Experte fürchtet noch andere Gefahr

Seismologe äußert sich zu Tsunami-Risiko nach Erdbeben in Santorini – Israel wappnet sich für Ernstfall

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Die Beben in der Ägäis lassen nicht nach, ein schwereres Beben könnte unmittelbar bevorstehen. Wie steht es um andere Naturgefahren, die damit einhergehen?

Santorini – Die Erdbebenserie inmitten der Ägäis in Griechenland hält seit mehr als zwei Wochen an. In der Nacht auf Freitag (7. Februar) registrierte der geologische Dienst in Athen wieder Dutzende Erdstöße. Das bisher stärkste Beben hatte eine Magnitude von 5,2 und war sogar in der griechischen Hauptstadt spürbar. Die anhaltende Bebenserie nährt nicht nur in Griechenland, sondern auch in den Nachbarländern die Sorge vor möglicherweise verheerenden Auswirkungen eines starken Erdstoßes.

550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini

Blick auf Santorin am Dienstag (4. Februar 2025).
Kurz vor fünf Uhr Ortszeit wurden die Menschen auf Santorini am Dienstag (4. Februar 2025) von einem Erdbeben der Stärke 4,9 geweckt. Das Zentrum lag rund 30 Kilometer im Ägäischen Meer, teilte das Geodynamische Beobachtungsinstitut in Athen mit.  © ARIS MESSINIS/afp
Erdbeben auf Urlaubsinsel Santorin: Menschen flüchten aus Sorge vor einem schweren Erdbeben, berichten Medien. Fähre und Flugzeuge sind ausgebucht.
Die griechische Urlaubsinsel Santorini wurde seit Anfang Februar von über 200 Erdbeben heimgesucht: Menschen flüchten aus Sorge vor einem schweren Hauptbeben, berichten Medien. Fähren und Flugzeuge sind ausgebucht.  © Petros Giannakouris/dpa
Am Hafen von Santorin warten Menschen mit ihren Autos um an Bord einer Fähre nach Athen zu gelangen.
Tickets für die Fähren nach Athen sind fast ausgebucht, berichten griechische Medien. Am Hafen von Santorin bilden sich am Montag (3. Februar) Warteschlangen.  © Petros Giannakouris/dpa
Erdbeben auf Santorin zwingt Einwohner zur Flucht: Menschen warten am Hafen, um mit einer Fähre die griechische Insel zu verlassen.
Das Erdbeben auf Santorin zwingt Anwohner zur Flucht: Menschen warten am Hafen, um mit einer Fähre die griechische Insel zu verlassen.  © Petros Giannakouris
Warteschlange vor den Reisebüros: Viele Menschen versuchen am Montag (3. Februar 2025) ein Ticket für die Fähre nach Athen zu ergattern.
Warteschlange vor den Reisebüros: Viele Menschen versuchen am Montag (3. Februar 2025) ein Ticket für die Fähre nach Athen zu ergattern.  © Petros Giannakouris
Aus Angst vor einem starken Erdbeben verließen bis Dienstagmorgen (4. Februar) rund 6000 Menschen die Insel im Ägäischen Meer. Davon waren 4640 an Bord von vier Fähren Richtung Festland.
Aus Angst vor einem starken Erdbeben verließen bis Dienstagmorgen (4. Februar) rund 6000 Menschen die Insel im Ägäischen Meer. Davon waren 4640 an Bord von vier Fähren Richtung Festland.  © IMAGO/One Inch Productions
Flucht von der Insel Richtung Festland: Stoßstange an Stoßstange warten Autos, um an Bord einer Fähre zu gelangen.
Flucht von der Insel Richtung Festland: Stoßstange an Stoßstange warten Autos, um an Bord einer Fähre zu gelangen.  © IMAGO/One Inch Productions
Fira
Idylle in Angst: Auf Santorini fürchten die Menschen eine Naturkatastrophe.  © picture alliance / Angelos Tzortzinis/dpa
