„Machtprojektion auf Distanz“

B-52 gegen China: Trump schwebt eine Zukunft für den Bomber vor

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China hat Angst – vor allem vor der B-52 Stratofortress. Die wollen die USA jetzt in die Zukunft retten; fast um jeden Preis. Aber sie ist störrisch.

Washington D.C. – „Durch Machtprojektion auf lange Distanz sind wir in der Lage, potenzielle Gegner abzuschrecken und unseren strategischen Vorteil als Großmacht auszubauen“, sagte Benjamin Poole vor vier Jahren in einer Veröffentlichung des strategischen Kommandos der USA. Der Oberstleutnant sprach damit vor allem von der Rolle der US-amerikanischen B-52-Bomber im Indopazifik als Korsettstangen der Abschreckung gegen China. Jetzt steht dem Modell im Rentenalter eine Frischzellen-Kur bevor. US-Präsident Donald Trump verfolgt mit der Maschine ehrgeizige Pläne – ihm schwebt quasi ein völlig neues Flugzeug vor.

Ein Besatzungsmitglied des 501. Kampfunterstützungsgeschwaders der US-Luftwaffe begutachtet auf dem RAF-Flugplatz Fairford den Bombenschacht eines B-52 Stratofortress-Bombers während der halbjährlich stattfindenden multinationalen Luftkampfübung „Cobra Warrior“. Die B-52 soll noch ein Vierteljahrhundert zur Abschreckung von China beitragen – was horrend teuer wird.

„Die geplanten Modernisierungen des 70 Jahre alten strategischen B-52-Bombers der US-Luftwaffe sollen diesen Flugzeug-Typ im Grunde zu einem ‚neuen Flugzeug‘ machen“, schreibt Chris Panella. Der Autor des Business Insider berichtet über Bestrebungen von Richard Correll – der Vizeadmiral sei der von US-Präsident Donald Trump nominierte Kandidat für den Posten des Chefs des US Strategic Command, so Panella. Die Boeing B-52 Stratofortress soll neue Triebwerke erhalten und neue Radartechnologie. „Wir fliegen Bombereinsätze im Indopazifik, um die Glaubwürdigkeit unserer Streitkräfte unter Beweis zu stellen und gleichzeitig ein vielfältiges, sicheres Umfeld zu gewährleisten“, sagt Benjamin Poole über die Bomber Task Force (BTF) der Pacific Air Forces auf der Pazifikinsel Guam. Sie soll Eindruck schinden gegenüber etwaigen militärischen Aktionen Chinas.

Trumps B-52-Bomber: „Im Grunde handelt es sich also um einen Lkw für Langstreckenbomben und Raketen“

Demgegenüber warnen Kritiker vor zu hohen Kosten. Wie das Magazin Defense News berichtet hat, arbeiteten die USA an einer umfassenden Modernisierung der US-Bomberflotte. Demnach stünde die Einführung des neuen B-21-Raider als neuer Tarnkappenbomber an. Die B-1 Lancer und B-2 Spirit sollten ausgemustert werden. „Irgendwann in den 2030er Jahren plant die Luftwaffe, über eine Flotte von zwei Bombern zu verfügen – mindestens 100 B-21 und die derzeitige Flotte von 76 B-52, die durch eine Reihe von Upgrades von Grund auf modernisiert werden sollen“, schreibt Defense News-Autor Stephen Losey. Allerdings geraten diese ambitionierten Pläne ins Stocken, da die B-21 zwar schneller produziert werden könnten, allerdings den Kostenrahmen erheblich sprengten, wie die Flugrevue berichtet.

„Unter anderem bedeuten die geschlossenen Bombenschächte der B-52, dass Gegner nicht mit Sicherheit wissen können, ob und in welcher Menge ein Bomber bei einem bestimmten Einsatz konventionelle oder nukleare Waffen an Bord hat.“

Jake Bartman, Los Alamos National Laboratory

Und den USA gehen die Mittel aus, da sich Donald Trump voll auf F-47-Kampfjets und Drohnen konzentrieren will. Und dennoch: „Im Grunde handelt es sich also um einen Lkw für Langstreckenbomben und Raketen“, schrieb Sebastien Roblin im Jahr 2016. Der Autor des Magazins The National Interest bezog sich auf die Zuladung der B-52 von fast 32 Tonnen Sprengstoff, die über eine Reichweite von 14.000 Kilometern transportiert werden kann. Damit nicht genug. Offenbar gilt die B-52 als das Schweizer Messer der US-Bomberflotte; sie könne „das breiteste Spektrum an konventionellen und nuklearen Bomben und Raketen“ tragen, behauptet Jake Bartman. Laut dem Autor des Magazins des „Los Alamos National Laboratory“ soll die Maschine noch mindestens ein Vierteljahrhundert im Dienst verbleiben.

Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada
Sie ist der Schrecken der Moderne und galt lange Zeit als die größte Bedrohung für das Überleben der Menschheit: die Atombombe. Ihre Erfindung nahm ihren Anfang mit der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann im Jahr 1938. Der erste Test einer Atomwaffe fand am 16. Juli 1946 im US-Bundesstaat New Mexico statt. Dieses Foto zeigt den ikonografischen Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada. © dpa
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer.
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer. Der Atomphysiker leitete das „Manhattan Project“, in dem unter höchster Geheimhaltung ein nuklearer Sprengkörper entwickelt werden sollte. Nach dem ersten erfolgreichen Test war Oppenheimer die Tragweite seiner Erfindung offenbar schnell bewusst. Das machte der Wissenschaftler mit einem aus der Bhagavad Gita, einer heiligen Schrift im Hinduismus, entliehenen Zitat deutlich: „Ich bin zum Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“ © Imago
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“ und war Teil des „Trinity Tests“, der unter Leitung Oppenheimers am 16. Juli 1945 durchgeführt wurde. In diesem Bild posiert der Atomphysiker Norris Edwin Bradbury einen Tag zuvor, am 15. Juli 1945, mit der im Bau befindlichen Bombe. Die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte hatte eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT.  © Imago
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren.
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren. Die Pilzwolke erreichte eine Höhe von etwa zwölf Kilometern. Aufgrund der enormen Hitze, die durch die Atomexplosion freigesetzt wurde, schmolz der Sand in der Umgebung zu grünlichem Glas, das auch als Trinitit bezeichnet wird. Es folgen zahlreiche weitere Tests, darunter dieser am 1. März 1954 auf dem Bikini Atoll im Pazifischen Ozean. © Imago
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945.
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945. © Imago
Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada.
In den Folgejahren testeten die USA munter weiter. Die Sprengkraft der Atombomben wurde dabei sukzessive erhöht. Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada. © Imago
Soldaten zu Versuchszwecken in der unmittelbaren Nähe von Atomtests
Zu Beginn der Atomwaffenforschung in den USA ignorierte die damalige Militärführung die Gefahren, die durch die radioaktive Strahlung für Menschen in der Umgebung der Explosion entstand. Stattdessen schickte man tausende Soldaten zu Versuchszwecken in die unmittelbare Nähe der Atomtests, wie hier im Jahr 1951 im US-Bundesstaat Nevada. Die größtenteils jungen Soldaten wurden angewiesen, während der Tests die Augen mit Händen oder Ellbogen zu schützen. © imago
Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki
Im Zweiten Weltkrieg kam es zum ersten und bislang einzigen Einsatz von Atomwaffen. Am 6. August bombardierten die USA zuerst die japanische Stadt Hiroshima mit einer Kernwaffe. Am 9. August folgte der zweite Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki (im Bild). Den Befehl zum Abwurf gab der damalige US-Präsident Harry S. Truman. Sechs Tage nach der Bombardierung von Nagasaki gab Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans bekannt. © Imago
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“. Den Sprengkörper, der kurz darauf Nagasaki zerstörte, taufte die US-Luftwaffe auf den Namen „Fat Man“. Die Militärführung der USA wählte die Großstadt Hiroshima als erstes Ziel, weil diese von Luftangriffen bis dahin verschont geblieben war. Die Auswirkungen einer Atombombe konnten so besser eingeschätzt werden. © Imago
Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft.
Die Folgen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren verheerend. Die Explosionen töteten laut Schätzungen etwa 100.000 Menschen sofort. An Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den Folgejahren starben weitere Menschen an durch die nukleare Strahlung ausgelösten Krankheiten. Japan gibt die Gesamtzahl der Todesopfer mit etwa 540.000 an. Im Bild zu sehen ist eine Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft. © Imago
Friedensdenkmal von Hiroshima
An den Einschlag der Atombombe in Hiroshima erinnert noch heute das dortige Friedensdenkmal. Untergebracht ist es einem 1915 erbauten Haus, das infolge der Explosion vollständig ausbrannte. Wegen des geringen Abstands von 140 Metern zum Einschlagsort der Atombombe blieben viele Gebäudestrukturen erhalten, darunter auch die charakteristische Stützkonstruktion des Kuppeldachs. © Imago
Sasaki-Denkmal
In unmittelbarer Nähe des Friedensmuseums befindet sich das Friedensdenkmal der Kinder. Es erinnert an die Schülerin Sadako Sasaki, die zur weltweit bekanntesten Hibakusha (Überlebende der Atombombenabwürfe) wurde. Sie wurde 1943 geboren, blieb zunächst unverletzt, erkrankte aber zehn Jahre später an Leukämie. Sie starb am 25. Oktober 1955 im Alter von 12 Jahren. Die von ihr gefalteten Origami-Kraniche sind zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Atomkrieg geworden. © Imago
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlich so die Wirkung der Atombombe.
