Rüstungsindustrie am Limit: US Air Force soll Kampfjet-Defizit haben
VonPatrick Freiwah
schließen
Im Ringen um die Lufthoheit setzt die US Air Force auf moderne Kampfjets. Doch Lieferengpässe und Modernisierungskosten bremsen den militärischen Aufschwung.
Washington/München – Die US-Air Force steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Um die festgelegten Ziele für die nationale Verteidigung zu erreichen, benötigt das US-Militär in den kommenden Jahren offenbar deutlich mehr Kampfjets.
Laut einem aktuellen Bericht an den US-Kongress fehlen fast 300 Flugzeuge, um die Vorgaben der Trump-Regierung zu erfüllen. Gleichzeitig ist die Rüstungsindustrie am Limit, während die Modernisierung der Flotte Milliarden US-Dollar kostet. Doch wie will die USAF die Lücke schließen – und wer zahlt am Ende die Rechnung?
US-Militär: Air Force soll viel zu wenig Kampfjets haben
Das US-Militär hat klare Ziele – und eines davon lautet Aufrüstung: Laut einem Bericht, den Air Force Secretary Troy Meink unterzeichnete, braucht die amerikanische Luftwaffe jährlich 1558 einsatzbereite Kampfflugzeuge, um die Anforderungen des „National Defense Authorization Act“ zu erfüllen. Aktuell stehen jedoch nur 1271 Maschinen zur Verfügung – eine Lücke von fast 300 Jets, hierzulande berichtete zunächst FLUG REVUE.
Kampfjet F-15EX Eagle II auf einer Air Base in Michigan: Einem Bericht zufolge soll die Flotte der US-Luftwaffe um mehr als 1000 Flugzeuge aufgestockt werden.
Die Verantwortlichen warnen: Ohne zusätzliche Kampfflugzeuge könne die USAF ihre Aufgaben nicht erfüllen. „Wir müssen die Beschaffung neuer Flugzeuge deutlich beschleunigen“, heißt es im Bericht, der von Inside Defense veröffentlicht wurde. Nur so könne man sich auf Bedrohungen durch gleichwertige Gegner wie China vorbereiten.
US-Air Force zwischen Modernisierung und Kostendruck
Die US-Air Force plant, ihre Flotte zu modernisieren und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit im Auge zu behalten. Bis Anfang der 2030er-Jahre könnten immerhin 1369 Maschinen bereitstehen – doch das Ziel von 1558 bleibe in weiter Ferne. Teure Modernisierungsmaßnahmen für ältere Modelle erschweren den Kauf zusätzlicher Kampfflugzeuge.
General David W. Allvin, kürzlich zurückgetretener Stabschef der US-Luftwaffe, warnte bereits Anfang 2025 vor zu knappen Ressourcen. Er forderte die amerikanische Öffentlichkeit auf, sich für mehr Mittel für die Luftstreitkräfte einzusetzen, um der chinesischen Volksbefreiungsarmee Paroli bieten zu können. In einem Interview mit Breaking Defense betonte Allvin: „Bedrohungen durch moderne Gegner wie China erfordern höhere Investitionen in die Luftstreitkräfte, selbst auf Kosten anderer Bereiche.“
Neue Kampfflugzeuge sollen her: Lockheed Martin und Boeing im Fokus
Derzeit setzt die US-Air Force vor allem auf die F-35 Lightning II von Lockheed Martin und die F-15EX von Boeing. Die F-35 gilt als das wichtigster Kampfjet des US-Militärs, insgesamt sind 1763 Exemplare für die USAF vorgesehen. Doch die Produktion hinkt hinterher: Im vergangenen Jahr habe Lockheed Martin nur 110 Maschinen ausgeliefert – deutlich unter der angepeilten Rate von 156 pro Jahr.
Das Unternehmen gab jedoch bekannt, die Produktionskapazitäten auch durch die Partnerschaft mit dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall (Fertigung der Mittelsegmente des Rumpfes) auszubauen. Zudem sei die F-35 die „fortschrittlichste Kampfflugzeugtechnologie“ zur Sicherung der Lufthoheit. Auch bei der F-15EX gibt es Engpässe. Boeing plant, die Produktion auf 36 Jagdflieger pro Jahr zu steigern, sofern die finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Bis zum Ende der 2030er Jahre sollen 129 der „Super Eagle“ genannten Flugzeuge an die USAF geliefert werden.
US-Militär: Innovativer Kampfjet von Boeing im Anflug
Mit der Boeing F-47 soll bald ein weiteres Kampfflugzeug zum Arsenal der US-Air Force stoßen. Die Serienfertigung steht kurz bevor, genaue Zahlen fehlen jedoch noch. Der innovative Tarnjappenjäger wird im Rahmen des Programms „Collaborative Combat Aircraft“ gemeinsam mit autonomen Drohnen eingesetzt – als Ergänzung, nicht als Ersatz für bemannte Kampfjets.
Gleichzeitig nimmt die Zahl der verfügbaren Maschinen ab, weil ältere Modelle wie die A-10 Thunderbolt II ausgemustert werden. Die USAF halte dennoch an der schnellen Außerdienststellung fest, um Mittel für neue Programme freizumachen. Ein jährliches Defizit von 400 Millionen Dollar bei Wartung und Instandhaltung verschärft die Lage zusätzlich.
Kampfjets, Kosten und das US-Staatsdefizit: Neue Mittel für die Air Force?
Die Modernisierung der Kampfjet-Flotte kostet Milliarden – und das in einer Zeit, in der die USA ohnehin hoch verschuldet sind. Ökonomen warnen immer häufiger vor den Konsequenzen des wachsenden US-Staatsdefizits. Das Ziel von 1558 Kampfflugzeugen bis 2035 ist dennoch ehrgeizig.
Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken
Die US-Air Force betont, dass dies mit kontinuierlicher Finanzierung und stabilen Produktionsplänen zu schaffen sei. „Das US-Luftwaffenministerium konzentriert sich auf die Modernisierung der aktuellen Flotten von Kampfflugzeugen der fünften Generation und älterer Flugzeugtypen, den Ausbau der Kampffähigkeiten und die Beschaffung neuer fortschrittlicher Kampfjets“, heißt es in dem Dokument, über das mehrere US-Medien berichten. (PF)