Ein Erdbeben der Stärke 4,9 wurde am 3. Februar 2025 vor Amorgos registriert.
Ein Erdbeben der Stärke 4,9 wurde am 3. Februar 2025 vor Amorgos registriert. Das Epizentrum liegt in einer Tiefe von 10,5 Kilometern, teilt das Institute of Geodynamics Athen mit.  © Screenshot Institute of Geodynamics Athen
Erdbeben-Karte aus Griechenland zeigt Beben in den vergangenen 24 Stunden.
200 Erdbeben wurden seit Sonntag (2. Februar 2025) in der Region verzeichnet, teilte das Institut für Geodynamik des Nationalobservatoriums von Athen mit.  © Screenshot Institute of Geodynamics Athen
Staubwolken wirbeln an den felsigen Klippen auf. Stein- und Geröllmassen stürzen am Montag (3. Februar) ins Meer.
Staubwolken wirbeln an den felsigen Klippen auf. Stein- und Geröllmassen stürzen am Montag (3. Februar) ins Meer.  © ARIS MESSINIS/afp
Die Erde bebt auf Santorin und bringt Geröllmassen ins Rutschen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, sichere Routen zu wählen.
Die Erde bebt auf Santorini und bringt Geröllmassen ins Rutschen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, sichere Routen zu wählen.  © ARIS MESSINIS/afp
Das Notfall-Protokoll läuft an: In Zelten auf einem Basketballplatz sollen Rettungskräfte der Feuerwehr untergebracht werden.
Das Notfall-Protokoll läuft an: In Zelten auf einem Basketballplatz sollen Rettungskräfte der Feuerwehr untergebracht werden.  © Petros Giannakouris/dpa
Trauminsel Santorin in Alarmbereitschaft: Seit dem 24. Januar 2025 erschüttern Erdbeben die Region.
Trauminsel Santorin in Alarmbereitschaft: Seit dem 24. Januar 2025 erschüttern Erdbeben die Region.  © ARIS OIKONOMOU/afp
Erdbeben und Vulkanausbruch im Ägäischen Meer am 11.07.1956.
Rückblick mit Schrecken: Zwei Bewohner gehen über Trümmer von Wohnhäusern durch eine kleine, völlig verwüstete Ortschaft auf der Insel Santorini am 12.07.1956. Ein heftiges Erdbeben erschütterte weite Gebiete des Ägäischen Meeres. © dpa
Blick auf Santorin
Santorin gehört zur Inselgruppe der Kykladen in der Ägäis im östlichen Mittelmeer. Auf der Insel leben dauerhaft 15.500 Menschen.  © IMAGO
Santorini Blick aufs Meer
Rund um Santorini befinden sich neben einem spektakulären Krater des Vulkans der Insel auch andere Vulkane unter der Meeresoberfläche sowie jene tektonischen Platten, die durch ihre Bewegungen starke Erdbeben verursachen können.  © IMAGO/One Inch Productions
Santorin: Touristen schützen sich mit einem Regenschirm vor der Sonne in den Gassen
Die griechische Insel ist bei Urlaubern beliebt. Allein im Jahr 2023 kamen 3,4 Millionen Touristen nach Santorin.  © IMAGO/Michael Bihlmayer

Santorini: Angst vor Vulkanausbruch und Tsunami-Gefahr nach Erdbebenserie in Griechenland

Diese seismischen Aktivitäten in der Region haben nicht zuletzt Bedenken über die Möglichkeit eines größeren Vulkanausbruchs oder sogar Tsunamis geweckt. Torsten Dahm vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam hatte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA bereits von der Möglichkeit eines Vulkanausbruchs gesprochen: „Santorini und Kolumbos sind beides aktive Vulkane, die in historischer Zeit ausgebrochen sind.“ Ein Ausbruch ist daher laut dem Experten durchaus möglich.