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlicht so die Wirkung der Atombombe. © Imago
Die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit
Am 31. Oktober 1952 gelang den USA der nächste Durchbruch bei der Erforschung von Massenvernichtungswaffen. Unter dem Codenamen „Ivy Mike“ wurde die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit über dem Pazifik gezündet. Die Bombe setzte eine Energie von mehr als 10 Megatonnen TNT-Äquivalent frei, was der 800-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe entsprach. © Imago
Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch
Die USA sind bis heute die einzige Nation, die je eine Atomwaffe in einem Krieg eingesetzt hat. Sie sind aber nicht das einzige Land, das nukleare Bomben im Arsenal hat. Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch (im Bild) – und leitete damit einen nuklearen Rüstungswettlauf mit den USA ein, der die Beziehungen beider Länder die nächsten 50 Jahre bestimmen sollte. © Imago
Rakete des Typs Topol-M
Heute soll Russland über mehr als 5400 Atomsprengköpfe verfügen. Bei den jährlich stattfindenden Militärparaden in Moskau präsentiert das Land unter Machthaber Wladimir Putin immer wieder voller Stolz seine atomar bestückbaren Langstreckenraketen, so geschehen im Jahr 2010, als eine Rakete des Typs Topol-M über den roten Platz rollte. © dpa
Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte.
Am 2. Oktober 1952 wurde Großbritannien als dritte Nation der Welt zur Atommacht. Diese Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte. © Imago
Erster erfolgreicher Atomwaffentest Frankreichs nahe der Stadt Reggane in Algerien
Am 13. Februar 1960 folgte Frankreich. Die „Grande Nation“ unternahm ihren ersten erfolgreichen Atomwaffentest nahe der Stadt Reggane, die sich in Algerien befindet und von Wüste umgeben ist. Insgesamt 17 nukleare Sprengkörper zündete die französische Armee dort zu Testzwecken in den Folgejahren, davon vier oberirdisch. © Imago
die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls.
Es folgten zahlreiche weitere französische Atomwaffentests, der Großteil auf dem Moruroa-Atoll im Süd-Pazifik. Von 1966 bis 1995 sollen dort insgesamt 179 Kernwaffen gezündet worden sein. Im Bild zu sehen sind die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls. © AFP
Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris
Frankreichs Präsident Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris, geriet infolge der Atomwaffentests in den 1990er Jahren in die Kritik. Es dauerte bis ins Jahr 2008, ehe Frankreich die negativen Auswirkungen der jahrelangen Atomwaffentests auf das Mururoa-Atoll anerkannte und sich bereit erklärte, Entschädigungen für das militärische Personal und betroffene Zivilisten zu übernehmen. © AFP
chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln.
Am 16. Oktober 1964 wurde die Volksrepublik China Mitglied im erlauchten Kreis der Atommächte. Mithilfe von sowjetischer Technik gelang es den Wissenschaftlern der sozialistischen Diktatur, 15 Jahre nach ihrer Gründung eine eigene Kernwaffe zu entwickeln. Auf dem Bild zu sehen sind chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln. © Imago
indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklerwaffe kam.
Indien gilt seit 1974 offiziell als Atommacht. Im Bild zu sehen sind indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklearwaffe kam. © Imago
Atrappe der pakistanischen Atombombe
Im Jahr 1976 begann daraufhin das Atomwaffentestprogramm in Pakistan. Der erste erfolgreiche Atomwaffentest Pakistans erfolgte aber erst 1998. Seitdem gilt auch das mit Indien verfeindete Nachbarland offiziell als Atommacht. Beide Staaten streiten bis heute über die Grenzregion Kaschmir. Bei einer dortigen Demonstration im Jahr 2002 trugen Teilnehmer eine Attrappe der pakistanischen Atombombe durch die Straßen. © AFP
israelische F-15-Kampfjets
Israel gilt seit 1985 als faktische Atommacht. Offiziell ist das Nuklear-Programm des Landes aber bis heute nicht. Das Atomwaffenarsenal des Landes wird auf bis zu 200 Sprengköpfe geschätzt. Abgefeuert werden können diese unter anderem von israelischen F-15-Kampfjets (im Bild) und U-Booten der Dolphin-Klasse. © Imago
m Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben.
Im Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben. International traf diese Behauptung zunächst auf Skepsis. Doch kurz darauf schienen seismische Messungen die Angaben zu bestätigen. Im Jahr 2009 sollen weitere erfolgreiche Tests unternommen worden sein. Zweifelsfrei bestätigt ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas bis heute aber nicht. Zeitgleich entwickelte Nordkorea unter der Führung von Kim Jong-un Trägerraketen mit hoher Reichweite (im Bild). © Imago
Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, Iran
Auch der Iran betreibt seit Jahren atomare Forschung. Laut dem Mullah-Regime geht es dabei aber nur um die zivile Nutzung der Kernenergie. Sowohl Israel als auch die mit ihm verbündeten USA bezweifeln dies und gehen davon aus, dass der Iran in Uran-Anreicherungsanlagen wir hier in Natanz auch an der Entwicklung von waffenfähigem Plutonium forscht. © Imago

