Buchmesse

Bei Rede von Slavoj Žižek aus Protest den Saal verlassen: Regierungsmitglieder erklären ihre Gründe

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Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker (links) stand bei Žižeks Rede kurz auf der Bühne.
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Bei der Rede von Slavoj Žižek auf der Frankfurter Buchmesse haben Mitglieder der hessischen Landesregierung und des Magistrats in Frankfurt den Saal verlassen. Hier erzählen sie, warum.

Frankfurt – Die Frankfurter Buchmesse hat mit einem Eklat eröffnet: Der hessische Antisemitismusbeauftragte und Europastaatssekretär Uwe Becker (CDU), die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne), der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) und die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) verließen am Dienstag aus Protest gegen die Rede von Slavoj Žižek die Eröffnungsfeier im Congresszentrum Frankfurt. Später kamen sie in den Saal zurück.

Uwe Becker tat seinen Unmut auch mit Zwischenrufen kund und trat kurz auf die Bühne. Er sagte der Frankfurter Rundschau: „Wenn man im Angesicht der barbarischen Verbrechen der Hamas, während noch viele Familien – auch zahlreiche Deutsche – um das Leben der Entführten betteln und während jüdische Eltern in Deutschland aufgrund der Gewaltaufrufe der Hamas Angst um ihre Kinder haben, diesen Terror mit israelischer Politik gleichsetzt, darf eine solche Rede nicht unwidersprochen gehalten werden.“ Becker störte sich unter anderem an Žižeks Aussage, sowohl der Anführer der Hamas als auch die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu beanspruchten das exklusive Recht auf alle Teile des Landes Israel.

Dorn zu Žižek-Rede auf Buchmesse Frankfurt: Symbol des Widerspruchs

Wissenschaftsministerin Angela Dorn sagte, Žižek habe sich zwar von der Hamas distanziert, aber mehrfach das Handeln der Terrororganisation auf eine Stufe gestellt mit dem Handeln des Staates Israel. „Für mich war ein Symbol des Widerspruchs zu dieser Rede, den Saal zu verlassen. Das freie Wort gilt und muss gehalten werden. Genauso der Widerspruch.“ Aus ihrer Sicht habe der Gastredner und „Star“ aus Slowenien seine Rolle missbraucht. „Das war auch sichtlich schwer für die slowenische Staatspräsidentin. Das war sehr schwer für das Gastland aus Slowenien.“

Oberbürgermeister Mike Josef teilte mit: „Die Rede hat vor Ort irritiert. Ich bin kurzzeitig aus dem Saal gegangen, um mit anderen Magistratsmitgliedern zu sprechen.“ Meinungsfreiheit und Debattenkultur seien wichtig. Doch als Žižek den SS-Mann Reinhard Heydrich zitierte, habe er „eine Grenze überschritten, die über Provokation hinausgeht.“

Direktor der Buchmesse Frankfurt: „Es ist die Freiheit des Wortes“

Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg hielt fest: „Slavoj Žižek hat in seiner Rede den aktuellen Hamas-Terror mit dem ungelösten Konflikt um die Palästinenser verknüpft und ihn damit relativiert. Diese Relativierung halte ich für unerträglich und geschmacklos.“ Wer den Terror erklären wolle, verharmlose ihn. Terror sei durch nichts zu rechtfertigen.

Buchmesse-Direktor Juergen Boos warb schon direkt nach der Rede auf der Bühne für Menschlichkeit und Meinungsfreiheit. „Es ist die Freiheit des Wortes. Und die müssen wir hier stehen lassen, das ist mir wichtig.“ Die Buchmesse verurteile den Terror. „Wir sind Menschen und wir denken menschlich. Menschlich auf israelischer Seite, auf palästinischer Seite.“ Es sei wichtig, dass sich alle einig seien in der Verurteilung der Unmenschlichkeit und Terrors. „Ich bin froh, dass wir die Rede zu Ende gehört haben, auch wenn sie uns nicht gefallen mag. Auch wenn wir sie sogar verurteilen, es ist wichtig, dass wir uns zuhören.“

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