„Noch nie erlebt“

Schwere Unwetter in Österreich: Orte von Außenwelt abgeschnitten – Flugzeug in Hagelsturm beschädigt

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100 Liter Regen in kurzer Zeit. Schwere Unwetter führen zu Katastrophenalarm in Teilen von Österreich und zu teils dramatischen Szenen. Ganze Orte sind überschwemmt.

Update vom 10. Juni, 6.54 Uhr: Noch immer herrscht Ausnahmezustand in Teilen Österreichs. Besonders angespannt in die Lage in der Steiermark. In einigen Gemeinden im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld wurde am Sonntagabend erneut Zivilschutzalarm ausgelöst. „Es besteht dort Überflutungsgefahr“, teilte der Zivilschutzverband Steiermark mit. Und auch am Montagmorgen warnt die Unwetterzentrale vor neuen Unwettern für den Südosten des Landes.

Dabei wurden auch am Sonntag in der Steiermark wieder zahlreiche Keller und Straßen überflutet, berichtete Der Standard. In der Gemeinde Lafnitz brach sogar ein Damm. Dagegen wurden in Übelbach Häuser nahezu von der Außenwelt abgeschnitten, weshalb zahlreiche Menschen evakuiert werden mussten.

Zudem geriet ein Flugzeug der Austrian Airline über Hartberg-Fürstenfeld in einen schweren Hagelsturm. Die Hagelzelle traf die Maschine mit 168 Passagieren und sechs Crewmitgliedern in etwa 6000 Metern Höhe, berichtete die Kleine Zeitung. Den Piloten gelang es dennoch, den Airbus A320 im Blindflug sicher in Wien zu landen. Die Menschen an Bord blieben unverletzt, doch der Airbus A320 wurde schwer beschädigt. „Nach aktuellem Stand wurden durch den Hagel die beiden vorderen Cockpitscheiben des Flugzeuges, die Flugzeugnase (Radom) sowieso manche Verkleidungen beschädigt“, schilderte die Airline der Zeitung.

Erneut Unwetter über Österreich: Augenzeugen berichten von Tornado

Update vom 9. Juni, 22 Uhr: Seit Samstag ist Ausnahmezustand in Teilen Österreichs. Heftige Unwetter haben ganze Ortschaften unter Wasser gesetzt, teils meterhoch. An Hängen haben sich reißende Sturzflüsse gebildet und drücken braune Wassermassen wuchtig zwischen Häuser vorbei. Und auch am Sonntag reißen die Unwetter nicht ab in der Alpenrepublik.

Am Abend brauten sich heftige Gewitter zusammen. Augenzeugen berichten von einem Tornado im Südosten des Landes. Videoaufnahmen haben nahe der ungarischen Grenze eine Windhose über den Gemeinden Großpetersdorf und Rechnitz eingefangen.

Wie wetter.at schreibt, ging der Wirbelsturm aus einer sogenannten Superzelle der angekündigten Gewitter hervor. Zuletzt zog ein Tornado im März durch Österreich. Die Schäden hielten sich damals in Grenzen, die Windhose über Graz war jedoch deutlich kleiner als jetzt, wie wetter.at schreibt. Inwiefern der Tornado am Sonntagabend Schäden verursacht hatte, ist noch unklar. Die Unwetter der Vortage hinterließen aber in weiten Teilen des Landes Zerstörung. Feuerwehr und Bundesheer seien durchgehend im Einsatz.

Schwere Unwetter in Österreich: Orte komplett geflutet, Katastrophenalarm ausgelöst

Erstmeldung vom 9. Juni, 12.20 Uhr: Graz – Sintflutartiger Regen, reißende Sturzfluten. Schwere Unwetter haben große Schäden in Teilen Österreichs verursacht. Am Samstag (8. Juni) führte Starkregen in der Steiermark und im Burgendland zu heftigen Überschwemmungen, vor allem nördlich der Landeshauptstadt Graz. Innerhalb weniger Stunden fielen örtlich bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter, noch einmal mehr als bei den Unwetter-Ereignissen in den Tagen zuvor.

Schwere Unwetter treffen Österreich: Katastrophenalarm ausgelöst – dramatische Szenen in Deutschfeistritz

Ganzer Ort geflutet, Mann vermisst – Bilder zeigen Unwetter-Verwüstung in Österreich