„Unter anderem bedeuten die geschlossenen Bombenschächte der B-52, dass Gegner nicht mit Sicherheit wissen können, ob und in welcher Menge ein Bomber bei einem bestimmten Einsatz konventionelle oder nukleare Waffen an Bord hat“, schreibt Bartman. Insofern verbreitet die B-52 Stratofortress nach außen hin Unsicherheit – nach innen wiederum bietet sie das Gegenteil, wie Bartman unterstreicht: Sollte sie Atomwaffen tragen, biete sie gegenüber einer Rakete den unschätzbaren Vorteil, dass sie an Bord einer B-52 reversibel sei: Sie könne zurückgerufen werden, um die Apokalypse bis zur letzten Sekunde zu vermeiden. Deshalb soll Boeing die Maschine zukunftsfähig machen – was aktuell Schwierigkeiten bereitet und das Projekt um Monate zurückwerfe, wie das Air & Space Forces Magazin bereits Mitte des Jahres berichtet hatte.

USA im Dilemma: Mehrkosten und Verzögerungen bei Modernisierung von B-52

Die Lufteinlässe der acht Triebwerke werden optimiert – und das dauert offenbar länger als geplant. Wie Air & Space Forces berichtete, hätten „anhaltende Probleme mit dem Triebwerkseinlass“ zu einer zehnmonatigen Verzögerung geführt, so das Government Accountability Office (GAO), vergleichbar mit dem deutschen Rechnungshof. Die zweite große Baustelle liegt in der Modernisierung des Radars – was ebenso ein Leichtes zu sein versprach, aber dann sukzessive eskalierte, wie Magazin-Autor John A. Tirpak berichtet hat. Das Projekt bewegt sich offensichtlich auf einen Kipppunkt zu: Laut dem GAO werde die Erreichung des Ziels fast 50 Prozent länger dauern als die ursprünglich geplanten fünf Jahre – insgesamt also fast neun Jahre, so Tirpak.

