruch für die Gemeinden, die im unteren Tal liegen, drohen“, erklärte Geologe Flavio Anselmetti dem Schweizer Radiosender SRF.
Ganzes Dorf unter Erdmassen – Bilder zeigen dramatisches Ausmaß des Gletschersturzes in der Schweiz




Update vom 29. Mai, 10.09 Uhr: Das Ausmaß des Gletschersturzes in der Schweiz ist gewaltig. „Auf den ersten Blick sind 90 Prozent des Dorfes unter der Gerölllawine begraben“, erklärte Staatsrat Stéphane Ganzer dem RTS. Videos zeigen, wie die gewaltigen Geröllmassen das Alpen-Dorf begraben. Inzwischen wurden auch weitere Menschen in der Nachbargemeinden von Blatten evakuiert. Wie Blick berichtete, mussten in der Nacht zum Donnerstag (29. Mai) vorsorglich 16 Menschen aus Wiler und Kippel ihre Häuser verlassen.
Nach Gletschersturz in Blatten: Experte befürchtet weitere Gefahr
Update vom 29. Mai, 06.19 Uhr: Nach dem Gletschersturz im Dorf Wallis in der Schweiz ist die Gefahr noch nicht gebannt. Raphaël Mayoraz, ein Naturgefahren-Experte des Kantons Wallis, wies darauf hin, dass die Gefahr für das Tal auch nach dem Gletschersturz noch nicht gebannt sei. Denn durch den Abbruch wurde der Fluss Lonza auf einer Länge von etwa zwei Kilometern stark aufgestaut.
Es könne an der Lonza eine Mure (ein Murgang; Erdrutsch-Strom aus Schlamm und gröberem Gesteinsmaterial, der schnell talwärts fließt) stattfinden, sagte Mayoraz. Das sei angesichts der zuvor geringen Wassermengen im Fluss derzeit nicht sehr wahrscheinlich, sagte er. Dennoch schloss der Experte nicht völlig aus, dass weitere Teilen des Tals evakuiert werden müssten, und dass Überschwemmungen stattfinden könnten.
Die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter drückte den Bewohnern von Blatten ihr Mitgefühl aus. „Es ist schlimm, wenn man seine Heimat verliert“, schrieb sie auf der Plattform X.
Update vom 28. Mai, 22.42 Uhr: Mittlerweile hat die Kantonspolizei Wallis eine Vermisstenmeldung nach dem gigantischen Gletscher-Sturz in Blatten veröffentlicht. Demnach werde ein 64-jähriger Einheimischer vermisst, der sich zum Zeitpunkt des Bergsturzes im betroffenen Gebiet aufhielt. Rettungsspezialisten seien per Helikopter in das Gebiet gebracht wurden, um die vermisste Person zu suchen. Zunächst ohne Erfolg. Die Suche werde fortgesetzt.
Update vom 28. Mai, 20 Uhr: Die Worte von Raphael Mayoraz, Chef der Dienststelle für Naturgefahren, lassen erahnen, wie groß das Ausmaß ist. Er sagte auf der Pressekonferenz: „Jetzt ist der Worst Case geschehen. Die drei Millionen Kubikmeter-Blöcke sind mit dem Gletscher heruntergekommen. Wir kennen kein vergleichbares Ergebnis in der Geschichte.“
Update vom 28. Mai, 19.30 Uhr: Auf einer Pressekonferenz am Mittwochabend bestätigte Matthias Ebener, Chef Information des Regionalen Führungsstabs im Lötschental, dass eine Person nach der Katastrophe als vermisst gilt. Auf Nachfrage eines SFR-Reporters erklärte er: „Das ist korrekt.“ Ob es sich dabei um einen Bewohner aus Blatten handelt, kann er nicht beantworten: „Dazu können wir nichts sagen“, erklärte er vor den Journalisten.
„Wir haben das Dorf verloren“, äußerte zudem der Blattner Gemeindepräsident Matthias Bellwald gegenüber Medienvertretern und sprach gleichzeitig den Bewohnern der Region Mut zu: „Wir alle zusammen machen das Menschenmögliche, damit wir Blatten wiederaufbauen können und das Dorf eine Zukunft hat“.
Update vom 28. Mai, 19.10 Uhr: Der Kanton Wallis hat eine Mitteilung zum Ausmaß des Gletschersturzes veröffentlicht. Darin heißt es: „Ein enormer Teil des Birch-Gletschers oberhalb von Blatten ist abgebrochen und hat einen gewaltigen Erdrutsch ausgelöst.“ Dem Kanton zufolge seien die Schäden „beträchtlich“. Demzufolge wurde ein sehr großer Teil des Dorfes Blatten zerstört. Zudem ist das Flussbett der Lonza verstopft, „wodurch eine erhebliche Gefahr von Stauungen entstand“.
Der Kanton teilt mit: „Um diese Situation zu bewältigen, werden außerordentliche Maßnahmen ergriffen. Die Armee wurde um Unterstützung gebeten, und Truppen des Zivilschutzes wurden eingesetzt.“ Die Bevölkerung wird zudem aufgefordert, sich strikt an die Anweisungen der Behörden zu halten und das betroffene Gebiet nicht zu betreten. Das kantonale Führungsorgan würde die Lage laufend analysieren.
