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Wie hoch die Sterblichkeit bei einer Infektion mit der Vogelgrippe ist, hängt vom Stamm und Virussubtyp ab. Infizierte in den USA hatten bislang milde Symptome.
Berlin – Die Symptome der Vogelgrippe sind jenen der saisonalen Grippe sehr ähnlich. Forschende sehen angesichts der zuletzt steigenden H5N1-Fälle bei Kühen in den USA die Gefahr einer Übertragung auf den Menschen – und das Risiko einer neuen Pandemie.
Pandemie-Gefahr auch bei Menschen? H5N1-Virus in den USA bei Kühen auf dem Vormarsch
In den USA sind laut der US-Gesundheitsbehörde über 130 mit H5N1 infizierte Tiere in verschiedenen US-Bundesstaaten erfasst. Vereinzelt erkrankten in den USA auch Menschen an dem Virus, die in engem beruflichen Kontakt zu vermutlich infizierten Tieren standen. Die Symptome waren Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge „mild“. Bislang seien neben respiratorischen Symptomen auch Bindehautentzündungen bei den Erkrankten aufgetreten, hieß es.
Das Vogelgrippe-Risiko für die Bevölkerung in Europa und Deutschland sei weiterhin gering, so das RKI. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kommentierte Ende Mai, er sehe derzeit keine Pandemie-Gefahr.
Bei anderen Varianten der Vogelgrippe, auch aviäre Influenza genannt, gab es in der Vergangenheit eine relativ hohe Sterblichkeitsrate. Je nach Stamm und Virussubtyp liegt die Mortalität laut RKI zwischen 20 und 60 Prozent. Seit 2003 erkrankten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge weltweit 2.600 Menschen an dem H5N1-Virus, im Zusammenhang mit der Erkrankung wurden 1100 Todesfälle nachgewiesen. Der Großteil der Fälle trat im asiatisch-pazifischen Raum auf. Angesichts der nun erstmals bei Milchkühen festgestellten H5N1-Fälle schlugen Forschende bereits Alarm. Insbesondere kritisierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die unzureichende Überwachung und Eindämmung der Fälle bei Milchkühen in den USA.
Vogelgrippe-Symptome in der Übersicht: Viele Beschwerden ähneln der Grippe
Die Inkubationszeit der Vogelgrippe beträgt einen bis fünf Tage. Dann können folgende Beschwerden auftreten:
- Hohes Fieber
- Husten
- Atemnot
- Halsschmerzen
- Muskelschmerzen
- Mitunter Durchfall und Erbrechen
- Extreme Atembeschwerden oder Lungenentzündungen
Quellen: Helmholtz-Institut, RKI, MSD Manual
So kann eine Ansteckung mit der Vogelgrippe erfolgen
Laut aktuellem Stand der Wissenschaft „scheint es in erster Linie bei engem Kontakt mit erkrankten oder verendeten Vögeln sowie deren Produkten oder Ausscheidungen zur Übertragung der Viren auf den Menschen zu kommen“, teilt das RKI mit. Eine Übertragung kann beispielsweise über die Luft oder durch Schmierinfektion erfolgen.
Um eine Infektion festzustellen, wird eine Probe aus Nase oder Rachen untersucht. Im Fall einer Erkrankung gibt es antivirale Medikamente wie Baloxavir, Oseltamivir oder Zanamivir, die laut dem Fachblatt MSD Manual die Überlebenschancen erhöhen. In Deutschland wurden bei Menschen bislang noch keine Infektionen mit aviären Influenzaviren gemeldet. Zudem gab es weltweit bislang noch keinen dokumentierten Fall, bei dem eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgte.
Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, hatte die Ausbreitung von H5N1 in den USA unlängst als möglichen Auslöser einer kommenden Pandemie bezeichnet. Vergleichbar mit der Corona-Pandemie ist die Gefahr nach Ansicht des Vizepräsidenten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Martin Beer, allerdings nicht.
Denn Influenza-Stämme würden schon lange überwacht und auch Impfstoffe gegen mögliche Pandemie-verursachende Varianten würden regelmäßig festgelegt, wie der Experte der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Die Situation ist eine ganz andere als bei Sars-CoV-2“, so Beer weiter. China jedenfalls war bei der Eindämmung in der Vergangenheit bereits recht erfolgreich: Seit 2017 wird Geflügel dort gegen Varianten des Vogelgrippe-Virus. Dia Zahl der Fälle bei Geflügel sowie beim Menschen sanken in China daher laut RKI deutlich.
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