„Die Luftwaffe deutete kürzlich an, dass diese Verzögerung wahrscheinlich einen sogenannten Nunn-McCurdy-Verstoß auslösen würde, der das Pentagon veranlasst, ein Beschaffungsprogramm zu überprüfen und die erwarteten Kosten und den Zeitplan neu zu berechnen“, schreibt Air & Space Forces. Laut dem US-Kongress verpflichte der Nunn-McCurdy-Act das Verteidigungsministerium, dem Kongress zu berichten, wenn ein Major Defense Acquisition Programs eine Kostenüberschreitung über eine bestimmte Schwelle hinaus nach sich ziehe. Abhängig von der Größe des Programms und dem Ausmaß der Kostenüberschreitung sei das Verteidigungsministerium gesetzlich verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen und dem Kongress über seine Ergebnisse zu berichten – notfalls drohe die Einstellung der angestrebten Maßnahme.

Kosten von B-52-Upgrade explodieren – Trumps „Stratosphärenbomber“ macht Probleme

Darauf steuert das B-52-Upgrade offensichtlich zu – mit vollem Schub. Der GAO schlägt einen Kompromiss vor: Donald Trump erhalte nicht den Flieger, den er sich wünsche, aber einen, den er sich leisten könne. Kein völlig neues Flugzeug, wie das Chris Panella offensichtlich verspreche, sondern eines, das mit jeder kleinen Änderung dorthin auszuwachsen imstande sei. „Verteidigungsbeschaffungsprogramme sind seit Langem von Rückschlägen geplagt, da sie mit der Einführung neuer Ausrüstung oder Software warten, bis eine Vielzahl von Fähigkeiten entwickelt ist, anstatt den Truppen ein minimal funktionsfähiges Produkt anzubieten und dieses später zu verbessern“, schreibt John Tirpak. Dennoch scheint der „Stratosphärenbomber“ unabdingbar zu sein innerhalb der schweren Bomberverbände der US-Luftwaffe.

Die beiden weiteren Modelle werden keine Upgrades erhalten – die B-1 Lancer sowie die B-2 Spirit gehen ihrer Ausmusterung entgegen und werden durch die B-21 Raider ersetzt. Allerdings scheint die B-52 mehr Schwierigkeiten zu machen, als das angedacht war. Laut Air & Space Forces sei die Hardware so alt, dass sie nicht einfach in das digitale Zeitalter transponiert werden könne, sondern umfangreich neu konstruiert werden müsse. Möglicherweise würde von der B-52 tatsächlich nur die gewohnte Optik übrig bleiben und die Funktionen in das 21. Jahrhundert übertragen. Wobei tatsächlich der reale Wert der B-52 inzwischen infrage gestellt wird: Die Reputation der Maschine auf der einen Seite gegenüber der Option, vollständig in neue Technik zu investieren, und für weniger Kosten mehr Zukunft zu erhalten.

China sieht sich von der B-52 stark bedroht: Wissenschaftler sprechen ihr „höchsten strategischen Wert“ zu

Allerdings soll jetzt eine Studie belegt haben, dass die Chinesen nichts stärker fürchten als eben die betagte B-52 – das hat Mitte des Jahres die South China Morning Post als Ergebnis einer Studie veröffentlicht. Die Early Warning Academy der Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee in Wuhan sei zu dem Schluss gekommen, dass die B-52H im Falle eines begrenzten nuklearen Angriffs den ‚höchsten strategischen Wert‘ hätte. Die B-52H stünde damit an die Spitze einer von den Forschern entwickelten Bedrohungsrangliste. Dies aufgrund der Charaktereigenschaften des Modells B-52H, vier Atombomben tragen zu können, darüber hinaus ein fortschrittliches Radar zu haben sowie Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung, berichtet Stephen Chen.

Allerdings bleibt die Frage, was den USA dieser Vorteil wert sein werde, fragt John A. Tirpak, wenn er den Chef des Air Force Global Strike Command im Air & Space Forces Magazin zitiert. Falls die Modernisierung der B-52 „schlechter verläuft als erhofft“, so General Thomas A. Bussiere, führe das dazu, dass „wir mehr brandneue B-21-Stealth-Bomber benötigen würden“. (Quellen: Strategisches Kommando der USA, Los Alamos National Laboratory, US-Kongress, Business Insider, Defense News, Flugrevue, The National Interest, Air & Space Forces, South China Morning Post) (hz)

Rubriklistenbild: © Henry Nicholls/AFP

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