Nach den schweren Unwettern in Österreich ist eine Straße im Burgenland abgerutscht und hat einen tiefen Riss
467242459.jpg © Robert Jaeger/APA/dpa
Wassermassen strömen wie ein reißender Fluss an einer Holzhütte in Schäffern in der Steiermark vorbei
467084542.jpg © Patrik Lechner/APA/Einsatzdoku.At/dpa
Schaut aus wie im Herbst, ist aber der 9. Juni in Tirol: Ein heftiger Hagelsturm wütete im Bereich Schoich und Söll.
Schaut aus wie im Herbst, ist aber der 9. Juni in Tirol: Ein heftiger Hagelsturm wütete im Bereich Schoich und Söll. © BFV Kufstein
Dabei wurden einige Fahrzeuge demoliert, teils schwer beschädigt: Es gab auch einige Murenabgänge und Hangrutsche, wie die Feuerwehr mitteilt.
Dabei wurden einige Fahrzeuge demoliert, teils schwer beschädigt: Es gab auch einige Murenabgänge und Hangrutsche, wie die Feuerwehr mitteilt. © BFV Kufstein
Das hätte böse enden können: Beim Hagelsturm in Tirol krachte ein Baum auf das Wartehäuschen einer Busstation – zu Schaden kam zum Glück niemand.
Das hätte böse enden können: Beim Hagelsturm in Tirol krachte ein Baum auf das Wartehäuschen einer Busstation – zu Schaden kam zum Glück niemand. © BFV Kufstein
Nicht nur Regen machte Österreich am Unwetter-Wochenende zu schaffen: In den Sozialen Medien kursieren zahlreiche Fotos von riesigen Hagelkörner.
Nicht nur Regen machte Österreich am Unwetter-Wochenende zu schaffen: In den Sozialen Medien kursieren zahlreiche Fotos von riesigen Hagelkörner.  © Uwz
Am heftigsten tobte das Unwetter in der Nacht auf Sonntag (9. Juni) in der Steiermark: Sintflutartiger Regen riss Autos mit und sorgte für Überschwemmungen.
Am heftigsten tobte das Unwetter in der Nacht auf Sonntag (9. Juni) in der Steiermark: Sintflutartiger Regen riss Autos mit und sorgte für Überschwemmungen.  © Einsatzdoku.At Patrik Lechner/picture alliance/dpa/APA
Unwetter in Österreich: Über 100 Liter Regen fielen innerhalb kurzer Zeit in Deutschfeistritz: Der Ort wurde komplett überflutet.
Unwetter in Österreich: Über 100 Liter Regen fielen am Samstag (8. Juni) innerhalb kurzer Zeit in Deutschfeistritz. Der Ort wurde komplett überflutet.  © EinsatzReport24/Imago
Dramatische Unwetter-Szenen: Tosende Fluten rissen Autos in Deutschfeistritz mit, Fahrzeuge wurden zwischen zwei Häusern eingeklemmt.
Dramatische Unwetter-Szenen: Tosende Fluten rissen Autos in Deutschfeistritz mit, Fahrzeuge wurden zwischen zwei Häusern eingeklemmt. © EinsatzReport24/Imago
Die Überschwemmungen hinterließen ein Bild der Verwüstung in der kleinen Gemeinde in der Steiermark.
Die Überschwemmungen hinterließen ein Bild der Verwüstung in der kleinen Gemeinde in der Steiermark.  © EinsatzReport24/Imago
„Wir rufen wirklich alle Leute auf, in ihren Häusern zu bleiben. Es besteht absolute Lebensgefahr“, sagte Meike Brucher von der Stadt Deutschfeistritz am Samstag. Bilder der Überschwemmungen machen offensichtlich, wie gefährlich die Lage war.
„Wir rufen wirklich alle Leute auf, in ihren Häusern zu bleiben. Es besteht absolute Lebensgefahr“, sagte Meike Brucher von der Stadt Deutschfeistritz am Samstag. Bilder der Überschwemmungen machen offensichtlich, wie gefährlich die Lage war. © EinsatzReport24/Imago
Ein Feuerwehrmann watet durch die Flut in Deutschfeistritz. Unter den schlammigen Wassermassen ist die Straße schon nicht mehr zu erkennen. An anderen Stellen stand das Wasser teils hüfthoch.
Ein Feuerwehrmann watet durch die Flut in Deutschfeistritz. Unter den schlammigen Wassermassen ist die Straße schon nicht mehr zu erkennen. An anderen Stellen stand das Wasser teils hüfthoch. © EinsatzReport24/Imago
Unwetter in Österreich: Auch die Marktgemeinde Übelbach wurde schwer von den Unwettern getroffen. Der gleichnamige Fluss entwickelte sich bei Starkregen zu einem reißenden Strom, trat über die Ufer.
Auch die Marktgemeinde Übelbach wurde schwer von den Unwettern getroffen. Der gleichnamige Fluss entwickelte sich bei Starkregen zu einem reißenden Strom, trat über die Ufer. © FF Übelbach
Straßen und Bahngleise wurden überflutet: Ausnahmezustand in der Steiermark. In Übelbach sind nach dem Unwetter rund 200 Haushalte ohne fließend Wasser, eine Leitung wurde beschädigt.
Straßen und Bahngleise wurden überflutet: Ausnahmezustand in der Steiermark. In Übelbach sind nach dem Unwetter rund 200 Haushalte ohne fließend Wasser, eine Leitung wurde beschädigt. © FF Übelbach
Übelbachs Bürgermeister Markus Windisch sprach von einer schlaflosen Nacht. Feuerwehr und eine Baufirma waren im Dauereinsatz, in der Früh wurden mehrere Häuser evakuiert.
Übelbachs Bürgermeister Markus Windisch sprach von einer schlaflosen Nacht. Feuerwehr und eine Baufirma waren im Dauereinsatz, in der Früh wurden mehrere Häuser evakuiert. © FF Übelbach
Unwetter-Notfall auch an der Autobahn: Eine massive Schlammlawine traf am Samstag gegen 19 Uhr die Pyhrnautobahn A9. Wie stark die Fahrbahn beschädigt ist, ist noch nicht klar.
Unwetter-Notfall auch an der Autobahn: Eine massive Schlammlawine traf am Samstag gegen 19 Uhr die Pyhrnautobahn A9. Wie stark die Fahrbahn beschädigt ist, ist noch nicht klar. © ASFINAG
Bis Montag wird die Pyhrnautobahn A9 bei Übelbach in Richtung Süden gesperrt bleiben, teilt die Betreiberfirma ASFINAG mit. Auch am Sonntag kommen nach wie vor Wassermassen den Hang hinab.
Bis Montag wird die Pyhrnautobahn A9 bei Übelbach in Richtung Süden gesperrt bleiben, teilt die Betreiberfirma ASFINAG am Sonntag mit. Es kommen nach wie vor Wassermassen den Hang hinab. © ASFINAG

