VonMoritz Bletzingerschließen
Die Gefahr von Wildunfällen nimmt mit der Zeitumstellung zu. Insbesondere in Wald- und ländlichen Gebieten sollten Fahrerinnen und Fahrer wachsam sein.
Kassel – Das Regierungspräsidium Kassel mahnt zur Vorsicht vor erhöhtem Wildunfallrisiko im Zuge der bevorstehenden Zeitumstellung auf Winterzeit. Die veränderten Pendlerzeiten könnten zu vermehrten Begegnungen mit Wildtieren führen. „Besonders in den Morgenstunden und in der Abenddämmerung erhöhen schlechte Sichtverhältnisse, Nässe und Wildwechsel das Unfallrisiko“, so die Warnung der Behörde, die auch als Obere Jagdbehörde des Landes fungiert.
Zeitumstellung im Oktober erhöht Unfallgefahr auf Straßen in Deutschland
Insbesondere in Waldgebieten und ländlichen Regionen sollten Autofahrer besonders wachsam sein. Bei Sichtung eines Wildtiers sollte die Geschwindigkeit reduziert und vorsichtig vorbeigefahren werden. Da Wildtiere selten allein unterwegs sind, sollte man stets mit weiteren Tieren rechnen.
Nach einem Wildunfall sollte die Fahrerin oder der Fahrer die Unfallstelle mit Warnblinkern und Warndreieck absichern und die Polizei informieren. Diese benachrichtigt dann die zuständigen Jagdverantwortlichen.
Es wird dringend davon abgeraten, sich einem verletzten Tier zu nähern, da es in Panik geraten und fliehen könnte. „Auch die besten Absichten erlauben es nicht, das Tier in das eigene Auto zu laden und mitzunehmen“, unterstreicht das Regierungspräsidium. In extremen Fällen könnte dies sogar zu einer Anzeige wegen Wilderei führen. Ein totes Tier sollte nicht berührt werden, um das Risiko von Krankheitsübertragungen und Verletzungen zu vermeiden.
Wildunfall nach Zeitumstellung im Herbst? „Kommen häufig auch Menschen zu Schaden“
Die Behörde weist darauf hin, dass das Verlassen der Unfallstelle ohne Meldung gegen das Tierschutzgesetz verstößt. „Vom Unfallort Flüchtenden können anschließend rechtliche Unannehmlichkeiten drohen“, so die Behörde.
In Hessen fallen jährlich etwa 15.000 Rehe und fast 4000 Wildschweine dem Straßenverkehr zum Opfer. „Bei Unfällen kommen häufig auch Menschen zu Schaden und es entstehen oft hohe Sachschäden“, erklärt das Regierungspräsidium. Bei einem Wildunfall wird das Tier oft nicht sofort getötet. Es kann vorkommen, dass sich die Tiere trotz schwerer Verletzungen noch entfernen. „Dann müssen Jägerinnen und Jäger das verletzte Wild mit speziell ausgebildeten Jagdhunden nachsuchen, um es von seinen Qualen zu erlösen.“
Unfallgefahr in der Winterzeit: ADAC rät zur Vorsicht – Landesjagdverband erklärt Risiko-Zeiten
Der ADAC rät ebenfalls zur angepassten Geschwindigkeit und vorausschauendem Fahren. „Tiere kennen weder Verkehrsregeln noch Zeitumstellung“, sagt Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. „Nur mit ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug behalten Verkehrsteilnehmer den Überblick und kommen bei einer Gefahrenbremsung rechtzeitig zum Stehen.“
Besonders zwischen 6.00 Uhr und 9.00 Uhr morgens ist das Risiko für einen Zusammenstoß hoch, warnt der hessische Landesjagdverband. „Rehe, Hirsche und Wildschweine sind derzeit auf Nahrungssuche, um sich Fettreserven für die kalten Wintermonate anzufressen.“ Wildschweine und Damwild, das sich gerade in der Paarungszeit befindet, sind besonders oft betroffen.
Verhaltenstipps bei Wild auf der Straße: „Kontrolliert bremsen, abblenden und hupen“
„Wenn ein Tier am Straßenrand steht, sollte der Fahrer kontrolliert bremsen, abblenden und hupen“, empfiehlt der Verband. Die Augen der Wildtiere sind empfindlicher als die des Menschen, Fernlicht blendet sie und lässt sie orientierungslos werden. „Der Hupton hilft Wildtieren, sich akustisch zu orientieren und zu flüchten.“ Bei unvermeidbarer Kollision sollte der Fahrer nicht riskant ausweichen, sondern das Lenkrad festhalten und bremsen.
Laut Landesjagdverband ereignen sich täglich etwa 44 Wildunfälle auf Hessens Landstraßen, das sind fast 16.000 pro Jahr. Es gibt 26 Wildunfall-Schwerpunkte im Bundesland.
Der Verband und das hessische Verkehrsministerium planen eine Radio- und Plakatkampagne, um auf die Gefahr von Wildunfällen in der dunklen Jahreszeit aufmerksam zu machen. Ziel der Kampagne ist es, Autofahrer zu sensibilisieren und die Anzahl der Wildunfälle zu reduzieren, so eine gemeinsame Mitteilung. (dpa/moe)
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