VonMichelle Breyschließen
Forscher weisen auf Bedenken gegen Molnupiravir hin. Es könnte die Entwicklung gefährlicher Corona-Varianten fördern. Es wurde von der EMA nicht zugelassen.
Frankfurt – Impfstoffe und Medikamente sollten die Coronavirus-Pandemie schnell eindämmen. Dazu zählte auch das Arzneimittel Molnupiravir. Forscher aus Großbritannien warnen. Eine Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Nature, bekräftigt Bedenken, die es schon länger gab.
| Medikament: | Lagevrio (Molnupiravir) |
| Zum Einsatz bei: | Covid-19-Erkrankung |
| In Deutschland: | Nicht zugelassen |
Corona-Medikament: Molnupiravir könnte zu neuen gefährlichen Varianten führen
Molnupiravir ist ein antiviraler Arzneistoff. Es hemmt die Virusvermehrung von Corona durch Fehler in der Replikation. Wie die Wissenschaftler:innen um Theo Sanderson vom Francis Crick Institute in London berichten, hat es jedoch zur Ausbreitung bestimmter Mutationen geführt. In manchen Fällen könnten bei einer Behandlung mit dem Arzneistoff überlebensfähige Viren entstehen. Diese Mutationen, die auf andere Menschen übertragbar seien, könnten zu einer Entwicklung von neuen gefährlichen Varianten führen, hieß es.
Wie die Autor:innen in der Studie schreiben, seien während des Zulassungsverfahrens für Molnupiravir Bedenken in Bezug auf dessen Potenzial geäußert worden, die Entwicklungsrate von besorgniserregenden Varianten (Variants of concern, VOC) zu erhöhen. Dabei beziehen sich die Wissenschaftler:innen auf ein weiteres wissenschaftliches Paper.
Bedenken wegen Corona-Medikament Molnupiravir „in gewisser Weise konkreter“
Konkrete Beweise, dass das Virostatikum gefährlichere Corona-Varianten hervorgebracht hat, gibt allerdings es nicht. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, sagte Sanderson: „Unsere Beweise zeigen, dass ein bestimmtes antivirales Medikament, Molnupiravir, auch zu neuen Mutationen führt und die genetische Vielfalt in der überlebenden Viruspopulation erhöht.“
„Die Leute hatten einige Bedenken bezüglich Molnupiravir und in gewisser Weise werden diese dadurch konkreter. Wir wissen, dass diese Viren nach einer erheblichen Anzahl von Mutationen noch am Leben sein und in einigen Fällen immer noch übertragbar sein können.“
Für die Studie hatten die Autoren mehr 15 Millionen Sars-CoV-2-Genome analysiert. Daten aus Großbritannien, Japan, Australien oder etwa der USA ließen die Forscher zu ihren Ergebnissen kommen. In den Ländern war das Medikament weit verbreitet zum Einsatz gekommen.
Corona-Medikament Lagevrio: Wurde es auch in Deutschland verwendet?
In Deutschland war das Corona-Medikament Lagevrio (Molnupiravir) seit Anfang 2022 im Einsatz – „auf Grundlage der Medizinischer Bedarf Versorgungssicherstellungsverordnung (MedBVSV) ohne Zulassung“, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informierte. Am 24. Februar 2023 lehnte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Zulassung ab. Laut BfArM war der Hintergrund der nicht nachweisbare Nutzen des Medikaments. In Deutschland darf es also nicht mehr vertrieben werden.
„Unsere Ergebnisse sind nützlich für die fortlaufende Bewertung der Risiken und Vorteile der Behandlung mit Molnupiravir“, so Sanderson. Die Forscher empfehlen Gesundheitsbehörden, die Auswirkungen des Arzneimittels weiter zu untersuchen.
Indes sorgte auch eine italienische Studie für Aufsehen. Demnach sollen „Neandertaler-Gene“ einen schweren Corona-Verlauf begünstigen. (mbr)
