- VonBettina Menzelschließen
Bei einer pro-palästinensischen Demonstration in London gingen am Samstag 300.000 Menschen auf die Straße. Es kam zu Auseinandersetzungen, die Polizei nahm mindestens 145 Personen fest.
Update vom 12. November, 20.36 Uhr: Am Rande einer Pro-Palästina-Demo in London ist es am Samstag (11. November) zu Ausschreitungen von Rechtsradikalen gekommen. Die Polizei sei vom Ausmaß der Gewalt seitens der Gegendemonstranten „überrascht“ gewesen, teilte der stellvertretende Londoner Polizeipräsident dem Sender Sky News mit. Die Gewalt sei „beispiellos“ gewesen. Der britische Premierminister Rishi Sunak Gewalt verurteilte die Gewalt, die er auf beiden Seiten sieht.
Das sei „völlig inakzeptabel“ und respektlos gegenüber dem Gedenken an die Kriegstoten, das am 11. November begangen wird, teilte Sunak mit. „Das gilt für Schläger der (rechtsradikalen) EDL, die Polizisten angegriffen und den Cenotaph gestürmt haben, ebenso wie für das Rufen antisemitischer Sprechchöre und das Zeigen von Pro-Hamas-Plakaten und -Kleidung beim heutigen Protest“, betonte Sunak. Laut Polizeiangaben wurden 145 Menschen festgenommen, 15 Polizeibeamte wurden verletzt, berichtet Sky News.
Pro-Palästina-Demo in London: Rechtsradikale greifen Polizeibeamte an
Zahlreiche Rechtsradikale hatten versucht, zum Kriegsdenkmal Cenotaph im Regierungsviertel vorzudringen, das sie nach eigenen Angaben vor den Teilnehmern des Protestmarschs schützen wollten. Wie die Londoner Polizei im Widerspruch zu Sunak mitteilte, gelang es ihnen aber nicht, das Mahnmal zu erreichen. Anschließend lieferten sich die Rechtsextremen in der Innenstadt weitere Schlägereien mit Beamten.
Gleichzeitig beteiligten sich laut Polizei etwa 300.000 Menschen an dem propalästinensischen Protestmarsch. Die Veranstalter sprachen von 800.000 Teilnehmern. Dabei blieb es den Angaben zufolge weitgehend friedlich. Berichten zufolge gab es aber auch antisemitische Parolen und Plakate. Nach Ende der Kundgebung wurden einige Teilnehmer festgenommen, die Feuerwerkskörper gezündet und sich vermummt hatten. Innenministerin Suella Braverman verurteilte, bei dem Protest seien „krankhafte, hetzerische und teilweise eindeutig kriminelle Gesänge, Plakate und Gegenstände (...) offen zur Schau gestellt“ worden.
Erstmeldung vom 11. November, 22.02 Uhr: London – Rund 300.000 Menschen gingen in der britischen Hauptstadt London am Samstag (11. November) nach Polizeiangaben auf die Straße, um für pro-palästinensische Positionen zu demonstrieren. Die Veranstalter sprachen von mehr als 800.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Die Sicherheitslage galt im Vorfeld als heikel, rund 2000 Polizisten waren im Einsatz. Man sei sich der Angst bewusst, die es unter jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern gebe, so die Polizei. Bei der Kundgebung nahmen auch tausend Rechtsextreme teil, es kam zu Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften. Rund 150 Menschen wurden festgenommen.
Pro-palästinensische Großdemonstration in London: Teilnehmer fordern „Waffenstillstand Jetzt“
Auf Plakaten forderten die Demonstrierenden unter anderem „Freiheit für Palästina“ oder „Waffenstillstand Jetzt“. Laut der britischen Zeitung Guardian sei auf dem Marsch aber auch die umstrittene Parole „from the river to the sea, Palestine will be free“ (zu Deutsch: „vom Fluss bis zum Meer, Palästina wird frei sein“) zu hören gewesen, die in der Verfassung der Terrororganisation Hamas steht. Polizeiangaben zufolge habe man im Vorfeld mit 100.000 Teilnehmern gerechnet, die Veranstalter des „Nationalen Marsches für Palästina“ gingen indes davon aus, dass 500.000 Demonstrantinnen und Demonstranten teilnehmen würden.
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen seien der festgelegten Route gefolgt, hieß es zunächst von der Polizei. „Bitte hört auf, Feuerwerkskörper zu werfen“, mussten die Veranstalter an einer Stelle im Londoner Stadtteil Nine Elms durchsagen. Der Termin der Großdemonstration fiel zudem mit den Feierlichkeiten zum Armistice Day zusammen, bei dem in Großbritannien der Toten des Ersten Weltkriegs gedacht wird. Dies hatte auch rechtsextreme Demonstrierende auf den Plan gerufen. Man habe rund tausend Rechtsextreme daran gehindert, ein für sie symbolisches Weltkriegsdenkmal zu erreichen, hieß es. Dabei seien die Polizeikräfte teils mit Flaschen beworfen worden und es kam laut Polizeiangaben zu Auseinandersetzungen. Britischen Medienberichten zufolge war auch der Anführer der rechtsradikalen English Defence League, Tommy Robinson, auf dem Marsch.
„Ich verurteile die gewalttätigen, völlig inakzeptablen Szenen, die wir von der English Defence League und mit ihr verbundenen Gruppen sowie Hamas-Sympathisanten, die am National March for Palestine teilnahmen, gesehen haben“, teilte der britische Premierminister Rishi Sunak am Samstag auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. 92 Menschen wurden Angaben der britischen Zeitung Guardian zufolge festgenommen, SkyNews sprach indessen von 150.
Remembrance weekend is a time for us to come together as a nation and remember those who fought and died for our freedoms.
— Rishi Sunak (@RishiSunak) November 11, 2023
The unacceptable scenes today disrespect their memory. pic.twitter.com/vVyqSB7oi2
Pro-palästinensische Demonstration sorgte im Vorfeld für Streit: Absagen oder nicht?
Mehrere Minister in Großbritannien hatten im Vorfeld ein Verbot der Demonstration gefordert. Kritiker hatten diese Einlassung als unzulässige Einmischung in die Arbeit der Polizei gewertet. Der Premierminister und weitere hochrangige Politiker bezeichneten es als „respektlos“ am selben Tag zu protestieren, an dem das Vereinigte Königreich seiner Kriegstoten gedenkt. Bei vorherigen Kundgebungen in London an den vergangenen Wochenenden war es teils zu antisemitischen und antiisraelischen Straftaten gekommen. Generell hätten antisemitische Vorfälle in London seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel zugenommen, hieß es vonseiten der Metropolitan Police. Zuletzt hatte es auch in München, Frankfurt und anderen Städten in Deutschland pro-palästinensische Demonstrationen gegeben.
Die pro-palästinensische Kundgebung in London richtete sich gegen das militärische Vorgehen Israels im Krieg im Gazastreifen. Hunderte Hamas-Terroristen waren am 7. Oktober auf israelisches Gebiet eingedrungen und hatten Gräueltaten überwiegend an Zivilisten verübt, darunter an zahlreichen Kinder. Nach israelischen Angaben wurden dabei 1200 Menschen getötet und rund 240 Menschen als Geiseln verschleppt. Nach nicht unabhängig verifizierbaren Angaben der Hamas starben im Gazastreifen bisher mehr als 11.000 Menschen, darunter 4500 Kinder (bme/AFP).