Der türkische Seismologe Ovgyun Ahmet Ercan führt die seismologische Aktivität in der Ägäis auf die Bewegung von Magma unter der Insel zurück. Magma steige in einer Tiefe von rund 26 Kilometern auf, sagt der Experte im Gespräch mit ATN1. „Und während es aufsteigt, entstehen Risse, und diese Risse erzeugen Mikro-Erdbeben.“ Andere Fachleute hingegen sehen die Ursache für die Beben in tektonischen Plattenverschiebungen.

Erdbebenserie in Santorini: Seismologe fürchtet sich nicht vor Tsunami, aber vor giftigen Aschewolken

Dass die Erdbeben um Santorini auch riesige Flutwellen oder sogar einen Tsunami auslösen könnten, hält der türkische Experte für unwahrscheinlich. „Einige Leute sagen, dass wir eine Stärke von 7,7 auf der Richterskala erwarten und dass es einen Tsunami und Ähnliches geben wird. Sogar in der Türkei machen sie den Menschen Angst, vor allem an der türkischen Ägäisküste“, zitiert newsit.gr Ercan. Wovor er jedoch Angst habe, seien nicht Erdbeben oder ein Tsunami.

Das Risiko, dass zerstörerische Flutwellen die Türkei erreichen könnten, sei gering. Viel mehr beunruhige den Experten ein möglicher Vulkanausbruch und dessen giftigen Aschewolken: „Diese Wolken würden eine Temperatur von 1800 bis 2000 Grad Celsius haben und dürften Schwefeldioxid und auch andere Gase enthalten. Je nach den Windverhältnissen zum Zeitpunkt der Freisetzung könnten diese Gase in die Türkei transportiert werden“, zeigt sich Ercan besorgt.

Die Expertin Stefanie Donner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hält es für „unwahrscheinlich, dass der Santorin aktiviert wird, mit Sicherheit ausschließen lässt es sich aber nicht“, wie sie zu IPPEN.MEDIA sagte.

Nach Bebenschwarm auf Santorini: Israel reagiert auf mögliche Tsunami-Bedrohung

Und selbst wenn Experten und Expertinnen das Risiko eines Vulkanausbruchs oder Tsunamis als gering einschätzen, bereitet man sich in manchem Mittelmeerland bereits auf den Extremfall vor. In Reaktion auf die potenzielle Bedrohung hat der israelische Nationale Sicherheitsrat eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Ziel ist es, die Vorbereitungen auf einen möglichen Tsunami zu intensivieren, berichtete die Jerusalem Post.

Die Erdbebenserie in Griechenland nährt die Sorge vor einer größeren Naturkatastrophe, etwa eines Tsunamis im Mittelmeer. (Collage)

In jedem Fall würde eine Flutwelle Israel nicht überraschen, sagt Beverly Goodman von der Abteilung für Maritime Geowissenschaften der Universität Haifa dem israelischen Haaretz. Das Land ist Teil eines regionalen Tsunami-Warnsystems und hat bereits Sensoren entlang der Küste installiert, die frühzeitig Alarm schlagen können. Städte wie Haifa haben bereits Evakuierungspläne entwickelt, die klare Wegweiser zu sicheren Orten enthalten. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass im Falle eines Tsunamis ausreichend Zeit für Evakuierungen und andere Schutzmaßnahmen bleibt.

Goodman weist zudem darauf hin, dass große Tsunamis im Mittelmeer historisch gesehen selten sind. Die meisten Tsunamis, die Israel erreichen könnten, wären bereits stark abgeschwächt. Ein Beispiel ist das Erdbeben (Stärke 7.7) von 1956 im Ägäischen Meer, das einen Tsunami von mehr als 20 Metern Höhe auf Santorini und zehn Meter hohe Flutwellen in Kreta auslöste, aber bei seiner Ankunft in Jaffa nur noch 10 Zentimeter hoch war. Auch an anderen Orten am Mittelmeer schlummern jedoch potenzielle Gefahren, etwa bei Neapel oder in Sizilien. (jm)

Rubriklistenbild: © One Inch Productions/Dreamstime/Imago

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