Die Akte Prevost

Schwere Vorwürfe, belastende Fotos: Was steckt hinter der Kritik an Papst Leo XIV.?

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Robert F. Prevost ist der neue Papst Leo XIV. – und prompt werden alte Vorwürfe aufgewirbelt. Zusätzlich werden Forderungen laut, er solle jetzt reagieren.

Rom – Er war noch nicht einmal öffentlich vorgestellt worden, da bekam Papst Leo XIV. bereits Post. Quasi mit dem weißen Rauch verschickte die Vereinigung von Missbrauchsbetroffenen SNAP (Survivors Network of Those Abused by Priests) einen offenen Brief an den neuen Papst.

Offener Brief an neuen Papst Leo XIV. wirbelt alte Vorwürfe gegen Robert F. Prevost auf

Den Brief hätte wohl jeder andere Papst auch erhalten, im Fall von Leo XIV. wirbelt er allerdings konkrete Vorwürfe auf. Erst im März stellte SNAP gegen Robert Francis Prevost, damals noch Kardinal, eine „Anzeige“. Papst Franziskus hatte das Kirchenrecht dahingehend angepasst, dass das jeder tun kann – unabhängig von rechtlicher Relevanz. Offizielle Beschwerden wurden auch gegen Péter Erdő, Kevin Farrell, Victor Manuel Fernandez, Mario Grech und Luis Antonio Tagle eingereicht. Allen sechs Kardinälen warf SNAP vor, Missbrauchsverfälle vertuscht oder falsch behandelt zu haben.

Neuer Papst Leo XIV.: Vatikan veröffentlicht die ersten Bilder nach der Wahl

Pope Leo XIV American Cardinal Robert Francis Prevost Successor of Pope Francis
Robert Francis Prevost wurde zum neuen Papst gewählt. Er trägt den Namen Leo XIV. © IMAGO / ABACAPRESS
Der neu gewählte Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan.
Der neue Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. © Marijan Murat/dpa
Erste Rede von Papst Leo XIV
In seiner ersten Rede als Papst bedankte sich Papst Leo XIV. unter anderem bei den Kardinälen und sprach über den Frieden. © Screenshot/Vativan News
Segen Papst
Am Freitagabend (8. Mai) sprach der neu gewählte Papst Leo XIV. zum ersten Mal seinen Segen aus. © Screenshot/Vativan News
Menschen am Petersplatz
Tobender Jubel auf dem Petersplatz, wo die Gläubigen sich massenhaft versammelt haben, um den ersten Segen von Papst Leo XIV. zu empfangen. © Screenshot/Vatican News
Besucher auf dem vollen Petersplatz
Mit Papst Leo XIV. kommt erstmals das Kirchenoberhaupt aus Nordamerika. © Screenshot/Vatincan News
Konklave zur Wahl des neuen Papstes
Weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle verkündet die Entscheidung: Ein neuer Papst wurde gewählt – ein bedeutender Moment für die katholische Kirche.  © Andrew Medichini/dpa
Konklave zur Wahl des neuen Papstes
Auf dem Petersplatz wartete eine Menschenmenge darauf, den neuen Papst zu begrüßen. © Markus Schreiber/dpa
Vor dem Konklave
Die Wahl zum Papst begann am 7. Mai, schon am 8. Mai wurde der neue Papst bekannt gegeben. © Alessandra Tarantino/dpa
Menschenmenge am Petersplatz
Auf dem Petersplatz drängten sich die Leute dicht an dicht, um beim ersten Auftritt des Papstes dabei zu sein. © Screenshot/Vatican News
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes beginnt
Insgesamt 133 Kardinäle haben den neuen Papst gewählt. © Oliver Weiken/dpa
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes
Gläubige richten ihre Handys und Kameras auf die schwarzen Rauchwolken der Sixtinischen Kapelle – das Konklave wird auch auf einem Monitor live begleitet. © Emilio Morenatti/dpa
Papst Franziskus gestorben - Argentinien
Der neue Papst folgt auf Papst Franziskus, der im Jahr 2013 gewählt wurde und in diesem Jahr verstarb. © Martin Cossarini/dpa
Erst im März 2025 leitete der Papst als Kardinal Robert Francis Prevost ein Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.
Erst im März 2025 leitete der Papst als Kardinal Robert Francis Prevost ein Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz. © Kirsty Wigglesworth/dpa
Als Kardinal erhielt Leo XIV. (rechts) im September 2023 seine Biretta vom verstorbenen Papst Franziskus.
Als Kardinal erhielt Leo XIV. (rechts) im September 2023 seine Biretta vom verstorbenen Papst Franziskus. © Riccardo De Luca/dpa
Mitte der 1980er Jahre war Papst LEO XIV. als Missionar in Peru tätig.
Mitte der 1980er Jahre war Papst LEO XIV. als Missionar in Peru tätig. Dort gründete er Pfarreien, leitete ein Priesterseminar und war in der Bischofsausbildung aktiv. 2015 ernannte ihn Franziskus zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden des Landes. © Diocese of Chulucanas/dpa
Papst Leo XIV. Konklave Wahl Papstwahl Vatikan Bilder erste Aufnahmen
Papst Leo XIV. wenige Augenblicke nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche. © Rai News
Kardinal Robert Francis Prevost Papst Leo XIV
Bevor Kardinal Robert Francis Prevost zu tausenden Menschen am Petersplatz spricht, hat er Augenblicke nach der Wahl zum Papst noch innige Momente im Vatikan. © Rai News
Erste Glückwünsche für den neu gewählten Papst Leo XIV.
Erste Glückwünsche für den neu gewählten Papst Leo XIV.  © Rai News
Papst Leo XIV beim Verlassen der Sixtinischen Kapelle Vatikan
Unter tosendem Applaus der Kardinäle: Papst Leo XIV beim Verlassen der Sixtinischen Kapelle. © Rai News

