VonGiorgia Grimaldischließen
Oft sind sie „nicht böse gemeint“, aber dennoch problematisch. Wir erklären, wieso alle davon profitieren, wenn wir diese Wörter canceln – auch Männer.
Sprache triggert und polarisiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will das Gendern in Schulen und in Behörden verbieten. Mit dieser klaren Haltung gegen eine inklusive Sprache steht der CSU-Politiker nicht alleine da. Der Berliner Komiker Mario Barth füllt riesige Hallen mit seinem Bühnenprogramm, das sich auf Gender-Witze stützt und viele tausende Menschen zum Lachen bringt.
Laut einem RTL/ntv-Trendbarometer von Juli 2023 stört es fast drei Viertel (73 Prozent) der Bundesbürger:innen, wenn Personen „Genderzeichen“ wie Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt oder eine Pause zu Hilfe nehmen, um geschlechtsneutral zu sprechen. Lediglich 22 Prozent der Befragten finden Gendern gut.
Wir sprechen oft unbewusst frauenfeindlich
Eine sensible, nicht diskriminierende Kommunikation muss aber nicht zwangsläufig über Gendern und Inklusion stattfinden. Tatsächlich finden sich in der Alltagssprache viele misogyne (frauenfeindliche) Begriffe, die uns leicht über die Lippen gehen und meist „nicht böse gemeint“ sind.
Dennoch können sie als herabwürdigend und respektlos empfunden werden, auch von Männern und queeren Menschen. Es ist daher wichtig, den Hintergrund gewisser Wörter zu können und wertfreie Alternativen zu nutzen, um keine beleidigenden Inhalte und diskriminierenden Rollenbilder zu reproduzieren. BuzzFeed News Deutschland hat einige Begriffe aufgelistet, die wir aus dem Sprachgebrauch streichen können.
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1. „Du machst xy wie ein Mädchen“
Diesen Spruch haben bestimmt viele Jungen schon gehört. Etwas „wie ein Mädchen“ machen bedeutet in den meisten Fällen zimperlich, weinerlich oder ängstlich zu sein und wertet somit Frauen herab. Gleichzeitig projiziert es ein falsches Männerbild und ist eines von vielen Beispielen für toxische Männlichkeit.
2. „Powerfrau“
Bezeichnen wir eine Frau als „Powerfrau“, ist dies oft als Kompliment gemeint, für eine weibliche Person, die durchsetzungsstark ist und viel leistet. Tatsächlich ist dieser Begriff problematisch. Immerhin wird damit ein Unterschied gemacht, der bei Männern nicht stattfindet. Oder hast du schon mal einen „Powermann“ kennengelernt? Das setzt voraus, jeder Mann hätte „Power“. Bei einer Frau ist das dieser Logik zufolge aber so ungewöhnlich, dass wir es sprachlich betonen müssen. Daher streichen wir diesen Begriff besser.
3. „Working Mom“
Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „Working Mom“. Damit bezeichnen manche Mensche berufstätige Mütter, die nach einer beruflichen Pause durch Mutterschutz und Elternzeit in den Job zurückkehren. Auch hier gibt es kein sprachliches Pendant für Männer, das sich durchgesetzt hat, etwa „Working Dad“. Wir müssen arbeitende Mütter nicht als Besonderheit markieren, weder gesellschaftlich noch sprachlich.
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4. „Transe“
Ein Wort, unzählige Probleme. Es beleidigt Menschen aus der queeren Community, aber auch Männer in Klamotten, die in der „Frauenabteilung“ verkauft werden. Der Begriff gilt zudem als Schimpfwort für Frauen, „die wie Männer aussehen“, in Anlehnung an Drag (Travestie-Kunst), was auch Dragqueens beleidigt. Dieser Ausdruck ist nicht nur diskriminierend, sondern auch veraltet. Trotzdem scheint er sich hartnäckig zu halten. So verwendete die Influencerin Pamela Reif den transfeindlichen Ausdruck und bekam eine Lektion erteilt. In einem weiteren Video entschuldigt sie sich und sagt: „Das, was ich gestern gesagt habe, war einfach so falsch.“
5. „Alte Jungfer“
Alleinstehenden Männern ordnen wir gerne Superlative zu. Auch im Alter. Sie sind dann „ewige Junggesellen“, was viele als attraktiv und unerreichbar empfinden. Sie sind „im besten Alter“ und graue Haare sowie Bartstoppeln bekommen ansprechende Namen wie „Salt ‚n‘ Pepper Look“ (auf Deutsch: „Salz und Pfeffer-Optik“). Bei alleinstehenden Frauen sprechen wir dagegen von „alten Jungfern“, oder „Frauen im mittleren Alter“. Falten und ergrautes Haar macht sie nicht „markanter“, sondern „welk“.
6. „Pussy“
Das englische Wort für „Scheide“ wird oft als Schimpfwort gebraucht. So werden vor allem Männer, deren „Männlichkeit“ aus der Perspektive der sprechenden Person nicht genügt, als „Pussy“ (oder deutschem Äquivalent) bezeichnet. Das weibliche Geschlechtsteil als Beleidigung und Schimpfwort zu verwenden, ist kein deutsches oder englisches Phänomen. Auch in anderen Sprachen wie Französisch oder Spanisch verwenden Menschen das entsprechende Wort als Beleidigung.
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7. „Emanze“
Ist ein negativ konnotierter Begriff, der „emanzipierte“ Frauen, Frauenrechtler:innen und feministische Aktivist:innen beleidigt.
8. „MILF“
Ausgeschrieben oder ausgesprochen beutetet das Akronym MILF „Mum I‘d like to fuck“ (auf Deutsch: Mutter, mit der ich gerne schlafen würde“). Dabei kann eine Mutter gemeint sein oder eine (kinderlose) Frau mittleren Alters. Wie sich der Begriff im globalen Sprachgebrauch etabliert hat, ist nicht vollständig nachvollziehbar. Klar ist: Er stammt aus US-amerikanischem Studierenden-Slang und wurde durch den Spielfilm „American Pie“ international bekannt.
Da die Person, die das Wort gebraucht, die Frau auf äußerliche und sexuelle Merkmale reduziert, eignet sich „MILF“ nicht als Kompliment und wird von vielen Frauen als abwertende Äußerung empfunden.
9. „Tippse“
Für Sekretärin oder „Saftschubse“ für Flugbegleiterin sind herabwürdigende (und veraltete) Begriffe, die Frauen in diesen Berufen jegliche Kompetenz absprechen und absolut tabu.
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