Mindestalter für Social Media? Jugendliche und Erwachsene sagen Ja
VonOskar Jaume
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Social Media bleibt umstritten: Während Erwachsene skeptisch sind, sprechen sich auch viele Jugendliche für strengere Regeln aus.
Das ifo Bildungsbarometer 2025, eine jährliche repräsentative Umfrage des ifo Instituts, widmet sich in diesem Jahr dem Thema soziale Medien. Befragt wurden Erwachsene und Jugendliche zu ihrer Nutzung, ihren Einstellungen und den Auswirkungen von Social Media. Dabei zeigt sich, dass 90 % der Erwachsenen und 96 % der Jugendlichen unter der Woche täglich Social Media privat nutzen – viele davon mehr als eine Stunde pro Tag. Doch trotz dieser intensiven Nutzung überrascht die Umfrage mit unerwarteten Ergebnissen, die zum Nachdenken anregen.
Die Umfrage zeigt, dass 85 % der Erwachsenen ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren befürworten. Überraschend ist die Zustimmung unter Jugendlichen: 47 % der Befragten zwischen 14 und 17 Jahren unterstützen ebenfalls ein solches Verbot. Besonders ältere Teenager (16–17 Jahre) zeigen sich selbstkritisch, wobei 55 % in dieser Altersgruppe für ein Mindestalter plädieren. Jüngere Teenager (14–15 Jahre) hingegen sind skeptischer: 51 % lehnen ein Social-Media-Verbot ab. Diese Ergebnisse stehen im Kontrast zur hohen Nutzung sozialer Medien, die von Jugendlichen selbst angegeben wird.
Gruppe
Für ein Social-Media-Verbot unter 16 Jahren\t
Gegen ein Social-Media-Verbot unter 16 Jahren
Erwachsene
85 %
8 %
Jugendliche (gesamt)
47 %
51 %
16–17-Jährige
55 %
33 %
14–15-Jährige
39 %
51 %
Handys an Schulen: Ein umstrittenes Thema
Die Nutzung von Smartphones an Schulen bleibt ein kontroverses Thema, das im Bildungsbarometer 2025 ebenfalls beleuchtet wurde. Dabei zeigt sich, dass sowohl Erwachsene als auch Jugendliche ein Handyverbot im Unterricht mehrheitlich unterstützen. An Grundschulen sprechen sich 64 % der Erwachsenen und 57 % der Jugendlichen für ein Verbot im Unterricht aus. Auch an weiterführenden Schulen ist die Zustimmung hoch: 64 % der Erwachsenen und 58 % der Jugendlichen befürworten, dass Handys während des Unterrichts nicht genutzt werden dürfen. In der Pause hingegen sind die Meinungen geteilter, besonders unter Jugendlichen.
Handyverbote in anderen Ländern
Frankreich: Seit 2018 gilt ein umfassendes Handyverbot an Schulen. Schüler dürfen ihre Smartphones weder im Unterricht noch in den Pausen nutzen.
China: Handys sind in Schulen grundsätzlich verboten. Schüler müssen ihre Geräte vor Betreten des Gebäudes abgeben.
Australien: Einige Bundesstaaten haben Handyverbote eingeführt, die während des Unterrichts und der Pausen gelten, um die Konzentration und den sozialen Austausch zu fördern.
Schweden: Schulen können selbst entscheiden, ob und wie sie Handyverbote umsetzen – viele setzen auf klare Regeln im Unterricht.
Während Erwachsene in der Regel ein strengeres Verbot wünschen, sehen Jugendliche die Nutzung von Handys in der Pause differenzierter. An weiterführenden Schulen sind 48 % der Jugendlichen für ein Handyverbot in der Pause, während 44 % dagegen sind – die restlichen 8 % waren weder dafür noch dagegen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Jugendliche zwar die Notwendigkeit von Regeln im Unterricht anerkennen, aber gleichzeitig Wert auf Freiräume legen. Erwachsene hingegen sind häufiger für ein umfassenderes Verbot und sehen Handys als Störfaktor für den sozialen Austausch und die Konzentration.
Zwischen Nutzen und Schaden: Die Wirkung von Social Media
Die Umfrage zeigt, dass Social Media von vielen kritisch betrachtet wird, insbesondere in Bezug auf die psychische und körperliche Gesundheit. 77 % der Erwachsenen bewerten die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen als negativ, bei der körperlichen Gesundheit sind es 74 %. Auch Jugendliche erkennen diese Probleme: 61 % sehen Social Media als schädlich für die psychische Gesundheit, und 59 % bemängeln eine negative Wirkung auf die Aufmerksamkeit. Trotzdem bleibt Social Media ein fester Bestandteil ihres Alltags – 96 % der Jugendlichen nutzen es täglich.
Neben den Risiken erkennen die Befragten auch positive Aspekte. Besonders die Informationsbeschaffung wird von beiden Gruppen hervorgehoben: 71 % der Jugendlichen und 53 % der Erwachsenen bewerten diesen Aspekt positiv. Jugendliche schätzen zudem die Möglichkeiten zur Vernetzung und politischen Meinungsbildung, während Erwachsene diese weniger stark wahrnehmen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Social Media eine ambivalente Rolle spielt: Es bietet Chancen für Bildung und Austausch, birgt aber gleichzeitig Risiken, die vor allem die jüngere Generation betreffen.
Ich habe versucht, ohne Smartphone zu leben und fast gegen das Gesetz verstoßen
Das ifo Bildungsbarometer 2025 zeigt, dass Social Media für Jugendliche Chancen und Risiken birgt. Während viele die positiven Aspekte wie Informationsbeschaffung schätzen, erkennen sie auch die negativen Einflüsse. Australien geht mit einem radikalen Schritt voran: Ab Dezember 2025 dürfen sich Jugendliche unter 16 Jahren nicht mehr auf Plattformen wie Instagram anmelden. Ziel ist es, Kinder vor Gefahren wie Mobbing und falschen Körperbildern zu schützen. Auch Frankreich überlegt, ein Social-Media-Verbot für Kinder einzuführen.