Missbrauchsopfer erheben zwei schwere Vorwürfe gegen Papst Leo XIV. – Fotos beigelegt

In einem Schreiben an Vatikan-Staatssekretär Pietro Parolin äußerte die Organisation „ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Verhaltens von Kardinal Robert Francis Prevost“. Zwei konkrete Vorwürfe fallen gegen den jetzigen Papst Leo XIV.:

Im Jahr 2000 soll Prevost demnach als Provinzial der Augustiner (Regionalleiter) einem Priester erlaubt haben, im Kloster St. John Stone in unmittelbarer Nähe einer Grundschule in Chicago zu wohnen. Der Mann wurde damals des Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt, sein Amt war laut dem Fachportal The Pillar seit 1991 eingeschränkt.

2022 sollen sich drei Missbrauchsopfer in Chiclayo (Peru) bei den Zivilbehörden gemeldet haben, weil die dortige Diözese ihre Fälle nicht vorantreibe. Zu dieser Zeit war Prevost Bischof von Chiclayo und die Opfer behaupten seitdem, er habe damals keine Untersuchungen eingeleitet, unzureichende Informationen nach Rom übermittelt und dem verdächtigen Priester erlaubt, weiterhin Gottesdienste zu halten. Letzteres sollen Fotos beweisen, die einem offenen Brief beigelegt worden waren.

Papst Leo XIV.: Zum Amtsantritt muss sich Robert F. Prevost mit Vorwürfen auseinandersetzen.

Kardinäle um Prevost weisen Anschuldigungen zurück – „erledigt“

Heftige Vorwürfe gegen den neuen Papst, der als „Brückenbauer“ der Kirche fungieren soll. Wie das Domradio (ein Medienportal des Erzbistums Köln) berichtet, hatten Prevost und alle anderen genannten Kardinäle die Anschuldigungen noch im März umgehend zurückgewiesen. Die meisten Fälle seien, so die Erklärung, durch Tod der Täter oder einschlägige Urteile der vatikanischen Glaubensbehörden erledigt. Mit Sicherheit ein schwacher Trost für Betroffene.

Öffentlich geäußert hat sich der jetzige Papst Prevost laut der Plattform BishopAccountability allerdings nie. Zu den Vorwürfen aus Peru habe er auf eine Verteidigungsrede der Diözese verwiesen, die andeutet, er habe damals als Bischof alle notwendigen kirchenrechtlichen Schritte unternommen.

Vereinigung stellt fünf Forderungen an Papst Leo XIV.

Der Sachverhalt ist komplex und die Vorwürfe gegen Papst Leo XIV. schwer zweifelsfrei zu belegen. Die Vereinigung von Missbrauchsopfern richtet den Blick auf die Zukunft und stellt fünf Forderungen, die Prevost in seinen ersten 100 Tagen als Papst umsetzen soll:

  • Eine unabhängige globale Wahrheitskommission mit voller Zusammenarbeit mit dem Vatikan.
  • Ein universelles Null-Toleranz-Gesetz, das in das kanonische Recht aufgenommen wurde.
  • Internationale Rechtsabkommen, die Transparenz und Rechenschaftspflicht vorschreiben.
  • Ein von Überlebenden finanzierter Entschädigungsfonds, der aus Kirchenvermögen gespeist wird.
  • Und ein Global Survivors Council mit der Befugnis, die Einhaltung zu überwachen und durchzusetzen.

SNAP fragt Papst Leo XIV. konkret: „Sie können die Missbrauchskrise beenden – die einzige Frage ist: Werden Sie es tun?“ Der Fünf-Punkte-Plan der Organisation dürfte natürlich etwas zu ambitioniert sein, auf jeden Fall innerhalb von 100 Tagen. Aber, was Betroffenen Hoffnung machen könnte: Von Papst Leo XIV. wird erwartet, er werde den Kurs von Franziskus zumindest in Grundzügen weiterverfolgen. Mehr Transparenz und Entschlossenheit beim Kampf gegen Missbrauch war eines der wichtigsten Anliegen für den Argentinier – auch für die Kardinäle beim Vor-Konklave nach dessen Tod. In einem Interview mit Vatican News aus dem Jahr 2023 sagte Prevost außerdem: „Es ist dringend notwendig, dass wir verantwortungsvoller und sensibler mit diesem Thema umgehen.“ (moe)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Vatican media

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