In mehreren Orten (Deutschfeistritz, Eggersdorf, Weinitzen und Teile von Graz) löste sogar Katastrophenalarm aus. Die österreichische Unwetterzentrale sprach von akuter Lebensgefahr. Im Burgenland forderte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Sonntag die Unterstützung des Bundesheeres an.

Dramatische Szenen spielten sich in der Deutschfeistritz ab. Die Marktgemeinde wurde von der Sturzflut komplett überschwemmt. Dabei keilten die Wassermassen mehrere Autos zwischen Häusern ein, Menschen retteten sich auf die Dächer der Fahrzeuge.

Überflutete Ortschaften, Schlammlawine auf der Autobahn: Schwere Unwetter in Österreich verursachten Überschwemmungen und Katastrophenalarm.

Evakuierungen wegen Überschwemmungen in Österreich – 200 Haushalte ohne fließend Wasser

„Ich bin Jahrzehnte bei der Feuerwehr, aber das habe ich noch nie erlebt“, sagte Kommandant Andreas Reiter der Kleinen Zeitung. „Wir rufen wirklich alle Leute auf, in ihren Häusern zu bleiben. Es besteht absolute Lebensgefahr.“

Im nahegelegenen Übelbach wurden am Sonntagmorgen mehrere Gebäude wegen Überflutungen evakuiert, rund 200 Haushalte sind wegen beschädigter Leitungen ohne fließend Wasser. „Heute Nacht war an Schlaf nicht zu denken“, sagt Bürgermeister Martin Windisch (ÖVP) am Sonntag. Über Nacht waren Feuerwehr und eine Baufirma an 40 Orten im Einsatz, Umleitungen führen über die Staatsstraßen 6 und 35.

Schlammlawine trifft Autobahn – A9 mindestens bis Montag gesperrt

Auch die Autobahn blieb vom Unwetter nicht verschont. Gegen 19 Uhr rollte am Samstag eine Mure über die A9 bei Übelbach. Die 1,5 Meter hohe Schlammlawine überschwemmte die komplette Fahrbahn Richtung Süden. Seitdem ist kein Verkehr auf dem Abschnitt möglich. Und das wird wohl vorerst so bleiben.

Bis Montag wird die Pyhrnautobahn A9 bei Übelbach in Richtung Süden gesperrt bleiben, teilt die Betreiberfirma ASFINAG mit. Auch am Sonntag kommen nach wie vor Wassermassen den Hang hinab.

„Die Autobahn wird sicher bis morgen gesperrt bleiben. Es kommen nach wie vor Wassermassen vom Hang herab. Erst wenn das gestoppt und alles weggeräumt ist, kann man sehen, ob die A9 auch beschädigt ist“, teilt Autobahnbetreiber ASFINAG auf Anfrage von IPPEN.MEDIA mit. „Die Lage ist leider unverändert angespannt.“

Unwetter-Lage in Österreich entspannt sich am Sonntagvormittag – doch es drohen neue Gewitter

Immerhin der Zivilschutzalarm wurde am Sonntag wieder aufgehoben und Berichte über Verletzte oder Tote gibt es nicht. Am Vormittag entspannt sich die Situation in den besonders betroffenen Orten leicht, doch am Nachmittag werden neue Unwetter mit Gewittern, Hagel und Starkregen erwartet. Vor allem in Tirol sei die Unwettergefahr am Sonntag erheblich, warnen Wetter-Fachleute. Die Hochwasser-Lage in Deutschland hat sich derweil beruhigt, obwohl auch hier ein neuerlicher Wetter-Absturz droht. (moe)

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