Nach Gletschersturz in Wallis: Kanton fordert Armee-Unterstützung – auch Verkehr betroffen
Weiter heißt es: „Um dieser Situation gerecht zu werden, hat das kantonale Führungsorgan zusätzlich zu den ordentlichen Mitteln mehrere Einsatzmittel mobilisiert. Es hat unverzüglich die Armee um Unterstützung mit Pumpen zur Sicherung des Lonza-Bettes, mit Geräten zur Räumung und Evakuierung von Schutt sowie mit Beleuchtungsmasten für das Katastrophengebiet angefordert.“ Zudem wurden Lufttransporte für den Transport angefordert. Auch der Zivilschutz ist im Einsatz.
Der angrenzende Verkehr ist von dem Gletschersturz ebenfalls betroffen. Die Kantonsstrasse von Goppenstein in Richtung Blatten ist für den gesamten Verkehr gesperrt, ausgenommen für die anwohnende Bevölkerung.
Update vom 28. Mai, 17.20 Uhr: Seit Tagen wurde es erwartet, jetzt ist ein Großteil des Birchgletscher oberhalb des Schweizer Bergdorfes Blatten abgebrochen. Gewaltige Geröllmassen rauschten ins Tal und erreichten die bereits evakuierte Siedlung. Dem regionalen Führungsstab zufolge sollen Teile der 300-Einwohner-Gemeinde verschüttet worden sein. Menschen sind nach erster Einschätzung nicht zu Schaden gekommen. Bereits in der Nacht auf Dienstag (27. Mai) waren größere Mengen an Eis, Fels, Schnee und Wasser niedergegangen.
Dass der Gletscher jetzt nachgegeben hat, war zu erwarten. Der Berg in den Schweizer Alpen bricht auseinander. Immer wieder bröckelte das Kleine Nesthorn. Das Schuttmaterial von rund neun Millionen Tonnen lagerte sich auf dem Gletscher ab. Angesichts der drohenden Gefahr wurde das Dorf bereits vergangene Woche evakuiert.
„Das Unfassbare ist eingetreten. Ein sehr großer Gletscherabbruch ist vor ca. 45 Minuten eingetreten. Ein großer Teil des Dorfes ist betroffen“, gaben die Verantwortlichen der Gemeinde am Nachmittag um 16.30 Uhr in einer Mitteilung bekannt. Gegen 19 Uhr werden weitere Informationen bei einer Pressekonferenz erwartet.
Erstmeldung: Blatten – Alarm in der Schweizer Gemeinde Blatten. Oberhalb des 303-Seelen-Dorfs droht ein gewaltiger Bergsturz. Zwei bis fünf Millionen Kubikmeter Fels könnten dabei ins Tal niedergehen – und dabei ein noch verheerenderes Szenario auslösen.
Alpen-Dorf in der Schweiz wegen Bergsturz-Gefahr evakuiert: Jetzt droht Gletscher-Szenario
Ganzes Alpendorf wegen bevorstehendem Felssturz geräumt – „Lage ist sehr akut“">Das Alpen-Dorf Blatten wurde bereits evakuiert, jetzt könnten weitere Gemeinden gefährdet werden. „Was ist, wenn die Gletschermasse kommt, anstelle des Bergsturzes?“, fragt der Sprecher des regionalen Führungsstabs, Jonas Jeitzinger, im SRF. „Wenn die Masse des Gletschers ins Tal kommt und die Lonza (Fluss im Kanton Wallis d.R.) verstopft, hat das auch Auswirkungen auf die Gemeinden vorne im Tal.“
Denn aktuell tut sich ein Problem auf: Der Berg bröckelt bereits massiv, zehntausende Kubikmeter Geröll gingen bereits nieder. „Die ganzen Abbrüche landen auf dem Gletscher“, stellt Jeitzinger fest. Das ändere die Planung im Gefahrengebiet. Der regionale Führungsstab bereite sich auf Eventualitäten vor, erwarte aber keine weiteren Evakuierungen.
Berg über Blatten in der Schweiz bröckelt bereits: Experten fürchten Kettenreaktion
Matthias Ebener vom regionalen Führungsstab erklärt dem Walliser Boten, man befürchte, dass die Geröllansammlungen eine Kettenreaktion auslösen könnten. Sprich: große Murenabgänge. Er stellt klar: „Wir hoffen aufs Beste, bereiten uns aber aufs Schlimmste vor.“
Schuttkegel auf dem Gletscher machen die Lage um Blatten noch bedrohlicher, hinzu kommen außerdem Regenfälle in der Nacht auf Mittwoch (21. Mai). Aber: „Wir sind krisenresistent hier im Löschental“, sagt Matthias Bellwald, der Gemeindepräsident von Blatten, dem Schweizer Portal 20 Minuten. Trotzdem gesteht er, je länger die Bergsturz-Krise andauere, desto schwieriger werde es. Dass die Gefahr lange bleiben kann, weiß man in der Schweiz. Das Dorf Brienz musste in ganz ähnlicher Lage monatelang evakuiert werden. (moe)
Rubriklistenbild: © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa






