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Die Sorge vor einer nuklearen Eskalation im Ukraine-Krieg ist groß. Warum vieles trotzdem dafür spricht, dass ein Atomkrieg 2022 unwahrscheinlich ist.
Moskau – Eine der großen Sorgen im Rahmen des Ukraine-Kriegs ist jene vor einem Atomkrieg 2022: Die Rhetorik überschlägt sich bisweilen. Die atomare Drohung ist die ultimative Möglichkeit, Angst zu schüren. Nichtsdestotrotz gibt es einige Punkte, die dafür sprechen, dass der tatsächliche Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg nicht wahrscheinlich ist. Warum der Historiker Ian Kershaw nicht an eine nukleare Ausweitung des Krieges glaubt und welche Gespräche im Geheimen zuletzt geführt wurden – eine Übersicht.
Atomkrieg 2022 unwahrscheinlich: Putin würde „eigene Vernichtung provozieren“
Die verbale Aufrüstung im Ukraine-Krieg ist Teil der Kriegsdynamik, doch was bedeutet das? Mit Gewissheit lässt sich kaum etwas sagen, denn die Dynamiken von Krieg und Krise sind nicht im Detail vorhersehbar. Dennoch gibt es einiges, was auch in Zeiten verbaler Eskalation gegen einen Atomkrieg 2022 spricht. Im Gespräch mit t-online.de teilt diese Einschätzung auch der Historiker Ian Kershaw.
Er findet klare Worte: „Dieses Risiko wäre für Putin viel zu hoch, damit würde er seine eigene Vernichtung provozieren. Denn beim Einsatz einer Atombombe – welcher Art auch immer – müsste Russland damit rechnen, dass sich der Westen revanchiert. Diese Entscheidungsprozesse hätte er dann nicht mehr unter Kontrolle.“
Hinzu kommt, dass auch ein Wladimir Putin die Entscheidung über die Verwendung atomarer Waffen für einen Atomkrieg 2022 nicht alleine treffen kann. In Moskau gilt das „Drei-Koffer-Prinzip“, wie unter anderem ndaktuell berichtet. Konkret heißt das, dass neben dem russischen Präsidenten auch der Verteidigungsminister oder der Generalstabschef ihre Zustimmung für einen Atomschlag erteilen müssen – zwei der drei Koffer reichen angeblich.
Entscheidend für die weiteren Entwicklungen wäre indes auch ein Verhandlungsforum: Bisher geben beide Seiten den militärischen Sieg im Ukraine-Krieg als Ziel aus – doch gibt es diesen in der Form? Zugeständnisse scheinen aktuell fern, ein Waffenstillstandsabkommen auch. Und die Angst vorm Atomkrieg 2022 bleibt bestehen.
Putins Drohung mit dem Atomkrieg 2022: US-Sicherheitsberater verhandelt mit Putin-Vertrauten
Trotzdem gibt es auch Bewegung hinsichtlich Wladimir Putins Atomdrohung und dem Bemühen, eine nukleare Eskalation und den Atomkrieg 2022 zu verhindern: In den vergangenen Monaten hat sich der US-Sicherheitsberater Jake Sullivan laut Wall Street Journal mit dem Kremlberater Juri Uschakow und dem Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew ausgetauscht. Die Verhandlungen sollen vertraulich gewesen sein und wurden nicht öffentlich geführt.
Bis heute hat das Weiße Haus die Gespräche nicht bestätigt, auch der Kreml kam einer Anfrage um Stellungnahme durch den Spiegel nicht nach. Immerhin: Es scheint, als gäbe es zur Verhinderung einer nuklearen Eskalation noch Gesprächskanäle. Die Verhandlungen waren laut Tagesspiegel aufgenommen worden, als der Kreml die Ukraine beschuldigt hatte eine „schmutzige Bombe“ zu planen und sich die Rhetorik verschärfte.
Beide Seiten werfen sich wechselseitig vor, an einer solchen Waffe zu arbeiten – was ebenfalls beide Seiten dementieren. Im Rahmen dieser rhetorischen Zuspitzung hatten sich der US-amerikanische Verteter und die russische Seite nun offenbar zu Gesprächen getroffen. Dennoch: An der Tatsache, dass die Lage ernst ist, gibt es keine Zweifel. Ein Ausbruch aus der Logik eines endgültigen Sieges im Krieg ist bisher nicht erkennbar.
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