Riesige Risse im Boden

Vulkanausbruch wohl nur noch Frage der Zeit: Island befürchtet die heftigste Eruption seit Jahren

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Ein Vulkanausbruch steht auf Island unmittelbar bevor, da sind sich Fachleute sicher. Es wäre nicht der erste in diesem Jahr, aber wohl der gewaltigste.

Reykjavik – Die Erde auf Island bebt immer wieder. Zuletzt erfassten rund 500, teils heftige, Erdstöße die Insel in der Nacht auf Mittwoch (14. November). Angesichts der geologischen Beschaffenheit der skandinavischen Insel sind sich Expertinnen und Experten sich, dass ein Vulkanausbruch bevorsteht.

Furchen im Boden lassen einen besonders wuchtigen Ausbruch befürchten. Ein solcher wird auch in Italien erwartet, wo ein Supervulkan grollt. Zuletzt spuckte bereits der Ätna Lava und hüllte ganze Städte in Asche.

Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.

Island wartet auf den Vulkanausbruch – Stadt muss zwischenzeitlich evakuiert werden

Das dritte Jahre infolge brach ein Vulkan auf Island aus, zuletzt im Juli 2023. Nun wird der nächste erwartet. Es dauere höchstens noch ein paar Tage, schätzen einige Experten die Lage ein. Wo genau der nächste Vulkanausbruch auf Island zu erwarten ist, ließe sich aus Expertensicht kaum vorhersagen.

Vor allem die Region rund um die isländische Hauptstadt Reykjavik und die nahegelegene Halbinsel Reykjanes wurde zuletzt heftig erschüttert. Tausender Erdbeben wurden dort seit Ende Oktober verzeichnet, die Einwohner des Küstenortes Grindavík mussten am Wochenende sicherheitshalber binnen kürzester Zeit evakuiert werden.

Heftige Erdbeben reißt Spalt in den Boden – Klare Anzeichen für einen Vulkanausbruch in Island?

„Diese Erdbeben zeigen uns, dass sich in der Speicherkammer in einer Tiefe von vier bis fünf Kilometern ein Innendruck aufbaut“, erklärt Thorvaldur Thordarson, der Professor für Vulkanologie an der Universität von Island ist, gegenüber dem isländischen Nachrichtenportal Iceland Monitor.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

Auf einer Länge von 15 Kilometern bewegt sich Magma unter der Oberfläche in der betroffenen Region im Südwesten Islands ins Meer. In den vergangenen Tagen wurde durch dessen Kraft Löcher und Risse in den Boden gerissen. „Sobald dieser Druck die Stabilität der Oberfläche übersteigt, kommt es zu einem stärkeren Zittern und es bilden sich Risse“, so Thordarson. Bilder in den Medien und im Netz dokumentieren die heftigen Auswirkungen der Erdbeben zuletzt.

Situation auf Island gefährlicher als in den Jahren zuvor: „Können erwarten, dass Eruption viel gewaltiger wird“

Aus wissenschaftlicher Sicht bedingt das wechselhafte Spiel aus steigendem Innendruck und rissiger Oberfläche auf mittelfristige Sicht eine Eruption, wie Thordarson auf dem Nachrichtenportal beschreibt. „Je öfter das geschieht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Magma an die Oberfläche gelangt.“ So wie in den vergangenen Jahren.

Doch diesmal sei die Situation gefährlicher, befürchten die Fachkräfte. „Unter Berücksichtigung, wie schnell sich das Magma in diesem Kanal gesammelt hat, können wir erwarten, dass die Eruption viel gewaltiger sein wird als die vorigen drei“, sagte der Geophysiker Magnús Tumi Gudmundsson dem Sender RUV. 

So viele Vulkane gibt es im „Land aus Feuer und Eis“

Island ist die größte und aktivste Vulkaninsel weltweit. Insgesamt beherbergt sie 130 Vulkane, schätzungsweise 30 davon gelten als aktiv. Sie liegen überwiegend auf der Nahtlinie zwischen der nordamerikanischen und der europäischen Kontinentalplatten, die durch Island verläuft und eine hohe seismische Aktivität der Insel bedingt. Statistisch gesehen, kommt es mittlerweile alle fünf Jahre zu einer Eruption.

Leichte Entwarnung: Vulkanausbruch auf Island kaum angezweifelt – doch Intensität umstritten

Einige äußern sich jedoch zurückhaltender. „Wir befinden uns an einem kritischen Punkt, an dem die Ungewissheit groß ist“, erklärt der Vulkanologe Mike Burton von der University of Manchester gegenüber isländischen Medien. Die Lage könnte sich auch beruhigen, ohne dass etwas passiere, führt Burton an. Wo und mit welcher Geschwindigkeit die Lava ausbräche, sei noch vollkommen unklar. „Wir müssen abwarten“, sagt der Vulkanologe. Der vorerst letzte heftige Ausbruch auf Island legte 2010 den Luftraum über ganz Europa komplett lahm.

Auch Geophysiker Gudmundsson ruderte zwischenzeitlich wieder etwas zurück. Der Magma-Zufluss habe nachgelassen, etliche evakuierte Bewohner konnten in ihre Heimatregion zurückkehren. An der Wahrscheinlichkeit, dass es zum Ausbruch kommt, habe dies jedoch nichts geändert; darin sind sich die Experten einig. Es bestehe laut Gudmundsson jedoch Hoffnung, dass eine Eruption ähnlich wie die in den vergangenen Jahren verlaufen werde.

Grund zur Entwarnung gebe es laut Vulkanologe Thordarson jedoch nur bedingt: „Das schlimmste Szenario ist sicherlich nicht das wahrscheinlichste, aber es ist immer noch im Rahmen des Möglichen“. Das sollten Behörden bei ihren Anweisungen und Vorgehen im Hinterkopf behalten. „Ich würde lieber öfter zur Evakuierung aufrufen und in den Medien wie ein Idiot dastehen, als Menschenleben zu riskieren“, so Thordarson. (dpa/rku)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Blue Lagoon Iceland

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