VonVictoria Krumbeckschließen
Ein Besuch seiner Familie in Gaza brachte den Tod. Ein deutscher Staatsbürger, seine Frau und seine Kinder kamen durch eine israelische Rakete ums Leben.
Gaza/Dortmund – Seit dem Massaker der Terrororganisation Hamas Anfang Oktober und den darauffolgenden israelischen Angriffen tobt ein Krieg in Israel. Tausende Menschen sind bereits ums Leben gekommen, Hilferufe aus Gaza erreichen die ganze Welt. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums sind mehr als 17.400 Palästinenser:innen gestorben.
Unter ihnen befindet sich auch der deutsche Staatsbürger Yousef Abujadallah. Eine israelische Bombe soll am 25. Oktober in das Wohnzimmer seines Hauses eingeschlagen sein. Er, seine Ehefrau und die jeweils zehn-, neun- und dreijährigen Söhne sowie das noch nicht mal einjährige Baby sind nun tot.
Israel-Krieg: Deutsche Familie stirbt in Gaza durch Bombenangriff
Angehörige und Freunde von Yousef Abujadallah (39) erzählten seine Geschichte der Süddeutschen Zeitung (SZ). Sein 28-jähriger Bruder Ahmed Abujadallah ist seit wenigen Tagen wieder in Frankfurt, wo er Informatik studierte. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen schickt er der SZ Sprachnachrichten aus dem Krankenhaus, in denen er erzählt, wie er Körperteile der sechsköpfigen Familie fand. Die Totenscheine liegen der SZ vor, sie sind jedoch am 10. November ausgestellt worden, da die Körperteile erst zwei Wochen nach dem Raketeneinschlag geborgen werden konnten.
Auch die Bundesregierung bestätigte den Tod von deutschen Staatsbürgern. „Wir müssen zum jetzigen Zeitpunkt leider davon ausgehen, dass unter den Opfern der Kämpfe im Gazastreifen auch eine deutsche Familie ist“, hieß es am Samstag (9. Dezember) auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Laut SZ führt ein BKA-Beamter in Kairo Gespräche zum Fall der Familie Abujadallah. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts sagte, dass ihnen der Sachverhalt bekannt sei. Es lägen derzeit jedoch keine Anhaltspunkte für eine Straftat in der Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft vor.
Deutscher Staatsbürger und Familie in Gaza getötet: „Er wollte frei sein“
Yousef Abujadallah wollte seine Familie in Gaza besuchen, bevor er seinen neuen Job am 1. November in einer Dortmunder Klinik angefangen hätte. In Gaza hatte er ein Grundstück gekauft und wollte dort anfangen zu bauen. „Mein Bruder Yousef war mein Ein und Alles in Deutschland, er hat mich als Abiturient in Gaza motiviert, mein Studium hier finanziert. Möge Gott seiner Seele gnädig sein“, sagte Ahmed Abujadallah.
Ein Freund des Verstorbenen Yousef Abujadallah, Hamza Aljabali, erzählte der SZ, dass er am 26. Oktober von seinem Tod erfahren habe. Nur zwei Tage zuvor kontaktierte Yousef Abujadallah den 37-jährigen Chefarzt der Urologie in einer Klinik in Sachsen-Anhalt. „Hör zu, die Lage hier übersteigt deine Vorstellungskraft. Das sind die Nummern meiner Brüder. Wenn du länger nichts mehr von mir hörst, frag sie nach mir. Und wenn was passiert, sag allen wichtigen Stellen Bescheid, du hast die meisten meiner Briefe“, schrieb Yousef Abujadallah über Whastsapp.
Hamza Aljabali bekam seine Briefe zugestellt, da Yousef Abujadallah auf der Suche nach einer Wohnung in Dortmund war. Die beiden haben zusmamen in Jordanien Medizin studiert und zum Ende des Studiums gemeinsam Deutsch gelernt, da er unbedingt Deutscher werden und seine Facharztausbildung machen wollte, wie Hamza Alijabali erzählt. „Er wollte frei sein, die Welt bereisen, eine Perspektive haben“, so der Chefarzt. Er wollte seinen Kindern und seiner Frau ein leichteres Leben ermöglichen. (vk)
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