VonMoritz Bletzingerschließen
Das Konklave setzt ein. Die Papstwahl hält sich an einen festgelegten Ablauf, der genaue Moment des Rauchaufstiegs kann allerdings schwanken. Ein Vatikan-Angestellter klärt die Details.
Rom – Nach dem Tod von Papst Franziskus wird ab Mittwoch (7. April) sein Nachfolger gewählt. Um 16.30 Uhr heißt es „extra omnes!“, alle hinaus. Dann fordert der Zeremonienmeister (aktuell Erzbischog Diego Ravelli) alle Nicht-Wahlberechtigten auf, die Sixtinische Kapelle zu verlassen. Die Türen werden hinter den Kardinälen geschlossen, damit das Konklave geheim und ohne Beeinflussung von Außen stattfinden kann.
Aber was findet hinter den verschlossenen Türen statt? IPPEN.MEDIA hat bei Stefan von Kempis nachgefragt. Er ist Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Vatican News, dem offiziellen Presseportal des Heiligen Stuhls.
Genauer Konklave-Ablauf: Die wichtigsten Uhrzeiten während der Papst-Wahl
Der Tagesablauf ist im Konklave für die Kardinäle genau geregelt und mit Ausnahme des ersten Tages immer gleich. Es finden täglich vier Wahlgänge statt (sollte in den ersten dreien kein neuer Papst gefunden werden), zwei am Vormittag, zwei am Nachmittag. Am ersten Tag wird nach dem feierlichen Einzug in die Sixtina nur einmal gewählt. Der Konklave-Ablauf mit Uhrzeiten:
- Aufstehen und Frühstück bis 7.30 Uhr.
- Kurz vor 8 Uhr zur Messe.
- Beginn der ersten beiden Wahlgänge um 9.30 Uhr.
- Mittagspause in Santa Marta ab 12.30 Uhr
- Beginn der zweiten Wahlgänge um 16.30 Uhr.
- Feierabend und Rückkehr nach Santa Marta um 19.30 Uhr.
Für viele unbekanntes Konklave-Detail: Rauchsignal nicht nach jedem Wahlgang – Bedeutung oft missverstanden
Wichtig zu wissen: Es finden immer zwei Wahlgänge aufeinander statt. Wenn der erste nicht erfolgreich ist, gibt es kein Rauchzeichen. Schwarzer Rauch bedeutet also, dass beide erfolglos waren. Die Stimmzettel beider Wahlgänge werden zusammen verbrannt.
Bei erfolgreicher Wahl im ersten Anlauf wird der weiße Rauch aber selbstverständlich direkt gesendet, schließlich folgt keine weitere Abstimmung. Ein einzelner Wahlgang wird im Vatikan übrigens „Scrutinium“ (deutsch: Prüfung) genannt. Für eine gültige Papst-Wahl ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.
Wann steigt beim Konklave Rauch auf? Zu diesen Uhrzeiten wird das Schornstein-Signal erwartet
Wie lange die Abstimmungen und Auszählungen jeweils dauern, ist nicht festgelegt. Aus der Erfahrung ergeben sich lediglich Schätzwerte, zu welchen Uhrzeiten Rauchsignale zu erwarten sind:
- Vormittag: 11.30 Uhr nach beiden Wahlgängen (weißer Rauch gegen 10.30 Uhr bei erfolgreicher Papst-Wahl im ersten Scrutinium)
- Nachmittag: 19 Uhr nach beiden Wahlgängen (weißer Rauch gegen 18 Uhr bei erfolgreicher Papst-Wahl im ersten Scrutinium)
Uhrzeit für Rauchsignal wohl anders als zuvor – „Mehr Wähler denn je im Konklave“
Allerdings sind die geschätzten Uhrzeiten beim diesjährigen Konklave so unsicher, wie nie. „Bei den Wahlen werden die gewohnten Zeiten, wann Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigt, nicht mehr stimmen“, erklärt Vatikan-Mitarbeiter Stefan von Kempis. Der Grund: „Es gibt mehr Wähler denn je im Konklave.“ Stimmabgabe und Auszählung werden länger dauern, als sonst.
Ablauf der Papstwahl ist zeitaufwendig: Das passiert bei Stimmabgabe und Auszählung
Das Prozedere im Konklave ist ohnehin zeitaufwendig. Bei der Stimmabgabe schreibt jeder Kardinal den Namen seines Papst-Kandidaten auf einen Zettel, darüber den Satz „Eligo in Summum Pontificem“ (deutsch: Ich wähle als Papst). Dann schreitet jeder Kardinal einzeln zur Wahlurne, spricht die Eidesformel „Testor Christum Dominum, qui me iudicaturus est, me eum eligere, quem secundum Deum iudico eligi debere“ (deutsch: Ich rufe Christus den Herrn, der mein Richter sein wird, zum Zeugen, dass ich meine Stimme dem gebe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden muss) und lässt seinen Stimmzettel von einem Teller in die Urne rutschen. Dabei blicken die Kardinäle auf den Eingang zur Hölle auf Michelangelos Gemälde „Das Jüngste Gericht“, schreibt Vatican News. Der Film „Konklave“ ist hier überraschend detailgetreu, es gibt aber Unterschiede.
Im Vergleich dazu ist die Auszählung fast leger. Die Namen auf den Zetteln werden verlesen und eine Strichliste geführt. Das einzige Problem: Alle 133 Kardinäle müssen auch verstehen, welche Namen genannt werden. Seit dem Konklave 2013 kostet auch das ein bisschen mehr Zeit als bis dahin.
„Beim letzten Konklave hatte man sich nicht getraut, ein Mikrophon mit in die Sixtinische Kappelle zu nehmen. Stattdessen stand in der Mitte des Raums ein Kardinal, der alles, was vorne gesagt wurde, noch einmal wiederholt hat. Die Kardinäle sind ältere Herren, hören teils nicht mehr so gut. Dieses Prozedere kostet zusätzliche Zeit“, berichtet von Kempis. Gut möglich, dass auch diesmal auf ein Mikrophon verzichtet wird.
Führte in der Vergangenheit zu Verzögerungen: Aktuell kein Papst-Kandidat krank im Gästehaus
Immerhin bleibt eine weitere zeitraubende Konklave-Problematik bei der diesjährigen Papst-Wahl aus. „Glücklicherweise liegt diesmal kein Kardinal krank in Santa Marta (dem Gästehaus des Vatikans, d.R.) und muss von dort aus wählen, das hatte in der Vergangenheit zu Verzögerungen geführt“, sagt von Kempis. Denn: Elektronisch abzustimmen ist nicht möglich. In der gesamten Konklave-Zone um die Sixtinische Kapelle gibt es kein Mobilfunknetz. Um Beeinflussung zu vermeiden, sind die Kandidaten während der gesamten Dauer der Papstwahl komplett abgeschirmt. (moe)
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