VonJulian Mayrschließen
Die Beben in der Ägäis lassen nicht nach, ein schwereres Beben könnte unmittelbar bevorstehen. Wie steht es um andere Naturgefahren, die damit einhergehen?
Santorini – Die Erdbebenserie inmitten der Ägäis in Griechenland hält seit mehr als zwei Wochen an. In der Nacht auf Freitag (7. Februar) registrierte der geologische Dienst in Athen wieder Dutzende Erdstöße. Das bisher stärkste Beben hatte eine Magnitude von 5,2 und war sogar in der griechischen Hauptstadt spürbar. Die anhaltende Bebenserie nährt nicht nur in Griechenland, sondern auch in den Nachbarländern die Sorge vor möglicherweise verheerenden Auswirkungen eines starken Erdstoßes.
550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini




Santorini: Angst vor Vulkanausbruch und Tsunami-Gefahr nach Erdbebenserie in Griechenland
Diese seismischen Aktivitäten in der Region haben nicht zuletzt Bedenken über die Möglichkeit eines größeren Vulkanausbruchs oder sogar Tsunamis geweckt. Torsten Dahm vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam hatte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA bereits von der Möglichkeit eines Vulkanausbruchs gesprochen: „Santorini und Kolumbos sind beides aktive Vulkane, die in historischer Zeit ausgebrochen sind.“ Ein Ausbruch ist daher laut dem Experten durchaus möglich.
Der türkische Seismologe Ovgyun Ahmet Ercan führt die seismologische Aktivität in der Ägäis auf die Bewegung von Magma unter der Insel zurück. Magma steige in einer Tiefe von rund 26 Kilometern auf, sagt der Experte im Gespräch mit ATN1. „Und während es aufsteigt, entstehen Risse, und diese Risse erzeugen Mikro-Erdbeben.“ Andere Fachleute hingegen sehen die Ursache für die Beben in tektonischen Plattenverschiebungen.
Erdbebenserie in Santorini: Seismologe fürchtet sich nicht vor Tsunami, aber vor giftigen Aschewolken
Dass die Erdbeben um Santorini auch riesige Flutwellen oder sogar einen Tsunami auslösen könnten, hält der türkische Experte für unwahrscheinlich. „Einige Leute sagen, dass wir eine Stärke von 7,7 auf der Richterskala erwarten und dass es einen Tsunami und Ähnliches geben wird. Sogar in der Türkei machen sie den Menschen Angst, vor allem an der türkischen Ägäisküste“, zitiert newsit.gr Ercan. Wovor er jedoch Angst habe, seien nicht Erdbeben oder ein Tsunami.
Das Risiko, dass zerstörerische Flutwellen die Türkei erreichen könnten, sei gering. Viel mehr beunruhige den Experten ein möglicher Vulkanausbruch und dessen giftigen Aschewolken: „Diese Wolken würden eine Temperatur von 1800 bis 2000 Grad Celsius haben und dürften Schwefeldioxid und auch andere Gase enthalten. Je nach den Windverhältnissen zum Zeitpunkt der Freisetzung könnten diese Gase in die Türkei transportiert werden“, zeigt sich Ercan besorgt.
Die Expertin Stefanie Donner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hält es für „unwahrscheinlich, dass der Santorin aktiviert wird, mit Sicherheit ausschließen lässt es sich aber nicht“, wie sie zu IPPEN.MEDIA sagte.
Nach Bebenschwarm auf Santorini: Israel reagiert auf mögliche Tsunami-Bedrohung
Und selbst wenn Experten und Expertinnen das Risiko eines Vulkanausbruchs oder Tsunamis als gering einschätzen, bereitet man sich in manchem Mittelmeerland bereits auf den Extremfall vor. In Reaktion auf die potenzielle Bedrohung hat der israelische Nationale Sicherheitsrat eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Ziel ist es, die Vorbereitungen auf einen möglichen Tsunami zu intensivieren, berichtete die Jerusalem Post.
In jedem Fall würde eine Flutwelle Israel nicht überraschen, sagt Beverly Goodman von der Abteilung für Maritime Geowissenschaften der Universität Haifa dem israelischen Haaretz. Das Land ist Teil eines regionalen Tsunami-Warnsystems und hat bereits Sensoren entlang der Küste installiert, die frühzeitig Alarm schlagen können. Städte wie Haifa haben bereits Evakuierungspläne entwickelt, die klare Wegweiser zu sicheren Orten enthalten. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass im Falle eines Tsunamis ausreichend Zeit für Evakuierungen und andere Schutzmaßnahmen bleibt.
Goodman weist zudem darauf hin, dass große Tsunamis im Mittelmeer historisch gesehen selten sind. Die meisten Tsunamis, die Israel erreichen könnten, wären bereits stark abgeschwächt. Ein Beispiel ist das Erdbeben (Stärke 7.7) von 1956 im Ägäischen Meer, das einen Tsunami von mehr als 20 Metern Höhe auf Santorini und zehn Meter hohe Flutwellen in Kreta auslöste, aber bei seiner Ankunft in Jaffa nur noch 10 Zentimeter hoch war. Auch an anderen Orten am Mittelmeer schlummern jedoch potenzielle Gefahren, etwa bei Neapel oder in Sizilien. (jm)
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