Von einem Krieg zum nächsten

„Sind es leid, davonzulaufen“: Ukrainerin flüchtet nach Israel – und will trotz des Kriegs bleiben

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Nach der Ukraine eskaliert auch in Israel die Gewalt. In die Region geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer stehen nun vor der Wahl, ob sie erneut ausreisen.

Tel Aviv – Krieg in der Ukraine, Krieg in Israel: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, der seit Februar 2022 anhält, eskalierte jetzt im Nahen Osten die Gewalt. Einige Menschen, denen letzter Zeit besonders hart vom Schicksal mitgespielt wurde, erleben beide Auseinandersetzungen hautnah mit: Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach Israel geflüchtet waren, und sich dort nun erneut in einem Krisengebiet aufhalten. Am Samstag (7. Oktober) starteten Hamas-Kämpfer vom Gazastreifen aus Überraschungsangriffe auf Israel. Das Land hat mit Luftangriffen geantwortet, mehrere Raketen auf Gaza abgefeuert, eine „vollständige Belagerung“ des Gebiets erklärt und den Kriegszustand ausgerufen. 

Doch eine neue Flucht vor dem Krieg kommt für einige nicht infrage. Eine Ukrainerin, die nach Israel geflohen war, sagte gegenüber Radio Free Europe, dass sie dieses Mal das Land nicht verlassen werde. Sie sei „es leid, vor dem Krieg davonzulaufen“. Dem Bericht zufolge musste Viktoria Druschenko letztes Jahr ihre Heimatstadt Bucha verlassen, als russische Truppen dort einmarschierten. Das Ereignis, bei dem mehr als 450 Menschen starben, wurde später vom Internationalen Strafgerichtshof als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Geflüchtete erleben Krieg in Israel: „Es ist das gleiche Szenario wie in der Ukraine“

Ein ausgebranntes Auto steht nach einem Raketenangriff der Hamas vor einem beschädigten Haus in Ashkelon im Süden Israels.

Druzhenko äußerte, dass sie ein „Déjà-vu“ erlebt habe. Aufnahmen vom Angriff militanten Gruppe Hamas auf Israel am Wochenende hatten sie an die Gewalt in ihrem Heimatland erinnert. „Es ist das gleiche Szenario, das sich in der Ukraine nahe der belarussischen Grenze und in der Region Kiew abgespielt hat, in Bucha, Irpin, Hostomel, Iwankiw, Borodjanka“, erklärte sie. „Meine Familie und ich werden nicht evakuieren“, stellte sie klar. „Ich möchte hier lieber als ukrainischer Flüchtling in Israel nützlich sein.“ Es ist unklar, wo in Israel sich Druschenko aktuell aufhält.

Druschenko ist nicht allein in ihrer Angst. Andere ukrainische Geflüchtete befinden sich ebenfalls mitten im Krieggeschehen in Israel. Auch die orthodoxe Jüding Ahuva Rosilio, die in den frühen Tagen der russischen Invasion mit ihrer Familie von Odessa nach Jerusalem zog, sagte gegenüber der New York Post, dass der Schock und das Entsetzen vor dem jüngsten Terroranschlag „nur allzu bekannt“ seien. „Es ist Runde zwei – so fühlt es sich an, das haben wir erst letztes Jahr gemacht“, sagte die 28 Jahre alte Rosilio. Und weiter: „Das kommt mir nur allzu bekannt vor, wie sich der Krieg zu Beginn der Ukraine anfühlte.“

Die Mutter von vier Kindern unter zehn Jahren sagte, sie musste in den sicheren Raum des Gebäudes rennen, da Raketen über sie hinwegflogen. Die schreckliche Erfahrung löste eine Flut alter Gefühle aus. „Es sind die gleichen Gedanken, die mir durch den Kopf gehen: ‚Ist das erst der Anfang oder ist das das Schlimmste?‘ Soll ich aussteigen, solange ich noch kann? Wohin gehe ich dieses Mal? Das ist mein Zuhause – ich gehe nicht weg!‘“ „Aber meine Kinder, ich muss sie beschützen – das wird nicht lange dauern, aber das habe ich gedacht, als ich die Ukraine verließ.“

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Selenskyj erklärt: 100 Ukrainerinnen und Ukrainer bitten Botschaft um Ausreise aus Israel

Mehr als 100 Ukrainerinnen und Ukrainer hätten ihre Botschaft in Israel kontaktiert und um Ausreise aus dem Land gebeten, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Abendansprache am Sonntag. Nach Angaben von Israels Ministeriums für Alija und Integration flohen zwischen Februar 2022 und Februar 2023 schätzungsweise 13.000 Ukrainerinnen und Ukrainer mit jüdischem Hintergrund aus Angst vor Russland und den Armeen von Wladimir Putin nach Israel. Ein israelisches Gesetz, das fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verabschiedet wurde, gewährt jüdisch geborenen Menschen, Konvertiten und Familienangehörigen jüdischer Menschen das Recht, in das Land zu ziehen und die israelische Staatsbürgerschaft zu erwerben.

Eine israelische Familie war nur durch eine Wand von wild schießenden Terroristen getrennt. Sie verbrachten zehn Stunden in ihrem eigenen Bunker, bis eine vertraute Stimme sie rettete. (cgsc)

Rubriklistenbild: © Ilia Yefimovich/dpa

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